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Kuba bei Schwulenrechten vor USA?

von DeWayne Wickham

01.03.2007 — USA Today / ZNet

— abgelegt unter:
Havanna - Jahre, bevor George W. Bush seine Unterstützung für eine Verfassungsänderung zwecks eines Verbotes der Schwulenehe in den Vereinigten Staaten erklärte, hat die ideologisch starre Regierung von Fidel Castro einen großen Schritt in die entgegengesetzte Richtung getan.

Sie genehmigte damals die Produktion und Vorführung des Films "Erdbeer und Schokolade" [1993], ein Oscar-nominierter Film über die seltsame, unbequeme Freundschaft zwischen einem heterosexuellen Mann und einem Schwulen und die Homophobie, gegen die sie beide ankämpfen mussten.

Seit der Film in den Kinos hier sein Debüt Mitte der neunziger Jahre hatte, hat sich die Intoleranz der kubanischen Regierung gegenüber Homosexuellen zu einer mehr gleichberechtigten Behandlung von Schwulen und Lesben verändert.

Die staatliche Verfolgung ("public persecution") von Schwulen ist deutlich zurückgegangen. Vor zwei Jahren hatte Kuba sein erstes Homo-Filmfestival. Letztes Jahr war die Sendung mit den höchsten Einschaltquoten im staatlichen kubanischen Fernsehen eine Seifenoper, in der sich ein verheirateter Mann in einen anderen Mann verliebt. Und nun steht dieses Land kurz davor, ein Gesetz in Kraft treten zu lassen, dass gleichgeschlechtlichen Paaren eine Form von rechtlichem Status geben würde.

Mit Vorurteilen aufräumen

"Wir müssen jede Form von Diskriminierung gegen diese Personen abschaffen", sagt Ricardo Alarcon, Präsident von Kubas Nationalversammlung. "Wir versuchen jetzt zu sehen, wie das zu tun ist, ob wir ihnen das Recht zu heiraten zugestehen sollten oder Lebenspartnerschaften."

Alarcon sagte, dass er erwartet, dass Kubas kommunistische Regierung bald ein Gesetz verabschieden wird, um das ein oder andere zu institutionalisieren. "Wir müssen das Konzept der Ehe neu definieren", sagte er, "Sozialismus sollte eine Gesellschaftsform sein, die niemanden ausgrenzt."

Dieses Erwachen kommt weniger als ein Jahr, nachdem Präsident Bush seine Forderung nach einer Verfassungsänderung zwecks Verbot gleichgeschlechtlicher Ehe erneuert hat. "Unsere Politik sollte darauf zielen, Familien zu stärken, nicht sie zu unterminieren, und die Definition der Ehe zu ändern würde die Familienstruktur unterminieren", sagte Bush im Juni.

Nur ein Staat, Massachusetts, lässt schwule Ehen zu. Und nur vier erlauben eine Form von Lebenspartnerschaft, die sich an die Definition von Ehe nicht heranwagen, aber schwulen Paaren bestimmte gesetzliche Rechte zugestehen.

Wie ironisch ist das? Während ein Land, das aufeinanderfolgende US-Regierungen als totalitären Staat bezeichnet haben, mit der Erweiterung der Rechte von Schwulen und Lesben beginnt, möchte der Präsident der USA - der führenden Demokratie der Welt [sic!] - ihre Rechte einschränken.

Einflussreiche Befürworter

Um das klarzustellen: Kuba ist nicht die Niederlande. Es ist kein schwules Mekka, aber die Einstellungen der Leute innerhalb und außerhalb der Regierung dieses Landes machen einen dramatischen Wandel durch, was Schwule und Lesben angeht. Das mag daher kommen, dass eine der führenden Befürworter von Schwulenrechten in Kuba Mariela Castro ist - eine Nichte von Fidel Castro und die Tochter seines Bruders, des vorübergehend die Amtsgeschäfte führenden Präsidenten Raul Castro. Sie leitet Kubas Nationales Zentrum für Sexualerziehung (Centro Nacional de Educación Sexual).

Es könnte auch mit Kubas sich ständig neu entfaltender Strategie zur Abwehr von Versuchen der USA, sein kommunistisches Regime zu stützen und es durch eine Demokratie nach Vorbild der USA zu ersetzen, zusammenhängen. Ein Gesetz über Lebenspartnerschaften oder gleichgeschlechtliche Ehe könnte Kuba als toleranter erscheinen lassen als die USA.

"Aufgrund unseres kulturellen Erbes ist die kubanische Gesellschaft intolerant gegenüber Homosexuellen", sagte Ruben Remigio Ferro, Präsident von Kubas Oberstem Gerichtshof, "Aber es hat einen Wandel im Denken gegeben. Wir sind dabei ein Programm zu entwickeln, um Leute über sexuelle Orientierung aufzuklären. Aber das ist kein Problem, das schon gelöst wäre."

Allerdings ist es ein Problem, das die kubanische Regierung zu lösen entschlossen ist. "Ich bin Teil dieses Landes, ob jemand das nun gut findet oder nicht. Und ich habe das Recht, an seiner Zukunft mitzuarbeiten", sagt Diego, der schwule Hauptcharakter von "Erdbeer und Schokolade", zu seinem heterosexuellen Freund.

Kubas fünfzigjähriges Tauziehen mit den Vereinigten Staaten ist ein ideologisches. Es ist ein Wettkampf zwischen den sozialistischen Idealen dieses Landes und den Versuchen der USA, dem Inselstaat seinen Willen aufzuzwingen. Während die Schlacht weitgehend auf der Weltbühne stattfindet, wird sein Ausgang bestimmt werden von dem Grabenkampf, den Kuba um die Herzen und das Denken seiner Bewohner führt - jene, die heterosexuell sind oder schwul.
Übersetzt von: Benjamin Brosig
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