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Chávez - ein Staatsstreich von innen*

Ein Interview mit den Dokumentarfilmerinnen Kim Bartley und Donnacha O´Brien

von Brian Forrest

03.11.2003 — ZNet

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Im Jahr 2001 reisten Kim Bartley und Donnacha O´Brien nach Venezuela, um eine Darstellung des demokratisch gewählten, linken Präsidenten Hugo Chávez, der durch die umwälzende Unterstützung der armen Teile der venezolanischen Städte und des Landes ins Amt kam, hinter den Kulissen zu drehen. Während sie im April 2002 filmten, fanden sie sich inmitten eines Coupversuchs gegen Chávez wieder und ihre Kameras fingen die unglaublichen Bilder diese Aprils ein. Sie stellten anschließenden das Filmmaterial zusammen, um die Dokumentation “Chávez – ein Staatsstreich von innen”* zu schaffen. Bartley und O´Brien wurden von Brian Forrest im Oktober 2003 interviewt.

BF: Zu welchem Zeitpunkt haben sie realisiert, dass sie nicht mehr länger ein Portrait von Chávez sondern die Dokumentation eines Coups drehen?

KB & DOB: Die Natur der Dokumentation veränderte sich dramatisch, was einst als Darstellung von Chávez und Blick auf die Geschehnisse in Venezuela geplant war, veränderte sich in eine Geschichte eines Coups von innen. Selbstverständlich bemerkten wir in der Nacht des Coups, dass wir von etwas ziemlich außergewöhnlichen Zeuginnen wurden, trotzdem zögerten wir, drastische Entscheidungen über unsere Dokumentation zu fällen. Die Entscheidungen wurden überwiegend während des Schneidens getroffen und es war ein sehr langsamer und schwieriger Prozess, da wir mehrere Monate zuvor filmten und eine sehr genaue Vorstellung hatten, so dass wir nur widerwillig von unseren Ideen abrückten. Letztendlich versuchten wir innerhalb der Zeitgrenze, die Situation in Venezuela darzustellen, so gut wir nur konnten und wie wir sie wahrgenommen haben, bevor wir die Ereignisse rund um den Coup berichten.

BF: Waren sie um ihre persönliche Sicherheit besorgt? Wie haben sie sich damit auseinander gesetzt?

KB & DOB: Die Leute fragen immer, ob wir Angst gehabt hätten und die Wahrheit ist, dass es sehr schwer ist, die Gefühle in der Nacht des Coups zu erklären, die ganze Sache war sehr surreal (überirdisch, über die Realität hinausgehend) und alles geschah so schnell [...] und dennoch schienen die Stunden im Palast in dieser Nacht, bevor Chávez entführt wurde, in Zeitlupe zu vergehen. Natürlich fragten wir uns zu bestimmten Zeitpunkten, wie die Nacht enden würde – würden sie den Palast bombardieren? – trotzdem zogen wir nicht in Erwägung, den Palast zu verlassen. Der nächste Tag war jedoch eine völlig andere und beängstigende Erfahrung, wir hatten seit dem Morgen des Vortages nicht gegessen und geschlafen, wir sahen Menschen, die wir kannten und deren Häuser geplündert worden sind, wir erhielten Anrufe, mit den Aufnahmen zu unserer eigenen Sicherheit das Land zu verlassen. Generell waren die Repressionen (Unterdrückungsmaßnahmen) an jenem Tag, als Carmona die Macht übernahm, Furcht einflößend. Wir wußten beide, was 1973 in Chile geschehen war und die Anführer des Coups gelang es auch sehr schnell, eine Atmosphäre der Angst in der Hauptstadt zu erzeugen. Sie war greifbar und tief aufwühlend.

BF: In ihrem Film werden häufig Chávez Gegner und die Anführer des Coups während des Coups gezeigt. Erzählen sie uns doch einmal, wie es ihnen möglich gewesen ist, Aufnahmen von beiden Seiten des Kampfes zu sammeln.

