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Der Starbucks-Konzern ist Ziel eines arabischen Boykotts - weil er sich zunehmend in Israel engagiert

von Robert Fisk

15.06.2002 — The Independent / ZNet

— abgelegt unter:

Beirut. In fünf arabischen Staaten findet derzeit eine erneute u. diesmal engmaschig-koordinierte Kampagne zum Boykott amerikanischer Waren statt. Ihr hauptsächliches Ziel sind die Starbucks-Kaffeeläden, aber auch Nestlé, Coca-Cola, Johnson & Johnson sowie Burger King stehen auf der Liste. Heute ist z.B. für Beirut eine Aktion angesagt, bei der Aktivisten vor allen vier Starbucks-Läden der Stadt Flugblätter verteilen wollen; im Flugblatt wird die pro-israelische Haltung des Starbucks-Chefs Howard Shultz detailiert dargelegt, u. es wird behauptet, Shultz sei “ein aktiver Zionist“.

1998 wurde Shultz mit dem „Ehrenpreis zum 50ten Geburtstag Israels“ ausgezeichnet u. zwar vom Jerusalem-Fonds des „Aish Ha-Torah“, einer Vereinigung, die Arafat scharf kritisert u. die darauf Wert legt, die besetzten palästinensischen Gebiete dürften lediglich als “umstritten“ bezeichnet werden. In einer Rede vor amerikanischen Juden in Seattle Anfang des Jahres hatte Shultz - Starbucks Top-Mann also - die palästinensische “Untätigkeit“ verurteilt u. gesagt, dass “...die Palästinenser ihren Job nicht machen - sie tun nichts, um den Terrorismus zu stoppen“ - und das auf der Höhe der scharonschen Invasion zur Wiederbesetzung der Westbank-Städte. Gideon Meir, ein Sprecher des israelischen Außenministeriums gratulierte Shultz, er würde amerikanischen Studenten “die israelische Sicht der Nahost-Krise“ nahebringen. (Außer im Libanon) hat Starbucks auch noch in sechs anderen arabischen Ländern Ladengeschäfte - in Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Oman, Katar sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten. Aber die protestierenden Boykottler - palästinensische u. muslimische (Studenten-)Gruppen an der ägyptischen Ein Shams Universität sowie der Amerikanischen Universität von Kairo z.B. -, wollen weit mehr. Ihre Boykottliste umfaßt eine große Anzahl Konzerne, die sie dafür abstrafen wollen, dass sie (angeblich) Israel unterstützen - u. zwar nicht nur im Nahen Osten sondern auch in den USA. Auf der Liste stehen Konzerne wie: AOL Time Warner, Disney, Estée Lauder, Nokia, Revlon, Marks & Spencer, Selfridges oder IBM. Inzwischen liebäugeln auch schon Studenten der Universität von Dubai bzw. der syrischen Hauptstadt Damaskus mit den Boykottplänen. “Zuerst hatten wir große Mühe, es zu schaffen, dass unsere vier Libanon- Boykottgruppen zusammenarbeiten“, so Amira Solh, eine der libanesischen Aktivistinnen. “Wir stritten uns darüber, ob wir nun amerikanische Konzerne boykottieren sollten oder doch lieber Unternehmen, die direkte Beziehungen zu Israel unterhalten. Richtig zum laufen brachten wir die Sache wirklich erst, als die Israelis Arafats Hauptquartier in Ramallah belagerten. Der Staat Libanon boykottiert ja alle israelischen Produkte, also fragten wir uns: “Warum nicht auch diejenigen von Firmen, die Israel direkt unterstützen?““ Die meisten arabischen Länder sind ja der kapitalistischen Welt anheimgefallen. Sie akzeptieren amerikanische Unternehmen mit guten Beziehungen zu Israel. Was wir im Moment initiieren wollen, ist ein Wirtschaftskrieg“.

Burger King hatte arabischen Zorn auf sich geladen, als er vor etwa zwei Jahren eine Filiale in einer illegalen jüdischen Siedlung in der besetzten Westbank eröffnete. Das Unternehmen entschloss sich daraufhin zwar, das Lokal wieder zu schließen, eröffnete es aber erneut - wenn auch nur indirekt über eine Franchise-Firma - nachdem es unter Druck vonseiten der Pro-Israel-Lobby in den USA geraten war.

