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Ungewöhnliche Ereignisse

von Naomi Klein

31.01.2003 — The Guardian / ZNet

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Ende 2001 gingen in Argentinien die Menschen auf die Straße. Das wirtschaftliche Chaos, in das die Regierung das Land gestürzt hatte, trieb sie zur Verzweiflung. Einer von ihnen war Gustavo Benedetto, 23, der auf seiner ersten Demonstration überhaupt ums Leben kam. Naomi Klein berichtet über die Ereignisse, die zu einer bedeutsamen neuen Form von Politik geführt haben, die aus den Jahren der Militärdiktatur und der korrupten Regierungen entstanden ist.

Wie feiert man den Jahrestag von etwas, das unmöglich zu definieren ist? Mit dieser Frage sahen sich zehntausende von Argentiniern konfrontiert, als sie am 20. Dezember 2002 von überall in Buenos Aires zur historischen Plaza de Mayo marschierten. Es war genau ein Jahr nach dem ersten "Argentinazo", ein Wort, das man unmöglich übersetzen kann, nicht einmal ins Spanische. Der Argentinazo war nicht wirklich ein Ausbruch von Krawallen, obwohl es im Fernsehen sehr danach aussah: Supermärkte wurden geplündert, die berittene Polizei schoss auf die Menge -- im ganzen Land wurden 33 Menschen getötet. Es war auch keine gewöhnliche Revolution, auch wenn es oberflächlich gesehen so schien, mit den Massen, die den Regierungssitz stürmten und den Präsidenten zum Rücktritt zwangen.

Aber anders als eine klassische Revolution wurde der Argentinazo nicht von einer alternativen politischen Kraft organisiert, die selbst die Macht ergreifen wollte. Und anders als bei gewöhnlichen Krawallen gab es eine gemeinsame und unmissverständliche Forderung: weg mit allen korrupten Politikern, die sich bereichert hatten, während Argentinien, der Staat, der einst von allen Entwicklungsländern beneidet worden war, weiter und weiter in die Armut schlitterte.

In Wirklichkeit war der Argentinazo genau das, wonach das Wort selbst klingt: ein chaotischer argentinischer Ausbruch, im Zuge dessen hunderttausende von Menschen plötzlich spontan ihre Häuser verließen, in die Straßen der Hauptstadt strömten, Töpfe und Deckel aneinanderschlugen, Banken anbrüllten, mit der Polizei kämpften, den Motor ihrer Motorräder aufheulen ließen, Fußballhymnen anstimmten und mit alledem den Präsidenten dazu trieben, in einem Hubschrauber aus seinem Palast zu fliehen. In den nächsten 12 Tagen würde das Land fünf Präsidenten sehen und die Rückzahlungen seiner Schulden in Höhe von 95 Milliarden US-Dollar vernachlässigen, die größte Nichtzahlung in der Geschichte. (Der fünfte, "geschäftsführende" Präsident, Eduardo Duhalde, hält sich immer noch an der Macht, und für April sind Wahlen geplant.)

Jetzt, ein Jahr später, da wieder die Massen auf die Plaza de Mayo strömen, ist es klar, dass es ein wichtiger Tag ist -- aber wofür genau steht er? Wird der nationale Aufstand gegen die Globalisierung der Konzerne gefeiert, eine Stimmung, die sich über Lateinamerika auszubreiten scheint, wo die Arbeiterpartei in Brasilien an die Macht gekommen ist, und Privatisierungsprogramme von Peru bis Mexiko gestoppt worden sind? Ist es der Anfang von Argentinazo 2: die Folgen, eine fortschrittliche Bewegung, die die erfolglosen Rezepte des Internationalen Währungsfonds (IWF) durch etwas Besseres ersetzen wird?

Letztendlich ist der 20. Dezember 2002 kein Tag für frohlockende Feiern oder besonders überzeugendes Fäustezeigen. Es herrscht vielmehr eine Stimmung der Trauer, vor allem an der Ecke Avenida de Mayo / Chacabuco, vor der Zentrale der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) Argentinien, einem plumpen 28-stöckigen Gebäude mit einer Fassade aus getöntem Glas im Stil von Darth Vader. Genau auf diesem Stück Asphalt war auf den Tag genau ein Jahr zuvor der 23jährige Gustavo Benedetto von einer aus dem Inneren des Bankgebäudes abgefeuerten Kugel getroffen zusammengebrochen. Der Mann, der wegen des Mordes angeklagt wurde -- er war mit einer Gruppe von Polizisten beim Schießen durch die getönten Scheiben auf Video aufgezeichnet worden -- ist Leutnant Jorge Varando, der Chef der Security des HSBC-Gebäudes. Er ist außerdem pensionierter Eliteoffizier des Militärs, der in den 70er Jahren aktiv war, als 30.000 Argentinier "verschwanden", viele von ihnen aus ihren Häusern entführt, brutal gefoltert, und dann aus Flugzeugen ins trübe Wasser des Rio de la Plata geworfen.

Von Mitte der 50er Jahre bis in die frühen 70er war Argentinien ein zutiefst undemokratisches Land mit einer Reihe von Regierungen, die, wenn sie überhaupt beschränkte Wahlen zuließen, der populistischen Partei der Peronisten die Aufstellung von Kandidaten untersagten. Vor diesem Hintergrund begannen linksgerichtete Studenten und Arbeiter, sich in Guerrillagruppen zu organisieren. Viele von ihnen glaubten, das wäre der Anfang einer sozialistischen Revolution, aber für Juan Peron, der sie aus dem Exil in Spanien anspornte, waren die Milizen nur ein Mittel, seine strahlende Rückkehr als paternalistischer Staatsführer voranzutreiben. Die größte bewaffnete Gruppe dieser wachsenden Opposition waren die Montoneros, eine Jugendbewegung, die ihre populistische Politik von Evita und ihre Theorie der Guerillakriegsführung von Che Guevara bezog. Obwohl solche Zellen niemals eine ernsthafte Bedrohung für die staatliche Sicherheit darstellten, benutzte das argentinische Militär eine Reihe von Angriffen der Guerilla auf militärische und industrielle Ziele als Vorwand für einen Feldzug gegen die gesamte Linke. Die Generäle bezeichneten die Aktion als "einen Krieg gegen den Terror", aber die Bezeichnung, die bis heute verwendet wird, ist "der Schmutzige Krieg".

Zwischen 1976 und 1983 wurde Argentinien von einem Militärregime regiert, das fundamentalistische katholische Gesellschaftskontrolle mit fundamentalistischer freier Marktwirtschaft verband. Rockmusik wurde verboten, während das Regime von ausländischen Banken und multinationalen Konzernen Darlehen und Investitionen im Wert von Milliarden von US-Dollar ins Land holte. Die Generäle betrachteten es als ihre Aufgabe, marxistisches und anderes "subversives" Gedankengut aus allen Schulen, Arbeitsplätzen, Kirchen und Wohnvierteln zu entfernen. Gleichzeitig betrachteten sie es als ihr Recht, von diesem Kreuzzug persönlich zu profitieren, nicht nur indem sie Geld aus öffentlichen Mitteln abschöpften, sondern auch indem sie Privathäuser, Besitztümer und so gar die Kinder der Menschen stahlen, die sie folterten und ermordeten. (Der Staat wurde letztendlich gezwungen, an die Familien vieler Opfer Entschädigungen zu zahlen.)

