Hier unterschreiben Kleiner!
von Mike Ferner
14.10.2004 — Veterans For Peace Newsletter / ZNet
Er trällerte für Teenager in North Carolina, schrie Rekruten in „Boot Camps“ an und zog verkohlte Zivilistenleichen aus Autos im Irak. Jetzt gibt Jimmy Massey sein Bestes um sein Versprechen einzuhalten, der ganzen Welt zu erzählen, was er als Marine gelernt hat. Zehn Jahre lang, liebte er das Marine Korps.
Mit seinem schnellen Geist und seiner Kontaktfreudigkeit war ihm und seinen Vorgesetzten klar, dass er einen guten Referenten abgeben wird. Und mit dem Glück des Loses wurde er in die Gegend um Asheville, North Carolina, geschickt, nicht weit von seiner Heimatstadt.
Es ist ein Vorteil Referent in dieser Gegend zu sein, ich kenne die Mentalität der Leute hier. Wenn man über Themen, wie Wirtschaft und Arbeit spricht, dann weiß ich worüber die Leute reden. Und außerdem öffnen hier Leute normalerweise nicht ihre Türen für Fremde.
Im Gegensatz zu dem was manche glauben, meint der 32 Jahre alte frühere Feldwebel, bekommen Referenten des Marine Korps keine Zuschläge für Mehranwerbungen. Meine monatliche Quote lag bei drei im Sommer und 2 im Winter. Manchmal unterschreiben fünf in einem Monat, es kommt aber auch vor, dass man unten durch ist, wenn man mal keine dazu bringt. Referenten bekommen eine Sonderzahlung von 475$ im Monat, wenn sie in Zivil unterwegs sind, da das Zivilleben höhere Kosten auswirft. Ein E-5 Referent verdient ungefähr 1500$ in zwei Wochen zuzüglich Sonderzahlungen. Aber Referent zu sein ist auch teuer.
Da sind Extrakosten, wie Besuche bei Prostituierten für potentielle Anwerber. Außerdem habe ich von der Regierung eine extra Kreditkarte bekommen, leider auf meinen Namen, so dass die Rechnungen zu mir kommen. Die muss ich erst mal bezahlen und bekomme das dann ausgeglichen. Man muss auch ein cooles Auto fahren, man kann schließlich nicht in irgendeiner alten Familienkarre rumfahren. Schließlich kann man nicht mit einem jungen Menschen über finanzielle Stabilität reden und “nen alten Ford Ranger fahren.
Massey selber fährt einen Mustang, manche Referenten des Marine Korps jedoch, fahren aufgemotzte Karren mit 20 Zoll Felgen. Und es ist nicht nur das dicke Auto, man muss auch Schmuck haben ... und so was alles. Ich selber achtete immer sehr auf so was, wenn ich im „Einsatz“ war. Man muss halt seinen Part einnehmen, denn junge Menschen sind wirklich sehr versessen auf diese materiellen Sachen.
Die größte Verlockung, die ein Referent machen kann, ist es, jungen Männern und Frauen, die der Armut entfliehen wollen, eine Ausbildung zu versprechen. Folglich bedeutet das Nichtbekommen eines Jobs, den der Referent ja schließlich versprochen hat, oftmals Unzufriedenheit in der Truppe. Aber das Marine Korps hat schließlich immer Arbeit für dich, den ganzen Tag, meint Massey, aber es bedeutet nicht das du einen für draußen bekommst.
In den USA besteht ein Netzwerk in der Gesellschaft, welches Referenten es ermöglicht, ihre Quoten zu erreichen, z.B. das Büro des Sheriffs, in der Schule ... den ganzen Weg hoch bis in das Büro des Kongressabgeordneten.
Ein Referent ist wie ein Spion, sagt Massey, er weiß alles über die „Kleinen“ die er rekrutiert. Zum Beispiel, lernte Massey selber die ganzen Namen der High School Abgänger auswendig, und das in seinem sieben Landkreise umfassenden Bereich, mit ungefähr 1000 Abgängern. Und das jedes Jahr in dieses ländlichen Gegend.
High School Schüler blieben nicht die Einzigen, die er näher kennerlernte. Referenten kennen die Namen der Bezirksstaatsanwälte in jedem Landkreis, und gehen zu ihnen, um Vorstrafen bei den potentiellen Rekruten streichen zu lassen.