Die Firma Nestlé hat sich die Aktienmehrheit in der israelischen Firma Osem gesichert - was es Nestlé erlaubt, seine Produkte nun auch in Israel zu vermarkten -, darunter Nescafé, Perrier, Carnation, Smarties u. KitKat. Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, das Osem - wie es ein israelischer Journalist ausdrückt -, “mit einer weltweiten Infrastruktur für Werbung u. Vermarktung versorgt“. In einem seiner jüngsten Rechenschaftsberichte verkündete Osem-Nestlé einen Viermonats-Profit von $7,5 Mio.

Im Libanon versucht das Unternehmen Coca-Cola arabische Kritik zu entschärfen (Coca-Cola hat dort eine Fabrik), indem es betont, es unterhalte in Israel keinerlei Produktionsstätten. Dort würden lediglich Importe von Coca-Cola-Produkten verkauft, darunter auch Fanta u. Sprite. In einer Aktion, die allgemein als Besänftigungsversuch gegenüber den Protestlern gewertet wird, läßt Coca-Cola-Libanon jetzt plötzlich bei Jezzine südlich von Beirut Zedernbäume anplanzen: Zedern sind ja das nationale Emblem.

Starbucks, das weltweit 4709 Filialen unterhält, versucht inzwischen, sein pro-israelisches Image etwas zu relativieren, indem es z.B. Kritikern, die an die Firma schreiben, antwortet, Geschäftsführer Shultz - der Jude ist - “sei keinesfalls der Auffassung, der Terrorismus (!) sei repräsentativ für das (ganze) palästinensische Volk“. Neulich redete Shultz vor seiner lokalen Synagogen-Gemeinde. Starbucks beeilte sich festzustellen: “Howard hat dort als Privatperson gesprochen u. hat mit den Medien nicht über dieses Thema geredet“. Und in einer anderen Stellungnahme heißt es, der Konzern sei “tief betroffen über die Ereignisse (!) in Nahost“, u. anschließend wird Shultz mit den Worten zitiert: “Ich bedauere sehr, dass meine Seattle-Rede als anti-palästinensisch mißinterpretiert wurde. Meine Position war immer Pro-Frieden u. für eine friedliche Koexistenz beider Nationen (!)“.

Die arabischen Studenten hier glauben, die größte Angst der Konzernbosse sei nicht etwa ein möglicher Einbruch ihrer Gewinne in den arabischen Ländern, vielmehr, der arabische Protest könne nach Europa überschwappen - von europäischen Palästina-Sympathisanten aufgegriffen -, oder er greife sogar auf Amerika über. Howard Shultz, der meines Wissens nie die illegalen israelischen Siedlungen auf besetztem palästinensischem Gebiet verurteilt hat, treibt Starbucks Entree in den israelischen Markt voran, indem er letztes Jahr zwei Coffeeshops in Tel Aviv eröffnet hat - über die Joint-venture-Firma Shalom Coffee Ltd..Gegen Ende des Jahres will Starbucks in Israel schon insgesamt 20 Kaffeeläden eröffnet haben. Howard Shultz besucht Israel regelmäßig. Und er ist einer von vielen Prominenten, die von der „Theodor-Herzl-Mission“ nach Jerusalem eingeladen wurden - zu einem Gala Dinner anläßlich der Preisverleihung der „Freunde Zions“ - auf der Leute geehrt werden, “die sich als Schlüsselfiguren um enge Beziehungen zwischen Israel u. den USA verdient gemacht haben“. Zu denen, die von der „Theodor-Herzl-Mission“ bereits eingeladen wurden, zählen u.a. die Baronesse Margareth Thatcher, Newt Gingrich (ehem. republikanischer Sprecher im US-Repräsentantenhaus) sowie der frühere US-Gouverneur Tom Ridge - der neueernannte Chef der „Heimatsicherheit“*.

Anmerkung d. Übersetzerin:

*“Department for Homeland Security“ - die von Präsident Bush gerade erst neuge- gründete Super-Geheimdienstbehörde, die neben CIA u. FBI arbeiten soll u. das amerikanische Inland vor neuen Terroranschlägen schützen.

Übersetzt von: Andrea Noll
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