Bis zum heutigen Tag streiten die Generäle so gut wie alles ab, und dank einer offiziellen Amnestie laufen die Mörder von damals heute frei herum. Der verachtete Leopoldo Galtieri, der Argentinien in den verheerenden Falklandkrieg führte, und der im Jänner dieses Jahres starb, nahm viele seiner Geheimnisse mit ins Grab. Seit dem Ende der Militärdiktatur hat es allerdings eine Anzahl von umfassenden Untersuchungen gegeben, um Material über Menschenrechtsverletzungen während und nach dem Schmutzigen Krieg zu sammeln. Während sie die Ergebnisse dieser Untersuchungen durchforsteten, fanden argentinische Menschenrechtsgruppen heraus, dass Varando, der Mann, der von der HSBC mit der Überwachung ihrer Sicherheit betraut wurde, Mitglied einer Gruppe von Militärs war, die von Angehörigen von Verschwundenen beschuldigt wird, bei einem Angriff auf die Kaserne von La Tablada im Jahr 1989 Kriegsverbrechen begangen zu haben. Ein Report der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte der Organisation Amerikanischer Staaten aus dem Jahr 1997, gibt an, dass zwei Gefangene in La Tablada, Ivan Ruiz und Jose Alejandro Diaz, unter der Aufsicht von Leutnant Jorge Varando "verschwanden". Varando sagt, er hätte Ruiz und Diaz einem anderen Offizier übergeben, und als dieser Offizier später bei der Aktion ums Leben kam, glaubte er, die Gefangenen wären entkommen. Heute wartet Varando, in Verbindung mit einem anderen Vorfall, auf den Prozess wegen des Mordes an Gustavo Benedetto.

An der Ecke Avenida de Mayo / Chacabuco, wo die Glasfassade der HSBC jetzt mit Stahl verstärkt ist, so undurchsichtig wie die verspiegelten Sonnenbrillen der Polizisten, die davor Wache halten, sind Argentiniens Vergangenheit und Gegenwart aufeinandergeprallt. Der mutmaßliche Mörder Benedettos arbeitete für eine ausländische Bank, eine jener ausländischen Banken, die die Ersparnisse von Millionen von Argentiniern verschluckten, als die Regierung Anfang Dezember 2001 das Einfrieren der Bankguthaben verordnete. Während die Konten gesperrt waren, wurde der Peso vom US-Dollar entkoppelt, und die Währung fiel ins Bodenlose. Als ein Jahr später die Einfrierung der Guthaben teilweise gelockert wurde, und die Kunden wieder an ihr Geld kamen, hatten ihre Ersparnisse zwei Drittel an Wert verloren.

Obwohl Banken wie die HSBC die Regierung für das Einfrieren der Guthaben verantwortlich machen, war diese Maßnahme eigentlich die Reaktion darauf, dass die privaten Banken ihren vermögendsten Kunden dabei geholfen hatten, über das vorhergehende Jahr hinweg an die 20 Milliarden US-Dollar aus Argentinien abzuziehen. Zu der Zeit war es nicht verboten, Kapital aus dem Land zu schaffen. Ein besonders dramatischer Moment ergab sich letzten Jänner, als die Polizei Razzien in einer Zweigstelle der HSBC und einigen anderen Banken durchführte, wo nach Beweisen dafür gesucht wurde, dass in hunderten von Panzerfahrzeugen Milliarden an nicht deklarierten US-Dollars in bar zum internationalen Flughafen Ezeiza gebracht worden waren. Die ausländischen Banken behaupteten, die Behörden brauchten einen Sündenbock für die Wirtschaftskrise, und HSBC Holdings Ltd. sagt, die Tochtergesellschaft in Argentinien habe sich immer an die argentinischen Gesetze gehalten. Es gebe keine Hinweise dafür, dass ihre Tochtergesellschaft sich an der Kapitalflucht beteiligt hätte.

Der mit der Untersuchung des Falls betraute Staatsanwalt sagt, die Ermittlungen wegen Betrugs und illegaler Praktiken wären noch nicht abgeschlossen, und bislang habe es keine Anklageerhebung gegeben.

Im Zentrum des Verdachts gegen die ausländischen Banken steht der Zeitpunkt: es war nur wenige Tage bevor die Regierung alle Konten einfror, dass das Geld außer Landes geschafft wurde. Daher sind viele Leute der Meinung, die Banken hätten -- im Gegensatz zur Bevölkerung, die völlig überrumpelt wurde -- Hinweise auf die unmittelbar bevorstehende Einfrierung bekommen. Das ist ein wichtiger Punkt, weil viele der reichsten Familien und Unternehmen in Argentinien durch den Zusammenbruch der Banken und die Abwertung sogar noch reicher geworden sind: sie können jetzt ihre Angestellten, ihre Ausgaben und ihre Schulden in abgewerteten Pesos bezahlen, während, dank der Banken, ihre Ersparnisse sicher außerhalb des Landes in US-Dollars angelegt sind. Eine sehr profitable Regelung.

Nachdem man entdeckt hatte, dass 20 Milliarden US-Dollar an Kapital verschwunden waren, war die öffentliche Empörung so groß, dass mehrere ausländische Banken unter dem argentinischen Gesetz über Wirtschaftssubversion angeklagt wurden, ein Gesetz, das Handlungen verbietet, die die Wirtschaft des Landes sabotieren. Dieses Hindernis wurde allerdings letzten Mai elegant überwunden, als eine Gruppe von Banken, allen voran die HSBC, es schaffte, das Gesetz durch Lobbying zu Fall zu bringen.

Dieser Vorfall wiederum ist mit einem weiteren Streitthema in Verbindung gebracht worden, diesmal geht es um Bestechung, Gesetzgeber und ausländische Banken. Im August veröffentlichte die Financial Times Behauptungen von Bankiers und Diplomaten, argentinische Gesetzgeber hätten ausländischen Banken angeboten, im Gegenzug zu Bestechungszahlungen mehrere Gesetze niederzustimmen, die die Geldinstitute mehrere hundert Millionen US-Dollar im Jahr gekostet hätten. Angeblich lehnten die Banken diese Angebote ab. Nach der Veröffentlichung dieses Artikels gab es wieder Razzien in mehreren Banken, unter anderem in der Zentrale der HSBC und in der Privatwohnung eines führenden Sprechers der HSBC, diesmal um Beweise für die berichteten Bestechungsgeldforderungen zu suchen, und um die Quelle der Anschuldigungen zu finden.

Es ist darüber spekuliert worden, dass die Razzien politisch motiviert waren, eine Rache dafür, dass die Banken mit den Bestechungsvorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen waren. Der Vorsitzende der HSBC Argentinien, Mike Smith, sagte bei einer Gerichtsverhandlung über den Skandal aus, er wüsste nichts genaues über die in der Financial Times beschriebenen Vorfälle, und leugnete, dass die HSBC irgendwelche Bestechungsgelder gezahlt hätte. Er sagte außerdem aus, Bestechungsgelder im Austausch gegen vorteilhafte Gesetze zu fordern, sei in Argentinien üblich. Auch diese Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.