Massey erklärt, dass die systematische Rekrutierungspraxis der Marines auch die Arbeit mit allen möglichen Informationen über den potentiellen Rekruten umfasst, die regelmäßig aktualisiert werden. Da schreibt man dann alle Infos nieder die man kennt. Wenn zum Beispielt Johnny Smith ein paar Probleme mit dem Gesetz hatte, dann würde ich zum Bezirkstaatsanwalt gehen und fragen ob er rettenswert ist. Wenn ja, würde ich dem Staatsanwalt sagen, dass ich mit Johnny gesprochen habe und dass er denkt, dass er zum Marine Korps will. Mehr als, man das ist großartig, wird er nicht sagen.
Während das „systematische Rekrutieren“ auf die sozialen Probleme zielt, ignoriert es möglicherweise lebensgefährdende Krankheiten, wie Asthma. Ich würde mit dem Anwerber ernsthaft über das Asthma reden und fragen, ob er ein Inhaliergerät benutzt. Wenn er ja sagt, dann sage ich ihm, er soll 10 Liegestütze machen. Wenn er dabei keine Probleme hatte, würde ich ihm sagen, siehst du, du hast doch gar kein Asthma! Im Jahr 2000, seinem letzten Jahr als Referent, wurde er ... müde zu lügen. Ich fühlte, dass ich nahe an einem Nervenzusammenbruch war. Mir wurde Depression als Krankheitsursache genannt und wurde mit Medikamenten behandelt. Ich schrieb einen Brief an meinen Vorgesetzten, wie man das Rekrutieren menschlicher machen kann.
Der Vorgesetzte sagte ihm, dass es eine der besten Darstellungen war, die je jemand über die Praxis geschrieben hat. Massey jedoch entschied, das Rekrutieren sein zu lassen , und schrieb sich wieder beim Dienst an der Waffe für das Marine Korps ein.
Bald fühlte er sich wieder gut genug, um von den Antidepressiva wegzukommen. Dann wurde er jedoch nach Kuwait verlegt, wo er mit 130'000 anderen Soldaten den Irak angriff. Als sie sich nach Norden kämpften, durch die Städte Safwan und Basra, war die Hauptaufgabe seiner Einheit, Straßensperren zu errichten. Wir hatten die Erlaubnis auf alles zu schießen, der durch wollte. In 48 Stunden töten sie schon mal über 30 Zivilisten. Wir haben sie einfach mit Geschützfeuer „erleuchtet“, wenn wir jedoch die verkohlten Leichen aus den Autos zogen, fanden wir nie eine Waffe. Das waren halt Zivilisten und ich fühlte, dass die Depressionen wiederkamen und ich wusste von was.
Einmal in einer Besprechung fragte ihn sein Leutnant, ob er sich gut fühle, und Massey antwortete: Nein wir betreiben hier Völkermord und lassen genug Uran hier liegen, um diesen Mord noch lange fortzuführen. Glauben sie das wirklich, fragte ihn der Leutnant. Ja, sagte Massey, sonst hätte ich es ja schließlich nicht gesagt. Da wusste er, dass sein Karriere im Marine Korps vorbei war.
Zwei Monate nach der Invasion, wurde Massey zu einem Navy Psychiater in Kerbala geschickt, der diagnostizierte wieder Depressionen und das post traumatische Stress Syndrom. Schließlich wurde er ausgeflogen. Seit seiner ehrenhaften Entlassung vom Korps, versucht Massey mit den Folgen des Krieges fertig zu werden. Er ist eines der Gründungsmitglieder von „Iraq Veterans Against the War“ und er schreibt ein Buch über seine Erfahrungen. Nach seinen Rat gefragt, was ein Jugendlicher beim Besuch eines Militärreferenten beachten sollte, meint Massey, nimm einen Veteran mit. Man wird nie diese Gedanken ans Rambo spielen abschaffen können, jedoch sollte man die Realität offen legen und den Kindern sagen was los ist ... das ist es warum ich das hier alles mache.
Und tatsächlich, Massey hinterlies den Marines eine Nachricht bevor er ging. Als er mit einem Oberst sprach, schwor er, das er ab dem Moment, wo er hier rauskommt, der ganzen Welt erzählt was er hier erlebt hat.
Twitter
RSS Feed
