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In Caracas fand ein 'Treffen zur Verteidigung der Menschheit' statt

von Jane Franklin

17.01.2005 — ZNet Kommentar

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Konfrontiert mit der Tatsache, daß das Weiße Haus in Washington die Weltherrschaft plant, haben Venezuela und Kuba ein gemeinsames Widerstandsbündnis gegen das US-Imperium geschmiedet - eine Allianz, die schon jetzt Kräfte freisetzt, die die Welt zum Bessern verändern wollen. Nach der Wahl Hugo Chavez zum Präsidenten Venezuelas, im Jahr 1998, wurde Venezuela in „Bolivarische Republik Venezuela“ umbenannt - zum Gedenken an Simon Bolivar, den Befreier Lateinamerikas. Präsident Chavez arbeitet hart daran, die lateinamerikanischen und karibischen Länder in der ALBA (Bolivarische Alternative für Lateinamerika) zusammenzuschließen. Die ALBA ist ein Gegengewicht zum Panamerikanischen Freihandelsvertrag (FTAA), den Washington diesen Ländern überstülpen will.

Eines der Resultate der sich rasch entwickelnden Zusammenarbeit zwischen Venezuela und Kuba war eine im Januar 2004 geborene Idee: Eine Reihe kubanischer und venezolanischer Autoren beschlossen damals, ein „Welttreffen der Künstler und Intellektuellen zur Verteidigung der Menschheit“ zu organisieren. Kubaner und Venezolaner machten sich an die Arbeit - unterstützt durch Menschen aus verschiedenen Ländern, inklusive der USA. Das venezolanische Kultusministerium versandte Einladungen. Am 1. Dezember 2004 wurde das Projekt Realität. Rund 300 Menschen aus mehreren Dutzend Ländern trafen in Caracas ein. Die Veranstaltung - bei der es zu Begegnungen mit vielen Venezolanern kam -, dauerte 5 Tage. Ich kam aus den USA - eine der Glücklichen, die man zu diesem bemerkenswerten Ereignis eingeladen hatte. Die Eröffnung des „Welttreffens“ fand in einem Auditorium mit 5000 Plätzen statt. Das Auditorium war proppenvoll. Bei seiner Ankunft wurde Präsident Chavez mit begeisterten Rufen, Klatschen und Sprechchören empfangen. Chavez grüßte. Auf seinem (langsamen) Weg zum Podium umarmte und küßte er Dutzende von uns. Vergessen Sie alles, was Sie in den US-Medien über Chavez, den “Clown“ oder Chavez, den “Ganoven“ gehört haben: Hugo Chavez ist ein eloquenter, charismatischer, kluger Intellektueller - mit einer entscheidenden Eigenschaft: seine Pläne sind ebenso visionär wie konkret.

Entsprechend der Prämisse „Angriff ist die beste Verteidigung“ gab Chavez uns den Rat, zum Angriff überzugehen. In seiner Rede (und zwei weiteren, die er auf dem „Welttreffen“ hielt) beschrieb er uns die Anstrengungen seines Landes, die Armut zurückzudrängen. Derzeit leben 80% der venezolanischen Bevölkerung (insgesamt 25 Millionen Menschen) unterhalb der Armutsgrenze. Chavez wichtigste Waffe im Kampf gegen die Armut ist eine neue Institution namens „Misiones“. „Misiones“ bedeutet freier Zugang zu Bildung, zu Sportplätzen, zu Gesundheitsversorgung, zu kulturellen Aktivitäten und Dienstleistungen für Venezolaner im ganzen Land. An einem Tag des „Welttreffens“ besuchten wir verschiedene „Misiones“. Einige von uns wurden mit dem Flugzeug ins Landesinnere geflogen. Ich selbst war bei einer Gruppe, die mit dem Bus in den benachbarten Bundesstaat Vargas reiste. Dabei lernten wir zwei Sorten „Misiones“ kennen: eine „Barrio Adentro Medical Misione“ und eine „Ribas Educational Misione“. Beide Arten von „Misiones“ sind in den armen Vierteln beheimatet.