Benedetto war nur einer von den 33 Menschen, die während dem Argentinazo 2001 gewaltsam zu Tode kamen. Aber seine Geschichte, so voll von den Geistern der Vergangenheit, und doch so unverwechselbar modern, ist zum Symbol geworden für ein Land, das jetzt versucht, die anhaltende Wirtschaftskrise zu verstehen. Wie kann es sein, dass in einem Land, das so voller natürlicher Reichtümer ist, und das einst sogar einen großen Teil Europas und Nordamerikas mit Nahrungsmitteln versorgte, jeden Tag 27 Kinder verhungern? Wie kann es sein, dass ein Land, in dem sich die Fabriksarbeiter mit den höchsten Löhnen in ganz Lateinamerika Häuser und Autos leisten konnten, jetzt die höchste Arbeitslosenrate des ganzen Kontinents hat, und einen Durchschnittslohn, der niedriger ist als in Mexiko? Benedetto war der Meinung, seine Regierung schulde ihm eine Antwort auf diese Fragen, und darum ging er an jenem Dezembertag auf die Straße.

"Es war einmal ein Land namens Argentinien," schreibt der Journalist Sergio Ciancaglini, "wo viele Menschen verschwanden, und wo, Jahre später, auch das Geld verschwand. Das eine hängt mit dem anderen zusammen." Ciancaglini meint, dass jeder, der verstehen will, was aus dem verschwundenen Reichtum Argentiniens geworden ist, zunächst in die Vergangenheit des Landes reisen muss, um herauszufinden, was aus den verschwundenen Menschen wurde. Seit dem Argentinazo haben sich viele Gruppen von Bürgern gebildet, die genau so eine Reise antreten, eine Art landesweite Spurensuche, die die wirtschaftlichen Interessen der Diktatur der Generäle mit der Wirtschaftspolitik in Verbindung bringt, die das Land Jahre später in den Ruin trieb. Die Menschen glauben -- sie hoffen -- dass, wenn diese Teile schließlich zusammengesetzt sind, Argentinien endlich aus dem Kreislauf von Staatsterror und Plünderung durch Konzerne ausbrechen kann, ein Kreislauf, der das Land, wie so viele andere, schon viel zu lange in seinem Bann gehalten hat.

Benedetto las gerne Bücher über Geschichte und Wirtschaft. Seine ältere Schwester Eliana sagt: "Er wollte verstehen, wie so ein großartiges Land in so einen Schlamassel geraten konnte." Gustavo träumte davon, Geschichtsprofessor zu werden, aber das war ein Ziel für eine optimistischere Zeit. Als im März 2000 sein Vater starb, musste Gustavo einen Job finden, irgendeinen Job, mit dem er seine Mutter und seine Schwester finanziell unterstützen konnte. Es war keine gute Zeit für die Suche nach Arbeit. In La Tablada, dem postindustriellen Vorort, in dem die Benedettos wohnen, waren die meisten Fabriken bereits geschlossen. Der beste Job, den er finden konnte, war als Verkäufer im Supermarkt in einem nahegelegenen Einkaufszentrum.

Aber er hatte zumindest Arbeit. Obwohl die Weltpresse die Wirtschaftskrise in Argentinien erst vor kurzem entdeckte, war sie in Gegenden wie La Tablada schon seit mindestens sechs Jahren Realität. Mitte der 90er Jahre, als der IWF Argentinien immer noch als Wirtschaftswunder hinstellte, als ein Modell für den Reichtum, der arme Länder erwartet, wenn sie ihre Tore weit für ausländische Investitionen öffnen, erreichte die Arbeitslosigkeit schon kritische Höhen. Das Muster hat sich über Lateinamerika hinweg viele Male wiederholt, in Ländern, die ähnliche Reformen in Richtung freier Marktwirtschaft verfolgt haben. Allein Chile hat als vermeintliche "Erfolgsgeschichte" überlebt, während mehr als 50% der Bevölkerung Argentiniens unter die offizielle Armutsgrenze gefallen sind.

Eigenartigerweise gab es in Argentinien weniger hungernde Menschen, als das Land auf dem Papier weniger Reichtum besaß. Es gibt viele komplexe ökonomische Faktoren, die zu dieser Verschiebung beigetragen haben, von Umstellungen in der exportorientierten Landwirtschaft bis zu fallenden Löhnen im Industriesektor. Aber es gab auch einige einfache Veränderungen, die eine Rolle spielten, so wie die Tatsache, dass in kleinen Läden im Viertel in schwierigen Zeiten Nahrungsmittel auf Kredit gekauft werden konnten, ein Fangnetz, das völlig verschwand, als Argentinien zum Aushängeschild für die Globalisierung wurde, und diese kleinen Geschäfte von ausländischen Supermärkten verdrängt wurden, die so groß sind wie die Tempel der Azteken, und Namen tragen wie Carréfour, Wal-Mart, und Dia, die spanische Supermarktkette, bei der Gustavo schließlich einen Job fand.

Es war also wohl kein Zufall, dass in den Tagen, in denen sich der Argentinazo zusammenbraute, viele dieser Supermärkte belagert und von Horden von arbeitslosen Männern geplündert wurden, die sich mit improvisierten Gesichtsmasken aus T-Shirts vermummten. Als Gustavo am 19. Dezember bei Dia zur Arbeit erschien, war die Atmosphäre zum Zerreißen gespannt. Niemand wusste, ob diese Betonfestung nicht als nächstes von den hungrigen, zornigen Massen gestürmt würde. Zu Mittag beschloss der Manager, die Spannung zu beenden, und frühzeitig zu schließen.

Als Gustavo nach Hause kam, schaltete er den Fernseher ein. Was er sah, war ein Land in offener Revolte, überall brachen Proteste aus. Den ganzen Tag und die ganze Nacht schaltete er von einem Sender zum nächsten, aber um 22:40 zeigten alle dasselbe Bild: Präsident Fernando de la Rua, der starr und mit schweißnassem Gesicht einen vorgefertigten Text vorlas. Argentinien, so sagte er, werde von "Gruppen angegriffen, die der Feind der Ordnung sind, und die Zwietracht und Gewalt verbreiten wollen". Er verhängte den Ausnahmezustand.

Für viele Argentinier klang die Erklärung des Präsidenten wie der Auftakt zu einem Militärputsch -- und das war ein fataler Fehler für die Regierung de la Rua. Gustavo sah Liveübertragungen von der Plaza de Mayo, die sich mit Menschen füllte. Sie schlugen Töpfe und Deckel mit Löffeln und Gabeln, eine wortlose, aber um so lautere Kritik an den Anweisungen des Präsidenten: die Argentinier würden nicht im Namen der "Ordnung" grundlegende Freiheiten aufgeben, erklärten sie. Man hatte das zuvor unter der Militärjunta versucht, und es hatte böse geendet. Und dann erhob sich ein einziger Schrei der Rebellion aus der Menge der Großmütter und Mittelschüler, Motorradboten und arbeitslosen Fabrikarbeiter; ihre Worte richteten sich an die Politiker, die Bankiers, den IWF und alle anderen "Experten", die behaupteten, das perfekte Rezept für Wohlstand und Stabilität in Argentinien zu haben. Sie sagten: "Que se vayan todos!" - alle sollen gehen!