KB & DOB: Damals lebte die alternative Medienszene in Venezuela auf, mutige Menschen gingen mit Videokameras auf die Straße und filmten drei Tage lang. Wir hatten das Glück, viele dieser unabhängigen Gemeinde- Medienguppen zu kennen und sie waren phantastisch, sie gaben uns ihr Filmmaterial und wir integrierten (einbauen) es in unsere Aufnahmen. Unendlichen Dank deshalb an Panafilms, die auch weiterhin großartige Arbeit machen – sie geben der ArbeiterInneklasse eine Stimme – etwas, was sie privaten Medien nie getan haben. Sie haben ihre Arbeit trotz ihrer unzureichenden finanziellen Mittel fortgesetzt und trotz einer Durchsuchung ihres Arbeitsplatzes durch die Polizei, die einem der Bürgermeister unterstellt ist, der dem anti- Chávez- Lager zugeordnet wird(sie fand in Anschluss an die Ausstrahlung eines Videos statt, in dem die Rolle der venezolanischen Medien während des Coups angeprangert wird). Die Rolle der alternativen Medien im venezolanischen Prozess ist ein interessantes Phänomen. Die Aufnahmen, die im Palast gemacht wurden, als Carmona vereidigt wurde – das Schulterklopfen und die allgemeine Euphorie – stammen von einem offiziellen Palastkameramann, der an jenem Tag wie gewöhnlich zur Arbeit ging und uns, nachdem Chávez wieder im Amt war, das Material übergab.

Während wir uns in Venezuela aufhielten, gewann die alternative Medienszene gerade erst an Kraft. Nach dem Coup und angesichts der Rolle, die die Berichterstattung der alternativen Medien für die Nachrichtenverbreitung gespielt haben, arrangierte die Regierung zahlreiche Treffen mit Mitgliedern dieser Gruppen, um ein Hilfsplan für ihre Finanzierung und für Sendezeit auszuarbeiten, damit sie ihre Arbeiten im nationalen Fernsehsender und über das nationale Radio ausstrahlen können... . Es sind außerdem Schritte überlegt worden, sowohl eine venezolanische Indymedia als auch eine Mediawatch Gruppe zu gründen.

BF: Wie wurde ihr Film in Venezuela, und im Rest der Welt angenommen?

KB & DOB: Der Film wurde vergangenen April im venezolanischen Staatsfernsehen (Kanal 8) gezeigt und das Feedback fiel, wie erwartet, aus: Chávez AnhängerInnen liebten, seine GegnerInnen hassten ihn, wir hörten jedoch auch von vielen Menschen, dass sie nicht mehr wüßten, was sie glauben sollen und die geschockt waren, als sie sahen, was im Palast vorgefallen ist und wie die Medien über die Ereignisse berichtet haben. In anderen Ländern waren die Reaktionen wirklich unglaublich. Er wurde in den USA zuerst beim SXSW- Festival in Texas gezeigt und wanderte dann zufriedenstellend um die Welt. Mit dem Aufbau der Irakinvasion sind zudem viele Menschen durch die anti- Kriegsbewegung zum ersten Mal politisch aktiv geworden, so dass die Dokumentation zu Hause eingeschlagen hat, obwohl sie es vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt nicht getan hätte. Wir hoffen, dass so viele Menschen wie nur möglich in den USA die Möglichkeit erhalten, den Film zu sehen und dass er eventuell als Katalysator in der Debatte um die Rolle der U.S. Macht in der Welt funktioniert.

BF: Ein Mysterium, das vom Film nicht aufgelöst wird, ist das in den USA registrierte (angemeldete) Flugzeug, das auf der Insel landete, wo Chávez während des Coups festgehalten worden ist. Ist heute mehr darüber bekannt?

KB & DOB: Newsweek veröffentlichte einen Bericht nach dem Coup, in dem der Besitzer des Flugzeugs als Gustavo Cisneros identifiziert wurde, der venezolanische Wirtschaftsmagnat (Boss) und Besitzer von Venevision, einer der kommerziellen Sender. Es wurden umgehend gerichtliche Schritte gegen die AutorInnen des Berichtes eingeleitet.

BF: In den dramatischen Momenten, als die Palastwachen gegen die Anführer des Coups revoltierten, war nicht eindeutig, was sie motivierte. War es eine persönliche Affinität (Gefühlsneigung)? Waren es die Menschenmengen der Chávez AnhängerInnen vor den Zäunen des Palastes? Ich frage mich, ob sie die Möglichkeit hatten, mit Palastwachen zu reden und sie zu ihrer Motivation zu befragen.