Die „Barrio Adentro Misiones“ starteten im April 2003. Damals trafen 58 Ärzte aus Kuba ein und halfen bei der Einrichtung der ersten Barrio Adentro (was soviel heißt wie “im Innern des Viertels“). Das Konzept der Barrio Adentros erinnert an die kubanischen “Familienarzt“-Kliniken. Allerdings trafen die kubanischen Ärzte in Venezuela auf Patienten, die noch nie ärztlich untersucht worden waren. Einige litten unter gesundheitlichen Problemen, die unbehandelt unweigerlich zum Tod führen. Inzwischen arbeiten mehr als 13 000 kubanische Ärzte in den venezolanischen Barrio Adentros, die es inzwischen überall im Lande gibt. Sie behandeln 17 Millionen Venezolaner. Die kubanischen Ärzte und die übrigen medizinischen Helfer aus Kuba, die wir in dem Barrio Adentro trafen, sind offensichtlich gut ins Viertel integriert - auf diese Weise wird die Gemeinde miteinbezogen, medizinisches Grundwissen und gesellschaftlichem Basiswissen verbreitet sich. Klar für uns erkennbar war der wechselseitige Respekt und Stolz über das Erreichte. Mittlerweile schlossen auf Kuba schon 250 venezolanische Studenten ihr Medizinstudium ab. Sie werden in ihre Viertel zurückkehren, um dort zu praktizieren. 1000 weitere Medizinstudenten aus Venezuela sind noch auf Kuba. Die Regierung Chavez plant eine neue Universität in Caracas - mit einer medizinischen Fakultät, der es speziell um die medizinische Versorgung der Armen gehen soll (Medizin, nicht nur für Reiche).

Als Nächstes besuchten wir eine „Ribas Misione“ - also eine Bildungs-Misione - auch sie eingebunden in landesweite Strukturen. Ich erinnerte mich an eine Bemerkung von Hugo Chavez: Inzwischen lernen drei Generationen gemeinsam. Damit ist gemeint, daß die Großmütter, die nie lesen gelernt hatten und diese Fertigkeit nicht an ihre Kinder weitergeben konnten, jetzt ihren Enkeln das Lesen beibringen. Für die kommenden Jahre plant Venezuela den Bau von Bildungszentren (sogenannte „University Towns“) in sämtlichen 344 Stadtgemeinden des Landes. Die Versorgung im medizinischen Bereich bzw. im Bildungssektor zählt zu den wichtigsten Errungenschaften der Allianz Kuba/Venezuela. Durch ein wechselseitiges Abkommen wird Kuba mit (venezolanischem) Öl versorgt, im Gegenzug erhält Venezuela Ärzte und Lehrer. Stellen Sie sich vor, derartige wechselseitige Abkommen gäbe es auf internationaler Ebene. Genau um dieses Ziel - internationale Kooperation - ging (und geht) es uns bei diesem „Welttreffen“. Jede(r) Teilnehmer/Teilnehmerin brachte sich zweieinhalb Tage intensiv in eine von 10 Roundtable-Diskussionen ein - eine intensive Arbeit, bei der wir gemeinsame Positionen für unseren Aufruf an die Menschen der Welt erarbeiteten. Jedem der 10 Runden Tische standen Simultandolmetscher in Französisch, Englisch und Spanisch zur Verfügung. Wir arbeiteten viele Stunden. Heraus kam der “Caracas Appeal“, der unter www.caracas2004.info nachgelesen werden kann. Den fertigen Appell verlas der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel am letzten Tag der Veranstaltung. Es ist unsere oberste Aufgabe, so der Aufruf, ein “Netzwerk der Netzwerke“ zu schaffen, das unsere verschiedenen Aktionen in einer internationalen Bewegung bündelt - einer Bewegung zur Verteidigung der Menschheit. In dem Appell weisen wir darauf hin, wieviel Finanzkraft an den militärisch-industriellen Komplex verschwendet wird - während in Afrika, Asien, Lateinamerika und den karibischen Ländern jeden Tag ein Genozid stattfindet. Wir danken der Regierung, dem Volk und dem Präsidenten der „Bolivarischen Republik Venezuela“ für deren Engagement - damit diese internationale Bewegung eine Zukunft hat. Der Appell schließt mit den Worten: “In dieser Stunde der großen Gefahr stehen wir zu unserer Überzeugung, eine andere Welt ist nicht nur möglich sondern nötig“. Wir bekennen uns zu unserer Verpflichtung und rufen öffentlich dazu auf, den Kampf für diese andere Welt mit noch mehr Solidarität und noch mehr Einigkeit und Entschlossenheit zu unterstützen.

Übersetzt von: Andrea Noll
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