Gustavo hatte in dieser Nacht einen unruhigen Schlaf. Als er am nächsten Morgen zur Arbeit kam, war der Laden völlig mit Brettern vernagelt, also ging er wieder nach Hause und schaltete den Fernseher ein. In diesem Moment fühlte er ein nie gekanntes Bedürfnis -- er wollte an einer politischen Demonstration teilnehmen. Ganz plötzlich sprang Gustavo, ein gelassener junger Mann, der in seinem Leben nie gegen irgendetwas protestiert hatte, von der Couch auf, schaltete den Fernseher aus und sagte zu seiner Mutter, er gehe in die Stadt.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle fragte Gustavo mehrere Freunde aus La Tablada, ob sie mitkommen wollten -- um Teil der Geschichte zu sein, die vor ihren Augen auf dem Fernsehschirm ihren Lauf nahm. Aber niemand hatte Interesse. Die meisten Bewohner von La Tablada hatten genug von der Geschichte. Während der 70er und 80er Jahre befand sich dieses Arbeiterviertel buchstäblich im Kreuzfeuer zwischen dem Militär und der Guerilla. Es gab damals in dem Gebiet mehrere linke Untergrundorganisationen, aber es hatte dort auch die Infantería Mecanizada No 3 de La Tablada ihren Sitz, ein großer Militärstützpunkt, in dem es angeblich zu Menschenrechtsverletzungen kam. In La Tablada war der Schmutzige Krieg sogar noch schmutziger als anderswo. Eltern liefen beim Laden an der Ecke den Mördern ihrer Kinder über den Weg. Und weil der geringste Kontakt zu jemand linksgerichtetem genügte, um als Kollaborateur gebrandmarkt zu werden, war es am sichersten, sich in seine Wohnung zurückzuziehen. Frühere Freunde, die nach Zuflucht suchten, standen vor verschlossenen Türen, die Fensterläden wurden schleunigst geschlossen, wenn draußen irgendein Aufruhr war, und man drehte das Radio lauter, um Schreie aus den benachbarten Wohnungen zu übertönen. In La Tablada lernten die Bewohner, wie anderswo in Argentinien auch, nach der Philosophie der Zeiten des Terrors zu leben: "No se meta" -- nur nicht einmischen. Diese Einstellung hat sich bis heute gehalten. Aber Gustavo hatte beschlossen, mit dieser Tradition zu brechen. Er konnte nicht wissen, dass die Vorgangsweisen der Diktatur bald wieder auf die Straßen von Buenos Aires zurückkehren würden. Während der zwei Stunden, die er brauchte, um von der Vorstadt ins Zentrum zu gelangen, hatte der Polizeichef den Befehl gegeben, "die Plaza de Mayo zu räumen". Zunächst verwendeten die Polizeieinheiten Gummigeschoße und Tränengas -- dann wechselten sie zu scharfer Munition.

Die Polizei drängte die Massen auf die Avenida de Mayo, und die Massen drängten zurück. Um ca. 16 Uhr schaute sich eine Gruppe von etwa 20 Polizisten nach einem sicheren Ort um, wo sie sich zurückziehen und ihre Waffen neu laden konnten. Sie wählten die Eingangshalle der HSBC, eines der sichersten Gebäude der Stadt, weil sich darin auch die israelische Botschaft befindet. Eine Handvoll Demonstranten, nach Angaben der Gerichtsdokumente weniger als fünf, verließen die Menge, die sich in Richtung Plaza de Mayo bewegte, und begannen, Steine auf das Bankgebäude zu werfen. Ein Mann schlug mit einer Metallstange eine Glasscheibe ein.

Die Polizisten und die Wachen vom privaten Sicherheitsdienst im Gebäude gerieten in Panik und eröffneten das Feuer. Vor Gericht wurde später ausgesagt, dass in den folgenden vier Sekunden mindestens 59 Kugeln auf die dichtgedrängte Menge auf der Straße abgefeuert wurden. Genau in dem Moment geschah es, dass Gustavo Benedetto, der allein unterwegs war und sich noch nicht einmal eine Stunde lang im Zentrum befand, in die Avenida de Mayo einbog. Er war viele Meter vom Bankgebäude entfernt, als ihn eine Bleikugel aus einer 9mm-Waffe in den Hinterkopf traf. Er brach zusammen und war sofort tot.

Die HSBC war vielleicht für die Polizisten ein guter Ort, um sich während des Chaos des Argentinazos zurückzuziehen, aber wenn es um einen Mord geht, der mutmaßlich von ihrer Eingangshalle aus verübt wurde, bietet eine Bank, mit Kameras, die jeden Winkel überwachen, wenig Deckung. Die Überwachungskameras der HSBC, die mittlerweile als Beweismaterial für das Gericht herangezogen worden sind, zeigen ganz deutlich, wie die Polizisten und Securityleute der Bank mit ihren Waffen durch die Fenster zielen und schießen. Das hat zu einem seltenen Vorfall in der Geschichte der argentinischen Justiz geführt: ein ehemaliger Offizier wurde verhaftet und wegen Mordes angeklagt.

Jorge Varando is Absolvent der School of the Americas, ein militärisches Ausbildungslager für "Aufstandsbekämpfung" im Süden der USA. Er sagte aus, nicht auf Benedetto geschossen, und als Sicherheitsbeamter zur Verteidigung der Bank richtig gehandelt zu haben. In einem Radiointerview, das vor kurzem gesendet wurde, zitiert man ihn mit den Worten, er hätte sehr wohl seine Waffe abgefeuert, und zwar, so sagte er, "in völliger Ruhe", und "um die aufzuhalten, die versuchten, ins Gebäude einzudringen".

Die HSBC hat bisher jeden Kommentar zu dem Fall verweigert, weil es sich um ein laufendes Gerichtsverfahren handelt. Aber sie hat darauf hingewiesen, dass ihr Angestellter Varando standhaft seine Unschuld beteuert. Es ist noch nicht sicher, ob Varando von einem Anwalt der HSBC vertreten wird, wenn der Fall vor Gericht kommt, aber die Bank schickte einen eigenen Rechtsanwalt zu den Vorvernehmungen.

Die HSBC ist auf jeden Fall irgendwie beteiligt, weil die Schüsse aus ihrem Gebäude abgefeuert wurden, und weil ihre Überwachungskameras entscheidendes Beweismaterial liefern. Aber dieses Beweismaterial hat sich als problematisch erwiesen. Als das Gericht den Mord rekonstruierte und man das Videoband, auf dem Varando seine Waffe abfeuert, mit der Stelle, an der Benedetto getötet wurde, verglich, stellte sich heraus, dass jemand den Winkel der wichtigsten Überwachungskamera geändert hatte, und es wurde extrem schwierig, die nachgestellte Szene mit den Originalaufnahmen von Varando, wie er durch das Glas schießt, in Übereinstimmung zu bringen. Laut Bankangestellten wurde der Winkel während einer Routinereinigung aus Versehen geändert.

