Die Behauptung, vom Iran gehe eine atomare Bedrohung aus, ist eine Lüge
Obamas Anfeindungen gegen den Iran verfolgen eine andere Absicht: Mit Hilfe der Medien soll die Öffentlichkeit auf einen endlosen Krieg vorbereitet werden
von John Pilger
01.10.2009 — New Statesman
Im Jahr 2001 veröffentlichte der OBSERVER eine Reihe von Berichten, in denen behauptete wurde, es bestehe eine "irakische Connection" zu Al-Qaida; darin wurde sogar die Basis im Irak beschrieben, in der Terroristen ausgebildet würden, und eine Einrichtung genannt, in der Anthrax (Milzbrand) als (biologische) Massenvernichtungswaffe hergestellt werde. Das war alles falsch. US-Geheimdienste und Exiliraker hatten erfundene Geschichten in britische und amerikanische Medien lanciert, die es George Bush und Tony Blair ermöglichten, eine illegale Invasion zu starten, die nach neuesten Studien 1,3 Millionen Iraker das Leben gekostet hat.
Eine ähnlich Kampagne läuft jetzt gegen den Iran: die gleiche Serie von "Enthüllungen" durch Regierungen und Medien, das gleiche Gerede über eine Krise. "Wegen einer geheimen Atomanlage zeichnet sich ein Showdown mit dem Iran ab", erklärte der OBSERVER am 26. September. "Showdown" (Kraftprobe) ist das neue Thema, ein High Noon (Anlehnung an den Western "Zwölf Uhr mittags") zeichnet sich ab. Die Uhr tickt. Das Gute kämpft gegen das Böse. Ein neuer verbindlicherer US-Präsident hatte doch versprochen, die Bush-Jahre auszulöschen.
Erinnern wir uns an die berüchtigte Titelseite des GUARDIAN vom 22. Mai 2007: "Irans heimlicher Plan für eine Sommeroffensive zur Vertreibung der US-Truppen aus dem Irak". Ihr Autor Simon Tisdall berief sich auf haltlose Behauptungen aus dem Pentagon über einen iranischen "Kriegsplan", nach dem die US-Streitkräfte im September (2007) angegriffen und aus dem Irak vertrieben werden sollten; das war nachweislich eine Falschmeldung, die aber nie dementiert wurde. (THE OBSERVER und THE GURDIAN sind britische Zeitungen.)
Im offiziellen Jargon heißt diese Art Propaganda "Psy-Ops", das ist das militärische Kürzel für "Psychologische Operationen". Im Pentagon und in Whitehall sind sie zu einem wichtigen Bestandteil einer diplomatischen und militärischen Kampagne geworden, die den Iran blockieren, isolieren und schwächen soll; eine angeblich vom Iran ausgehende "atomare Bedrohung" wird von Barack Obama und Gordon Brown systematisch aufgebauscht, und von der BBC und den anderen Medienanstalten als objektive Nachricht nachgeplappert und verbreitet. Dabei ist auch das wieder eine Fälschung.
Die Drohung ist einseitig
Am 16. September gab (das US-Nachrichtenmagazin) NEWSWEEK bekannt, dass die wichtigsten US-Geheimdienste dem Weißen Haus berichtet hätten, der "atomare Status" des Irans habe sich seit der National Intelligence Estimate (der Einschätzung der nationalen Geheimdienste) vom November 2007 nicht verändert; damals wurde mit "ziemlicher Sicherheit" festgestellt, dass der Iran 2003 sein vermutetes (Atomwaffen-)Programm eingestellt habe. Auch die International Atomic Energy Agency / IAEA hat das immer wieder bestätigt. Die gegenwärtige Propaganda wird ergänzt durch die Ankündigung Obamas, die Vereinigten Staaten verzichteten darauf, Raketen in der Nähe der russischen Grenze aufzustellen. Damit soll nur die Tatsache kaschiert werden, dass sich die Anzahl der in Europa zu stationierden US-Raketen in Wirklichkeit erhöhen wird, weil (mehr als) die Raketen, auf die angeblich verzichtet wurde, auf Schiffen stationiert werden sollen. Russland soll mit diesem Spiel nur dazu gebracht werden, sich der US-Kampagne gegen den Iran anzuschließen oder sie wenigstens nicht zu behindern. Obama verkündete: "Präsident Bush hatte Recht damit, dass die ballistischen Raketen des Irans eine schwere Bedrohung [für Europa und die Vereinigten Staaten] darstellten." Dabei ist die Behauptung, der Iran könnte einen selbstmörderischer Angriff auf die Vereinigten Staaten erwägen, einfach absurd. Die Bedrohung ist wie immer sehr einseitig und geht von der einzigen Supermacht der Welt aus, die den Iran umzingelt hat.