KB & DOB: Wir sprachen mit vielen Palastwachen im Anschluss an Chávez Rückkehr und die Gründe haben sie schon in ihrer Frage erwähnt. Chávez ist sich bewußt über die Macht des persönlichen Kontaktes und ist folglich immer darauf bedacht, die jüngeren SoldatInnen zur Seite zu nehmen und mit ihnen zu reden – manchmal nimmt er sich dafür mehrere Stunden Zeit. Er bedient sich auch einer Sprache, an die diese jüngeren Frauen und Männer gewöhnt sind, die oft aus ArbeiterInnenfamilien stammen (es gibt keinen Zwangsdienst), und erzählt ihnen von seiner eigenen Zeit als junger Mann bei der Armee, von Baseball, [...] auf diese Weise hat er sicherlich eine Seelenverwandtschaft mit den unteren Rängen der Armee aufgebaut. Und was noch viel bedeutender ist der Versuch, die Rolle der Armee neu zu definieren indem er daran Arbeit, ihr nicht nur ein Dienstethos gegenüber dem Staat sondern vor allem gegenüber dem Volk und der 1999 gewählten, progressiven Verfassung einzupflanzen. Die Entscheidung, am 13. April den Präsidentenpalast zu stürmen, wurde von den Führern der Präsidentenwache und Chávez inneren Zirkel getroffen, aber sie entschieden sich nur zum Handeln, weil sie sich der Unterstützung der draußen versammelten Massen sicher waren. Außerdem hat bereits, bevor in Caracas Aktionen unternommen wurden, eine Kaserne im Westen Venezuelas – in Maracay – revoltiert und sich geweigert, Befehle der neuen Administration entgegen zu nehmen. Ein Schlüsselfaktor für das Scheitern des Coups war laut der Doku die Tatsache, dass sich viele der Kasernen im gesamten Land auf die Berichterstattung der privaten Sender verlassen mussten und somit keine Informationen darüber besaßen, dass die Präsidentengarde oder die Kaserne in Maracay in Aktion getreten waren. Erst als der Staatssender wieder auf Sendung ging, konnten sie realisieren, dass das Oberkommando des Militärs sie bezüglich Chávez Rücktritt belogen hatte - und die Gezeiten änderten sich.

BF: Als Chávez an die Macht kam schien es, gute Gründe zu geben, wenn er denn gewollt hätte, die privaten Medien zu zensieren, die seiner Regierung feindlich gesinnt sind/waren. Warum, denken sie, hat er der Versuchung, der schon vor ihm viele Revolutionäre nachgegeben haben, widerstehen können?

KB & DOB: Chávez hat schon oft von der Tatsache gesprochen, dass sich frühere, demokratisch gewählte Regierungen zügelloser Zensur hingegeben hätten und dass er sorgfältig darauf achte, nicht denselben Weg einzuschlagen. Seine Stärke liegt darin, die Menschen über ihre Rechte aufzuklären, und es ist ziemlich bemerkenswert, in armen Nachbarschaften, wo die Menschen häufig nicht lesen und schreiben können, Personen anzutreffen, die sich sehr wohl bewußt sind, wie die Medien funktionieren und erzählen, dass m. nicht alles, was im Fernsehen läuft, glauben könne. Deshalb ist auch die unabhängige Medienbewegung so bedeutend in Venezuela. Nichtsdestotrotz wird die sanfte Haltung der Administration gegenüber den empörenden Verzerrungen der privaten Medien in Venezuela in Frage gestellt. Es wird argumentiert, dass, wenn die Übertragungswellen öffentliches Eigentum sind, und private Sender nur mit einer Lizenz des Staates ihr Programm ausstrahlen dürfen, die privaten Medien gezwungen werden sollten, grundlegende Regeln der Ausgeglichenheit, Objektivität, Fairness etc. zu beachten. Hier in Irland ist das ein recht unstrittiges Thema, es gibt Regeln und der Staat behält sich das Recht vor, diejenigen zu bestrafen, die sie verletzen. Natürlich besteht das Problem darin, dass die privaten Medienkonglomerate (Zusammenschluss aus vielen kleinen zu einem großen Unternehmen) heutzutage ebenso wie multinationale Konzerne annehmen, sie unterlägen nicht der öffentlichen Kontrolle. Das ist eine ernsthafte Sache, die wir uns als BürgerInnen einmal vor Augen halten sollten. Wie kann das Prinzip der Meinungsfreiheit in einer, zunehmend von einem wirtschaftlichen Oligopol (eine Minderheit, die sich zusammengeschlossen hat, um über die Mehrheit zu herrschen) kontrollierten Medien- Welt geschützt werden, wenn gleichzeitig die Oligarchen scheinbar versuchen, ihre private Macht immer weiter auszubauen – wie z.B. Fox News.