Der Fall hat sogar noch mehr breites Interesse auf sich gelenkt, weil seit dem Mord jeden Monat Freunde und Verwandte eine improvisierte Gedenkstätte an Gustavo Benedetto vor der Bank aufbauten -- und jeden Monat wurde diese Gedenkstätte unter mysteriösen Umständen entfernt, und der Name von Gustavo ausradiert. Das hörte schließlich im November auf, als ein Fernsehteam, das das Gebäude der HSBC beobachtete, um 3 Uhr nachts filmte, wie zwei staatliche Polizeibeamte in einem Zivilauto vor der Bank hielten, und mit Brechstangen das Denkmal aus Beton und Keramik zerschlugen. Die Polizisten wurden mittlerweile vom Dienst suspendiert.

Bis vor kurzem herrschte in Argentinien eine Politik der offiziellen Amnesie, was die Verbrechen des Schmutzigen Krieges angeht. Natürlich wurden von den Menschenrechtsgruppen nach wie vor zahlreiche schonungslose Berichte veröffentlicht, die Mütter von der Plaza de Mayo marschierten immer noch, und die Kinder von verschwundenen Eltern tauchten immer wieder vor den Häusern von Ex-Militärs auf, um rote Farbe zu werfen. Aber vor dem Argentinazo waren solche Aktionen für die meisten Angehörigen des Mittelstandes nichts anderes als makabere Rituale aus einer vergangenen Ära. Hatten diese Leute nicht verstanden? Das Land hatte sich "weiterentwickelt" -- oder zumindest sollte es das getan haben, wie der ehemalige Präsident Carlos Menem verkündete.

Menem, ein Ferrari-fahrender Anhänger der freien Marktwirtschaft, die argentinische Version von Margaret Thatcher und John Gotti, wurde 1989 zum ersten Mal gewählt, in einer Zeit der Rezession und der rasch ansteigenden Inflation. Er behauptete, viele der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Argentiniens seien auf die missglückten Versuche seiner Vorgänger zurückzuführen, die Generäle des Schmutzigen Krieges vor Gericht zu bringen. Menem bot einen alternativen Weg an: anstatt in die Hölle der namenlosen Gräber und der Lügen der Vergangenheit zurückgehen, sollten die Argentinier reinen Tisch machen, sich der Weltwirtschaft anschließen und dann alle Energie in den Wirtschaftswachstum stecken.

Nachdem eine Amnestie für die Generäle erlassen worden war, begann Menem, ein ehrgeiziges Programm durchzusetzen, voll von dem, was in Lateinamerika als "Neoliberalismus" bezeichnet wird: Massenprivatisierungen, Entlassungen im öffentlichen Sektor, "Flexibilisierung" des Arbeitsmarkts, und steuerliche Anreize für Unternehmen. Er strich staatliche Essensprogramme, kürzte die Mittel für Arbeitslosengeld um 80%, entließ hunderttausende staatliche Beamte und machte viele Streiks illegal. Menem bezeichnete diese rasche Umstellung zur freien Marktwirtschaft als "Chirurgie ohne Betäubung" und versicherte den Wählern, dass Argentinien, sobald der kurzfristige Schmerz nachgelassen hätte, in den Worten einer seiner Werbekampagnen, "neu geboren" sein werde.

Die mittelständischen Einwohner von Buenos Aires, von denen viele sich schämten, den Schmutzigen Krieg unterstützt oder zumindest geduldet zu haben, waren begeistert von der Vorstellung, in einem ganz neuen Land ohne Vergangenheit zu leben. Das Mantra der Terrorjahre "Sich nur nicht einmischen" ging nahtlos über in "Wer ist der Beste?", das Mantra des Hochkapitalismus, in dessen Namen Nachbarn zu Wettstreitern werden und der Markt das Wichtigste von allem ist, wichtiger als das Streben nach Gerechtigkeit und der Wiederaufbau von zerrütteten Gemeinschaften. In den nächsten Jahren erlebte das Buenos Aires der 90er Jahre einen Höhenflug von Karriere- und Konsumsucht, der die einkaufs- und karrieresüchtigsten New Yorker und Londoner vor Neid erblassen ließ. Laut Regierungsstatistiken stiegen die privaten Konsumausgaben zwischen 1993 und 1998 um 42 Milliarden US-Dollar, während sich die Ausgaben für Importwaren zur selben Zeit verdoppelten, von 15 Milliarden US-Dollar im Jahr 1993 auf 30 Milliarden im Jahr 1998.

In den Luxusvierteln Recoleta und Palermo kauften die Bewohner nicht nur die neuesten importierten elektronischen Geräte und Designermoden, sondern auch neue Gesichter und neue Körper -- Buenos Aires wurde schnell zum Rivalen von Rio de Janeiro als Hauptstadt der Schönheitschirurgie. Ein einziger plastischer Chirurg prahlte mit einer Zahl von 30.000 Kunden. Die Argentinier wollten sich offensichtlich neu machen lassen, genauso wie ihr Land -- und wie ihr Präsident, der selbst in regelmäßigen Abständen verschwand, um später mit einem straffgespannten Gesicht wieder aufzutauchen und zu behaupten, es hätte ihn eine Biene gestochen.

Die Masken und Kostüme der 90er Jahre sahen eine Zeit lang bemerkenswert lebensecht aus. Das Bruttoinlandsprodukt stieg über das Jahrzehnt hinweg um 60%, und ausländische Investitionen strömten ins Land. Aber genauso wie die Aktionäre von Enron gar nicht erst zu genau auf die Buchführung geschaut hatten, solange ihre Profite stiegen, so übersahen Argentiniens ausländische Investoren und Kreditgeber irgendwie, dass Menems Regierung 1999 um 80 Milliarden US-Dollar tiefer in Schulden steckte als die Regierung von 1989. Oder dass, hauptsächlich wegen Entlassungen in privatisierten Unternehmen, die Arbeitslosigkeit von 6,5% im Jahr 1989 auf 20% im Jahr 2000 gestiegen war.

Kurz gesagt, "Menems Wunder", wie die Zeitschrift "Time" es so schwärmerisch nannte, war nur ein Trugbild. Das Vermögen, das in Argentinien in den 90er Jahren zirkulierte, war eine Kombination aus Finanzspekulation und einmaligen Verkäufen: die Telefongesellschaft, die Ölgesellschaft, die Eisenbahn, die Fluglinie. Was nach den anfänglichen Finanzspritzen und Schmiergeldzahlungen übrig blieb, waren ein ausgehöhltes Land, eine teure Grundversorgung, und eine Arbeiterklasse, die nicht arbeitete. Es wurde auch ein im Wildweststil deregulierter Finanzsektor hinterlassen, der es Argentiniens reichsten Familien erlaubte, mehr als 140 Milliarden US-Dollar an privatem Vermögen auf ausländische Konten zu schaffen. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt oder die Auslandsverschuldung des Landes.

