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Bericht aus Rafah

Ärzte werden an der Einreise in den Gazastreifen gehindert

von Bill Quigley

11.01.2009 — ZNet

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Bill Quigley ist ein Menschenrechtsanwalt aus den USA. Er ist zudem Juraprofessor an der Loyola University von New Orleans. Zur Zeit befindet er sich in Ägypten - als Vertreter der amerikanischen Anwaltsgesellschaft 'National Lawyers Guild' und der 'Society of American Law Professors', als Vertreter der 'International Association of Democratic Lawyers' und der Antikriegsliga 'War Resistance League'.

Kathy Kelly von 'Voices of Creative Nonviolence' und Audrey Stewart sind ebenfalls in Ägypten und haben einen Beitrag zu diesem Artikel geleistet.

Sie können Bill Quigley mailen: quigley77@gmail.com

Dr. Nicolas Doussis-Rassias wartet zusammen mit vielen anderen Ärztefreiwilligen seit Tagen in Rafah/Ägypten. Nicolas und die übrigen Mediziner wollen in Rafah über die Grenze nach Gaza, um jenen 3000 zu helfen, die von israelischen Bomben bzw. schweren Waffen verletzt wurden.

Rafah, so heißt der massiv hochgerüstete Grenzübergang von Ägypten nach Gaza. Rafah liegt 4 Autostunden von Kairo entfernt. Mit lautem Knall durchbrechen Jets, die in großer Höhe fliegen, das tiefe Blau des Himmels. Militärdrohnen schweben über der Grenze. Die Luft riecht nach Verbranntem.

"Dreitausend Opfer von Bomben und Gewehrfeuer würden selbst das Gesundheitswesen von New York City überfordern", sagt Nicolas. "Aber Gaza verfügt heutzutage über gar kein Gesundheitssystem. An den meisten Orten gibt es nicht einmal Strom oder fließendes Wasser. Diese Menschen sind in einer Krise - sie brauchen medizinische Hilfe, also sind wir hier, um ihnen zu helfen".

Doch anstatt den Tausenden helfen zu können, stehen sie an der Grenze. Nicolas und die übrigen Ärzte halten eine rot-blaue Fahne vor der ägyptischen Grenzstation hoch, auf die sie von Hand geschrieben haben: 'Let the Doctors Through!' (Lasst die Ärzte durch).

Warum? 'Doctors of Peace' und zahlreiche andere Ärzte aus aller Welt werden seit 7 Tagen nicht nach Gaza gelassen. Weder über Israel noch Äypten konnten sie bisher nach Gaza gelangen, um zu helfen.

Nicolas ist kein antiisraelischer Radikaler. Er ist ein lebenslustiger 49-jähriger Arzt - mit zwei Kindern - aus Athen. Er ist Vorsitzender der griechischen Freiwilligenärzteorganisation 'Doctors of Peace'. Diese freiwilligen Ärzte bezahlen ihre Reisekosten selbst, wenn sie an Orte reisen, um Opfern von Kriegen und Naturkatastrophen zu helfen. Sie halfen den Opfern von Hurrikan 'Mitch' in Lateinamerika und den Tsunamiopfern in Sri Lanka. Sie halfen den Opfern der Kriege im Libanon, in Serbien, in der Türkei und in Pakistan.

Doch die Grenzen nach Gaza sind versiegelt - selbst die Grundversorgung mit humanitärer und medizinischer Hilfe soll nicht hineingelangen.

Richard Falk, der UNO-Sonderberichterstatter für die Menschenrechte in den Besetzten Gebieten, hat auf die Menschenrechtsverletzungen dieser versiegelten Grenze hingewiesen: "Die israelischen Aktionen, insbesondere die komplette Abriegelung der Ein- und Ausreisemöglichkeiten in den Gazastreifen und heraus, haben zu einem gravierenden Mangel an Medizin und Treibstoff geführt (und an Lebensmitteln). Dies führt dazu, dass die Ambulanzen nicht auf Verletzte reagieren können, dass die Hospitäler keine adäquate medizinische Versorgung bieten können oder nicht über die notwendige Ausstattung für Verletzte verfügen und dass die belagerten Ärzte und anderes medizinisches Personal in Gaza die Opfer nicht ausreichend behandeln können".

Durch die andauernde israelische Blockade sind die Menschen in Gaza schon seit langem von der humanitären und medizinischen Grundversorgung abgeschnitten, doch in den letzten Wochen ist alles noch weit schlimmer geworden.

Falk - und viele andere - verurteilen auch die Raketenangriffe aus Gaza heraus gegen Israel. Mehr als ein Dutzend Israelis wurden seit Ausbruch des Krieges getötet. Die Zahl der Getöteten in Gaza beträgt 800. Am schärfsten kritisiert Falk die katastrophalen Opferzahlen infolge der israelischen Luftschläge und "jene Länder, die bei israelischen Verstößen gegen das internationale Recht, direkt oder indirekt, Komplizen sind und bleiben".

Frida Berriga weist darauf hin, dass "Israel während der Zeit der Bush-Administration mehr als $21 Milliarden als US-Sicherheitsunterstützung erhielt, einschließlich $19 Milliarden an direkter Militärhilfe. Das aktuelle Arsenal Israels besteht hauptsächlich aus Material, das unter den US-Sicherheitsunterstützungs-Programmen geliefert wurde. So lieferten die USA beispielsweise 226 F-16-Kampf-und-Angriffs-Jets, mehr als 700 M-60-Panzer und 6000 APCs sowie Dutzende Transportflugzeuge, Angriffshelikopter, Versorgungs- und Trainingsflieger, Bomben und taktische Raketen aller Art".

Medizinische Offizielle auf palästinensischer Seite sagen, dass es sich bei über der Hälfte der 800 Toten und 3000 Verwundeten um Zivilisten handle. Die Verweigerung humanitärer und medizinischer Hilfe für zivile Opfer stellt einen klaren Verstoß gegen grundlegende Menschenrechte dar.

Die Menschen in Ägypten stellen sich gegen die Verweigerung medizinischer Hilfe für Gaza. Auf unserer Fahrt von Kairo nach Rafah sahen wir auf halber Strecke eine Gruppe von hundert jungen Ägyptern. Sie saßen auf der Autobahn, um gegen die Inaktivität Ägyptens zu protestieren.

Nach 7 Tagen beginnt sich die Grenze ein wenig zu öffnen. Der Ägyptische Rote Halbmond durfte heute ein paar Güter über die Grenze bringen. Auch einige der wartenden Ärzte durften (nach Gaza) hinein. Mit einer großen Show wurden zwei Dutzend ägyptische Ambulanzen in den Grenzbereich gelassen - um hier zu parken und darauf zu warten, dass es ein paar Verletzte über die Grenze schaffen. Zwei der Ambulanzen verließen Rafah schließlich mit Patienten.

Die Ärzte von 'Doctors of Peace' wurden auch heute nicht hinübergelassen. Einige Ärzte - des einwöchigen Wartens müde -, reisen bereits ab.

Doch Nicolas wird morgen wieder am Grenzübergang Rafah stehen und sein Glück versuchen. Warum? "Weil 3000 Verletzte Hilfe benötigen. Ich werde es weiter versuchen", sagt er.

Übersetzt von: Andrea Noll
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