BF: Zu dieser Bemerkung: Kameras funktionieren wie ein “drittes Auge”, das den Kampf der miteinander wetteifernden Positionen von Chávez und den privaten, venezolanischen Medien betrachtet. Normalerweise nähme m. an, dass kein/e PolitikerIn vermag, sich gegen die nahezu einträchtige Opposition der Medien im Amt zu halten. Wie kommt es dazu, dass die Massen der venezolanischen Bevölkerung Chávez Botschaft trotz derart vieler Filter verstanden hat?

KB & DOB: Während des Coups waren die führenden Medien stumm, so dass anderen Informationskanälen wie dem Internet, dem Kurzwellenradio und dem Kabelfernsehen eine gewichtige Rolle zukam, um dem venezolanischen Volk auch andere Aspekte der Geschichte zu erfahren. Ein weiteres großartiges Informationsgerät war das Mobiltelefon. Menschen aus unterschiedlichen Teilen von Caracas konnten rasch Informationen austauschen, berichten, dass andere auf die Straßen gingen, und generell einen Sinn für Solidarität und Mut aufrechterhalten. Doch all das wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht zuvor ein Prozess der Bewußtseinsbildung in großen Teilen der Bevölkerung stattgefunden hätte. Chávez hat dazu in der Rolle eines brillanten Kommunikators als Zerstörer der Mythen beigetragen, dass, wie Paolo Freire sagt, die Unterdrücker die Menschen für gewöhnlich unterdrückten. Er weiß, wie er jedes Medium zu seinen Gunsten einsetzen kann und die “Alo Presidente”- Show ist dafür ein bedeutender Baustein. Jedoch muss festgestellt werden, dass die Menschen sich letztendlich selbst befreit haben. Viele Menschen wollen frei sein, wollen eine bessere Gesellschaft aufbauen. Und manchmal bedarf es einiger beachtenswerter Individuen wie Chávez, um aufzuzeigen, dass dies auch tatsächlich möglich ist. Wenn die Menschen dies erst einmal erkennen, wird er gar nicht mehr gebraucht. Eine Person, mit der ich gesprochen habe und die während des Coups zum Palast gewandert ist, um ihn zu umzingeln, war nicht dort, um den Mann Chávez zu verteidigen, sie waren dort, um ihre Verfassung zu verteidigen – mit anderen Worten, ihre Vision einer besseren Gesellschaft.

BF: Sind sie nachdem sie den Film gedreht hatten, erneut nach Venezuela zurückgekehrt?

KB & DOB: Nur für sehr kurze Zeit. Im wesentlichen datiert unserer Verständnis des Landes aus der Zeit, in der wir gefilmt haben. Obwohl wir versuchen, auf dem Laufenden zu bleiben und die Ereignisse weiterhin zu verfolgen, ist es wirklich schwierig, genau am Puls der Zeit zu sein. Es scheint, als ob die wirtschaftliche Destabilisierung, die nach dem Coup eintrat, die Wirtschaft ruiniert hat. Kombiniert mit der anhaltenden Kapitalflucht hat sie die Arbeitslosigkeit und die Inflation gesteigert. Selbstverständlich trifft dies die Mittelklasse am härtesten und folglich entsteht der Eindruck, als sei ihr Hass auf die Regierung schier unversöhnlich. Die Stimmung unter den Armen ist nicht einfach zu beschreiben. Jene, die am Wandlungsprozess Teil hatten/haben, sind scheinbar radikalisiert worden. Vernachlässigte Gemeinden, die im großen und ganzen außerhalb der formellen Wirtschaft leben, spüren die Wirtschaftsschwäche kaum bis gar nicht. Sie haben sich sogar noch weiter verselbständigt. Das Problem ist, dass es offensichtlich keinen politischen Raum gibt, in dem diese Polarisierung (Aufteilung in zwei direkt entgegengesetzte Lager) aufgelöst werden könnte. Die Mittelklasse weigert sich, eine echte politische Oppositionsarbeit zu leisten, d. h. demokratischen Parteien beizutreten, eine alternative Politik zu entwerfen, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen, etc.. Sie hat alles in die Vertrauensabstimmung gesetzt, die rechtmäßig ist. Doch es scheint, als ob sie darauf versessen sei, Chávez zu jedem Preis loswerden zu wollen. Sie hat wohl auch nicht erkannt, dass für den Fall, dass sie Chávez loswerden sollte, sie sich trotzdem mit einem riesigen – bislang von ihr marginalisierten (vernachlässigt, an den Rand getrieben) - Teil der venezolanischen Gesellschaft auseinandersetzen muss, der nun ein politisches Bewußtsein besitzt und aktiv politisch arbeitet.