Als das Vermögen Argentiniens in Richtung der Bankkonten in Miami und der Mailänder Börse verschwand, begann auch, die kollektive Amnesie aus den Menem-Jahren nachzulassen. Heute, beinahe 20 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur, wo die alten Militärs schon tot sind oder im Sterben liegen, sind die Geister der 30.000 Verschwundenen plötzlich wieder aufgetaucht. Man findet ihre Spuren in allen Aspekten der derzeitigen Krise des Landes. In den Monaten nach dem Argentinazo schien die Vergangenheit so gegenwärtig, als wäre die Zeit selbst zusammengebrochen und der Staatsterror erst gestern gewesen. In den Gerichtssälen und auf den Straßen brach eine landesweite Diskussion aus, nicht nur darüber, wie es sein konnte, dass so viele Mörder ungeschoren davon kamen, sondern auch, warum dieser Terror überhaupt stattgefunden hatte: warum starben diese 30.000 Menschen? In wessen Interesse wurden sie ermordet? Und was war der Zusammenhang zwischen diesen Todesfällen und der Politik der freien Marktwirtschaft, die in dem Land so spektakulär gescheitert war?

Damals, als Studenten und Gewerkschaftsmitglieder in grüne Ford Falcons geworfen und in versteckte Folterzentren gebracht wurden, blieb wenig Zeit für solche Fragen nach den eigentlichen Gründen und nach wirtschaftlichen Interessen. Während der Jahre des Terrors hatten die argentinischen Aktivisten eine einzige vordringliche Sorge -- am Leben zu bleiben. Als Gruppen wie Amnesty International begannen, in ihrem Interesse zu intervenieren, konzentrierten auch sie sich auf das blanke Überleben. Die Ermittler versuchten, die verschwundenen Menschen ausfindig zu machen, und dann ihre Freilassung zu fordern, oder zumindest eine Bestätigung für ihren Tod.

Es gab aber auch Ausnahmen, einzelne Personen, die sahen, dass die Generäle einen ökonomischen Plan hatten, der ihren sozialen und politischen Plänen nicht an Aggressivität nachstand. In den ersten zwei Jahren der Militärdiktatur, 1976 und 1977, als der Terror am blutigsten und barbarischsten war, starteten die Generäle ein Programm zur wirtschaftlichen "Restrukturierung", das einen Vorgeschmack auf die heutige unbarmherzige Globalisierung der Konzerne bieten sollte. Der Durchschnittslohn des Landes wurde auf die Hälfte gekürzt, Sozialausgaben drastisch reduziert, und Preiskontrollen abgeschafft. Die Generäle wurden für diese Maßnahmen reichlich belohnt: in denselben zwei Jahren erhielt Argentinien mehr als 2 Milliarden US-Dollar an ausländischen Darlehen, mehr als das Land in den vorhergehenden sechs Jahren zusammen bekommen hatte. Als die Generäle das Land im Jahr 1983 zurückgaben, war die Auslandsverschuldung von 7 Milliarden auf 43 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Ein Jahr nach dem Militärputsch, am 24. März 1977, veröffentlichte der argentinische Enthüllungsjournalist Rodolfo Walsh einen Offenen Brief Von Einem Schriftsteller An Die Militärjunta; es sollte eines der berühmtesten modernen lateinamerikanischen Schriftstücke werden. In diesem Artikel durchbrach Walsh, Mitglied der Jugendbewegung Montoneros, mit einem ehrlichen und detaillierten Bericht über die Terrorkampagne der Generäle die offizielle Pressezensur. Aber laut dem Biographen Walshs, Michael McCaughan, hatte der Offene Brief einen zweiten Teil, der von der Führung der Montoneros zurückbehalten wurde, von denen viele trotz ihrer militanten Taktik nicht so sehr an Ökonomie interessiert waren wie Walsh. Die fehlende Hälfte, die eben in McCaughans Buch, True Crimes, veröffentlicht wurde, richtete seine Aufmerksamkeit weg von den Menschenrechtsverletzungen des Militärs auf ihr Wirtschaftsprogramm, und Walsh erklärte -- einigermaßen ketzerisch -- dass der Terror nicht "das größte Leiden sei, das der Argentinischen Bevölkerung aufgebürdet wurde, und auch nicht die gröbste Menschenrechtsverletzung, die Sie begangen haben. Es ist die Wirtschaftspolitik dieser Regierung, in der man nicht nur die Erklärung für die Verbrechen findet, sondern noch eine viel größere Grausamkeit, die Millionen Menschen durch geplantes Elend peinigt."

Walsh bot einen weiteren Katalog an Verbrechen: "Die Mindestlöhne werden mit der Gewehrmündung eingefroren, während die Preise mit der Bayonettspitze in die Höhe getrieben werden, alle Formen kollektiver Lohnverhandlungen wurden abgeschafft, Versammlungen und innerbetriebliche Vereinigungen verboten, die Arbeitstage ausgedehnt, die Arbeitslosigkeit ist gestiegen... eine Wirtschaftspolitik, die vom Internationalen Währungsfonds diktiert wurde, nach einem Rezept, das ohne Unterschied auf Zaire, Chile, Uruguay oder Indonesien angewandt wird." Minuten nachdem er Kopien seines Briefes aufgegeben hatte, wurde Walsh von der Polizei aus dem Hinterhalt überfallen und in den Straßen von Buenos Aires erschossen.

Walshs Beschreibung der ökonomischen Logik war schwerer umzubringen. Diese Logik hat die Diktatur überlebt. Sie steckte hinter Menems Chirurgie ohne Betäubung und ist immer noch der Hauptbestandteil jeder IWF-Delegation in Argentinien. Der IWF fordert immer mehr Einschnitte im Gesundheits- und Bildungssystem, höhere Gebühren für die Erfüllung der Grundbedürfnisse, und von den Banken mehr Kündigungen von Hypotheken. Aber Walsh nannte es nicht "Good Governance" oder "effiziente Fiskalpolitik" oder "auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig sein" -- er nannte es "geplantes Elend".

Walsh verstand, dass die Generäle keinen Krieg "gegen den Terror" führten, sondern einen Krieg gegen jegliches Hindernis für die Akkumulation von Vermögen durch ausländische Investoren und ihre lokalen Nutznießer. Tag für Tag stellt sich mehr heraus, wie weitsichtig er war. Zivilgerichte finden immer mehr Beweise dafür, dass ausländische Konzerne bei der Zerschlagung der Gewerkschaftsbewegung in den 70er Jahren eng mit der Militärjunta zusammenarbeiteten. Letzten Dezember, zum Beispiel, reichte ein Staatsanwalt eine Anklage gegen Ford Argentina, eine Tochtergesellschaft von Ford, ein, in der behauptet wird, dass das Unternehmen auf dem Gelände einer seiner Fabriken ein Militärgefängnis hatte, wo Gewerkschaftsaktivisten gefangen gehalten worden seien. "Ford [Argentina] und seine Geschäftsführer beteiligten sich an der Verschleppung ihrer eigenen Mitarbeiter, und dafür, denke ich, sollten sie zur Verantwortung gezogen werden," sagt Pedro Troiani, ehemaliger Fließbandarbeiter bei Ford, der ausgesagt hat, dass er von Soldaten innerhalb der Fabrik entführt und geschlagen wurde. Mercedes-Benz, jetzt eine Tochtergesellschaft von DaimlerChrysler, sieht sich mit ähnlichen Ermittlungen konfrontiert, sowohl in Deutschland als auch in Argentinien. Das Unternehmen soll in den 70ern mit dem Militär zusammengearbeitet haben, um Gewerkschaftsaktivisten aus einer seiner Fabriken zu entfernen. Es sollen dem Militär die Namen und Adressen von 16 Arbeitern übergeben worden sein, die später "verschwanden". Sowohl Ford als auch Mercedes-Benz streiten jegliche Beteiligung ihrer Geschäftsführer an den Todesfällen ab.

Und dann ist da natürlich der Fall Gustavo Benedetto. Oberflächlich gesehen gibt es nichts, das die Ermordung von Benedetto mit der Vergangenheit verbindet, und die Repression während des Argentinazos lässt sich nicht mit dem Terror des Schmutzigen Kriegs vergleichen. Dennoch wirft der Fall Benedetto ein Licht auf die veränderte Rolle des Militärs, die Interessen des Staates und der Wirtschaft, und die gegenwärtige Rolle der Ex-Militärs.

In den 70er Jahren arbeitete Jorge Varando, der Mann, der des Mordes an Benedetto angeklagt ist, für ein Militärregime, das den Bankensektor Argentiniens für private Banken zugänglich machte. Als 2001 beim Militär genauso wie im Rest des öffentlichen Sektors viele Stellen abgebaut worden waren, arbeitete er direkt für eine dieser Banken. Es wird befürchtet, dass die große Errungenschaft von zwei Jahrzehnten Demokratie nichts anderes ist als dass der Mittelsmann entfernt und die Repression privatisiert worden ist. Jetzt werden in Argentinien die Banken und Unternehmen von bewaffneten Einheiten ehemaliger Militärs bewacht, die sie vor Demonstranten beschützen. Es stellt sich die schwierige Frage, was waren das für Kompromisse, die beim Übergang des Landes von der Diktatur zur Demokratie eingegangen wurden?

Heute wird die Geschichte dieses Übergangs auf der Straße neu geschrieben. Es gibt kein klares "vor" und "nach" der Diktatur. Das Projekt der Diktatur stellt sich stattdessen als ein Prozess dar: die Generäle bereiteten den Patienten vor, an dem Menem dann die "chirurgischen Eingriffe" durchführte. Die Junta tat mehr als nur die Gewerkschaftsaktivisten zum Verschwinden zu bringen, die sich gegen die Massenentlassungen gewehrt hätten und die Sozialisten, die die Umsetzung des letzten Sparprogramms des IWF abgelehnt hätten. Der große Erfolg des Schmutzigen Krieges war eine Kultur der Angst und des Individualismus, die er in Vierteln wie La Tablada hinterließ, wo Gustavo Benedetto aufwuchs.

Den Generälen war klar, dass nicht linksgerichtete Rebellen das wahre Hindernis für die völlige gesellschaftliche Kontrolle darstellten, sondern die bloße Existenz von eng miteinander verbundenen Gemeinschaften und einer Zivilgesellschaft. Darum war es ihr Ziel, die Öffentlichkeit selbst "zum Verschwinden zu bringen". Am ersten Tag des Putsches 1976 wurden vom Militär alle "öffentlichen Veranstaltungen", vom Karneval bis hin zu Pferderennen verboten. Öffentliche Plätze waren der Zurschaustellung militärischer Stärke vorbehalten, und das einzige gemeinschaftliche Erlebnis, das erlaubt war, war Fußball. Zur selben Zeit begann das Militär eine Kampagne, um aus der gesamten Bevölkerung Denunzianten zu machen: die staatlichen Zeitungen waren voll mit Anzeigen, die die Bürger daran erinnern sollten, dass es ihre Pflicht als Staatsbürger sei, jeden zu melden, der irgendetwas "Subversives" zu tun schien.

Und als die Bevölkerung sich in ihre Wohnungen zurückgezogen hatte, konnte das wirtschaftliche Projekt der Diktatur fortgesetzt und von den folgenden Zivilregierungen noch vertieft werden, ohne dass man auf Repression zurückgreifen musste -- zumindest bis vor kurzem.

Als in den 70er Jahren die Mütter der Plaza de Mayo begannen, nach ihren vermissten Angehörigen zu suchen, sagten diese tapferen Frauen üblicherweise, ihre Kinder wären unschuldig, sie hätten "nichts getan", als man sie mitnahm. Heute marschieren die Mütter bei Demonstrationen gegen den IWF in der ersten Reihe, sprechen von "Wirtschaftsterrorismus" und erklären stolz, dass ihre Kinder tatsächlich etwas getan hatten, als man sie verschleppte -- sie waren politische Aktivisten, die versuchten, das Land vor dem geplanten Elend zu retten, das unter der Diktatur begann, und unter der Demokratie fortgesetzt und noch vertieft wurde.

In dem Scherbenhaufen, der nach dem Dezember 2001 von Argentinien übrig blieb, begann sich etwas außerordentliches zu ereignen: Nachbarn steckten den Kopf aus ihrer Wohnungen und Häusern, und da es keine politische Führung oder Partei gab, die mit diesem spontanen Ausbruch, an dem sie teilgehabt hatten, etwas anfangen konnte, begannen sie, miteinander zu reden. Miteinander zu denken. Ende Jänner 2002 gab es allein im Zentrum von Buenos Aires bereits an die 250 "asambleas barriales" (Nachbarschaftsversammlungen). Die Straßen, Parks und Plätze waren voll von Menschen, die an Versammlungen teilnahmen, und bis spät in die Nacht aufblieben, um zu planen, diskutieren, erzählen und abzustimmen.

Viele dieser ersten Versammlungen waren eher eine Art Gruppentherapie als politische Treffen. Teilnehmer sprachen über ihre Erfahrung der Isoliertheit in einer Stadt mit 11 Millionen Einwohnern. Akademiker und Ladenbesitzer entschuldigten sich, dass sie nicht aufeinander aufgepasst hätten, Werbemanager gaben zu, dass sie auf arbeitslose Fabriksarbeiter herabgesehen hätten, und gedacht, diese hätten ihr Elend verdient, und dass sie niemals damit gerechnet hätten, dass die Krise auch die Bankkonten der kosmopolitischen Mittelschicht erreichen würde.

Und aus diesen Entschuldigungen für Fehler der Gegenwart wurden tränenreiche Eingeständnisse über Ereignisse aus der Zeit der Diktatur. Eine Hausfrau etwa stand auf und gab vor allen Leuten zu, dass sie vor drei Jahrzehnten, als sie wieder einmal eine Geschichte über das Verschwinden des Bruders oder Ehemannes von irgendjemandem gehört hatte, lernte, ihr Herz vor dem Leiden zu verschließen, und sich zu sagen "Por algo será" -- es wird schon einen Grund geben.