BF: Zwei Fragen kommen an diesem Punkt auf – erstens, wie war es Chávez, dem Anführer eines im Jahr 1992 fehlgeschlagenen Coups, möglich, sich für das Präsidentenamt zu bewerben; und zweitens, sollten Linke auf der ganzen Welt der Unterstützung der Präsidentschaft eines Coup Anführers reserviert gegenüber treten?

KB & DOB: Chávez wurde 1992 zusammen mit anderen führenden Organisatoren des Coups inhaftiert. 1994 ist er schließlich entlassen worden. Während seines Gefängnisaufenthaltes hat er eine Allianz mit zivilen Gruppen entwickelt, die in verschiedenen Bereichen friedlich für einen Wechsel arbeiteten – Parteien wie die Mas und die Patria Par Todos. In vielerlei Hinsicht war der Coup 1992 eine symbolische Geste, ein Versuch, um die progressiven Kräfte im Land zu wecken, in etwa vergleichbar mit der Oster- Erhebung in Irland 1916, die zum irischen Unabhängigkeitskrieg führte. Nach 1992 wurde Chávez der Konzentrationspunkt für eine bis dahin unschlüssige Bewegung. Wir denken nicht, dass Linke automatisch ehemalige Coup- AnführerInnen von Allianzen ausschließen sollten; es hängt davon ab, wofür sie sich ausdrücklich engagieren. Und offensichtlich sollte m. einen Blick auf die Gründe werfen, warum diese oder jene Person sich an einem Coup beteiligt, ob sie an Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und ob sie ihre Strafe bereits abgeleistet hat.

BF: Während der Coup definitiv bisher das verheerendste Beispiel für die Kampagne gegen Chávez war, gibt es weiterhin Bemühungen, ihn aus seinem Amtes zu jagen. Habt ihr irgendeine Idee, was ein/e nicht- VenezolanerIn, der/die Chávez Demokratie befürwortet, machen kann, um mit den Menschen in Venezuela solidarisch zusammen zu arbeiten?

KB & DOB: Ich persönlich denke, dass die venezolanische Mittelklasse der Schlüssel ist... . Ich bin der Meinung, dass in diese Richtung geholfen werden muss, ihr die Angst und Instabilität zu nehmen, die sie fürchtet. Dementsprechend zählen beispielsweise die Tobinsteuer und Kapitalkontrollen – Schritte, die Chávez gutheißt, um der Kapitalflucht und der Instabilität entgegen zu treten – zu Hilfsmaßnahmen, die die internationale Zivilgesellschaft als förderlich für Venezuela und die Welt fordern sollte. Zweitens, reagiert die venezolanische Mittelklasse sehr sensibel auf die “westliche” Meinung. Sie modelliert sich beinahe eine U.S. amerikanische oder europäische Identität. Wir sollten Wege finden, sie mit Menschen aus Europa/ den USA zusammenzubringen, die zwar einen ähnlichen Lebensstil, aber eine andere Vision von der Welt haben. Etwa Austauschprogramme, wie Global Exchange sie in San Francisco organisiert hat, nur zwischen Menschen der Mittelklassen der jeweiligen Länder.

*Der Originaltitel des Filmes lautet: “The Revolution will not be Televised” (wörtlich übersetzt: “Die Revolution wird nicht im Fernsehen übertragen”) Für weitere Informationen siehe: www.chavezthefilm.com.

Der Film wurde am 14.09.2003 in ZDF und zuvor bei ARTE gezeigt. Wiederholungen möglich und vor allem sehenswert. [Anm. d. Übersetzers]

Übersetzt von: Christian Stache
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