Auf den meisten Veranstaltungen begann man angesichts so viel geplanten Elends damit, etwas anderes zu planen: Freude, Solidarität, eine andere Art der Wirtschaft. Man öffnete Suppenküchen, Arbeitsvermittlungen und Tauschbörsen. Im letzten Jahr wurden 130 bis 150 bankrotte und von ihren Besitzern verlassene Fabriken von den Arbeitern übernommen und in Kooperativen oder Kollektive umgewandelt. In Traktorfabriken, Supermärkten, Druckereien, Aluminiumfabriken und Pizzerias werden Entscheidungen über die Betriebsführung nun in offenen Versammlungen getroffen, und die Profite werden unter den Arbeitern gerecht aufgeteilt.

In den letzten Monaten haben die "fabricas tomadas" (wörtlich, "genommene Fabriken") begonnen, sich zu Netzwerken zusammenzuschließen, und man beginnt, eine "Wirtschaft der Solidarität" zu planen: Textilarbeiter einer besetzten Fabrik nähen zum Beispiel Leintücher für ein besetztes Krankenhaus; ein Supermarkt in Rosario, der jetzt eine Arbeiterkooperative ist, verkauft Teigwaren aus einer besetzten Teigwarenfabrik; besetzte Bäckereien bauen Öfen aus Fliesen von einem besetzten Keramikbetrieb. "Ich habe das Gefühl, die Diktatur ist nun endlich vorbei," erzählte mir eine Teilnehmerin an einer Versammlung, als ich nach Buenos Aires kam. "Ich komme mir vor, als wäre ich die letzten 25 Jahre in meinem Haus eingesperrt gewesen, und jetzt endlich herausgekommen."

Rodolfo Walsh schätzte, dass es 20 bis 30 Jahre dauern würde, bis die Wirkung der Terrorkampagne nachlassen würde, und die Argentinier schließlich bereit seien, wieder für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Das war vor wenig mehr als 25 Jahren. Daher musste ich an Walsh denken, als ich Gabriela Mitidieri traf, eine selbstbewusste Mittelschülerin, die, abgesehen von ihrem politischen Aktivismus, direkt aus einem Casting zu Fame Academy 2 gekommen schien. Mitidieri wurde 1984 geboren, das erste volle Jahr nach der Diktatur, in dem es in Argentinien eine gewählte Regierung gab. "Ich bin die Tochter der Demokratie," sagt sie, mit einem Anflug des Sarkasmus einer 18jährigen. "Das heißt, ich habe eine besondere Verantwortung."

Die Verantwortung, die sie sieht, ist gewaltig -- das Land muss endlich von der Wirtschaftspolitik befreit werden, die den Übergang von der militärischen zur zivilen Regierung überdauert hat. Diese Aufgabe scheint sie aber nicht zu entmutigen, oder zumindest scheint sie keine Angst davor zu haben. Gaby, wie sie von Freunden und Familie genannt wird, geht mit lässigen Cargohosen und dem Blink 182-Rucksack ihres Bruders zu Demonstrationen. Sie hält mit ihren schwarzlackierten Fingernägeln Transparente hoch und betrachtet die Reihen der Polizisten unter blau-glitzernden Augenlidern hervor. Ihre Eltern teilen ihre Unbesorgtheit nicht. Als beim Argentinazo 2001 die Straßen von Buenos Aires erzitterten, gab es im bescheidenen Heim der Mitidieris ein eigenes Erdbeben. Der Streit drehte sich darum, ob die damals 17jährige Gaby an der Demonstration teilnehmen dürfe. Gaby war fest entschlossen, auf die Plaza zu gehen -- "Ich konnte es einfach nicht ertragen, eine von denen zu sein, die die Welt durch einen Fernsehschirm betrachten," sagt sie heute. Ihr Vater, ein Überlebender des Schmutzigen Krieges, der damals entführt und gefoltert worden war, verstellte Gaby den Weg zur Türe, während sie rief, dass er von allen Leuten am ehesten verstehen müsste, warum sie auf die Straße gehen musste. Sergio Mitidieri blieb ungerührt -- er war so alt wie Gaby, als er begann, sich in studentischer Politik zu engagieren, und seine Jugend hatte ihn und seine Freunde, von denen viele in den Konzentrationslagern ermordet wurden, nicht gerettet.

Wie so viele seiner Generation, kehrte Mitidieri nach dem Rückzug der Generäle nicht zum politischen Aktivismus zurück. Der Terror dieser Jahre verließ ihn nicht und nahm ihm das freimütige Selbstbewusstsein aus den Studententagen -- jahrelang hatte er Gaby erzählt, die Narben auf seinem Rücken und auf seinen Schultern wären von Sportverletzungen. Er spricht immer noch nicht gern über die Vergangenheit, er zieht den Kopf ein und arbeitet hart, um seine Frau und seine vier Kinder zu erhalten. Gaby sagt, die Angst ihres Vaters -- "Er lebt mit der Vorstellung, dass immer der Tod über ihm schwebt" -- bedeutet, dass die Diktatur, ob sie von äußerem Terror oder innerer Angst kommt, immer noch das Land im Griff hat. "Als ich erfuhr, was mit meinem Vater passiert war", sagt Gaby, "fragte ich mich wieder und wieder: 'Warum ist er noch am Leben? Warum ließen sie ihn überleben?' Dann las ich 1984 und es wurde mir klar, dass er und die anderen überlebten, um die Angst am Leben zu erhalten, und um die gesamte Bevölkerung an die Angst zu erinnern. Mein Vater ist der lebende Beweis dafür."

Aber als ich am Jahrestag des Argentinazo in der Wohnung der Mitidieris saß, kam mir plötzlich der Gedanke, dass Gaby, die selbsternannte Tochter der Demokratie, vielleicht die ansteckende Kraft der Demokratie unterschätzt. Als sie am Morgen des 19. Dezember 2002 verkündete, sie ginge zur Demonstration zum Jahrestag, half ihr die Mutter ohne viele Worte, den Rucksack zu packen: Wasser, ein Mobiltelefon, eine Zitrone (um die Wirkung des Tränengases zu mildern). Sie borgte Gaby sogar ein Kopftuch. Und Gabys Vater schaute ihnen beim Packen zu, mit besorgtem Gesicht, aber auch voll Stolz.

An diesem Abend rief die lokale Nachbarschaftsversammlung dazu auf, mit Töpfen und Deckeln aus den Häusern zu kommen, um den Tag zu feiern, als ein Jahr zuvor etwas passierte, das Argentinien veränderte (obwohl immer noch niemand erklären kann, was genau das war). Und etwas Eigenartiges geschah: Gabys Eltern gingen hin. Sie hielten sich am Rande der Versammlung, und sprachen mit niemandem -- aber sie waren da.

"Wir haben immer noch Angst," sagte mir Sergio Mitidieri, "aber wir sind auch zornig. Es ist besser, in den Straßen zu kämpfen, als still zuhause zu sitzen. Gaby hat mir das beigebracht."

- Zusätzliche Recherche von Dawn Makinson und Joseph Huff-Hannon. Naomi Klein ist die Autorin von No Logo und Fences And Windows. Sie arbeitet in Argentinien an einer Dokumentation.

Orginalartikel: Out Of The Ordinary
Übersetzt von: Sophie Frühling
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