Irans Verbrechen ist seine Unabhängigkeit. Da Amerikas Lieblingstyrann Schah Reza Pahlavi von seinem Thron vertrieben wurde, ist der Iran der einzige ölreiche muslimische Staat, der nicht unter US-Kontrolle steht. Weil nur Israel ein garantiertes "Existenzrecht", im Nahen Osten haben soll, haben die Vereinigten Staaten die Absicht, die Islamische Republik (Iran) zu schwächen. Wenn Israel nicht länger von einem selbsbewussten Iran behindert wird, kann es auch im Interesse Washingtons den Nahen Osten teilen und beherrschen. Wenn sich irgendein Staat auf der Welt dringend die Fähigkeit zur "atomaren Abschreckung" verschaffen müsste, dann ist das der Iran.
Als einer der ursprünglichen Unterzeichnerstaaten des Atomwaffensperrvertrags ist der Iran von Anfang an ein konsequenter Verfechter einer atomwaffenfreien Zone im Nahen Osten gewesen. Im Gegensatz zum Iran hat Israel nie einer Inspektion durch die IAEA zugestimmt, und seine Atomwaffenanlage bei Dimona bleibt ein offenes Geheimnis. Trotz seiner etwa 200 einsatzfähigen Atomsprengköpfe hat Israel alle UN-Resolutionen, in denen es zur Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags aufgefordert wurde, zurückgewiesen, ebenso den neuen UN-Report, der es anklagt, in Gaza Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben; obwohl Israel den Weltrekord bei der Übertretung des Völkerrechts hält, ist es immer ungeschoren davon gekommen, weil ihm eine Großmacht den Rücken freihält.
Vorbereitung auf einen endlosen Krieg
Hinter Obamas Kraftprobe mit dem Iran steckt noch ein anderer Plan. Die Medien auf beiden Seiten des Atlantiks sollen die Öffentlichkeit auf einen endlosen Krieg einstimmen. General Stanley McChrystal, der Oberkommandierende der US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan, braucht nach einer Meldung des US-TV-Senders NBC 500.000 Soldaten und mindestens fünf Jahre für einen Sieg. Ziel dieses Krieges ist die "strategische Sicherung" der Gas- und Ölfelder des Kaspischen Meeres, Zentralasiens, des persischen Golfs und des Irans – mit anderen Worten: die Herrschaft über Eurasien. Aber dieser Krieg wird von 69 Prozent der Briten, von 57 Prozent der US-Amerikaner und von fast allen anderen Menschen angelehnt. Es wird nicht leicht sein, "uns alle" davon zu überzeugen, dass der Iran der neue Dämon ist. McChrystals Unterstellung, der Iran "trainiere nach bestätigten Berichten Kämpfer für bestimmte Talibangruppen", ist dazu so wenig geeignet, wie Browns pathetisches Echo von "der Linie im Sand". (Der britische Premier wollte damit wohl ausdrücken, dass bald ein Schlussstrich unter die Verhandlungen mit dem Iran gezogen werden müsse.)
Während der Bush-Jahre soll nach Aussage des bekannten Informanten Daniel Ellsberg, in den Vereinigten Staaten ein militärischer Staatsstreich stattgefunden haben, der dem Pentagon entscheidenden Einfluss auf alle Gebiete der US-Außenpolitik verschafft haben soll. Belege für die vom Pentagon ausgeübte Kontrolle sind die Anzahl der gleichzeitig geführten Angriffskriege und die beschlossene Doktrin des "atomaren Erstschlags", welche die Schwelle zum Einsatz von Atomwaffen gesenkt und die Unterscheidung zwischen konventionellen und atomaren Waffen verwischt hat.
All das lässt Obamas Gerede über "eine Welt ohne Atomwaffen" als reine Rhetorik erscheinen. In Wirklichkeit ist er die wichtigste Stütze des Pentagons. Seine Entscheidung, Bushs "Verteidigungsminister", den Erzkriegstreiber Robert Gates, in seine Regierung zu übernehmen, ist einmalig in der US-Geschichte. Gates hat seinen Wert in vergangenen Kriegen vom südlichen Asien bis zum Horn von Afrika bewiesen. Wie das Amerika Bushs wird auch das Amerika Obamas von einigen sehr gefährlichen Leuten beherrscht. Wir sollten gewarnt sein. Wann werden diejenigen, die dafür bezahlt werden, dass die Dinge richtig laufen, ihren Job machen?
Anmerkungen
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Luftpost - Friedenspolitische
Mitteilungen aus
der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein. Orginalübersetzung Luftpost 7.10.2009.
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Die Uhr tickt.
Die USA zählen wieder mal auf die Vergesslichkeit der Menschheit und hetzen uns mit genau den selben Lügen in ihren nächsten Angriffskrieg, wie sie es bereits seit Jahrzehnten machen.
Immer wieder das selbe Spiel: Die Lüge um die Massenvernichtungswaffen um die Menschheit auf Sadam Hussain zu hetzen, die „Tonking-Lüge“ um die Welt in den Vietnamkrieg zu treiben, all die anderen Lügen mit denen man die Welt in die vielen anderen US-Kriege hetzte, die nach dem 2.WK dann von „Stellvertretern“ ausgetragen wurden.
Nichts als Propaganda und Lügen im Zusammenhang mit dem laufenden Völkermord an den Palästinensern, ebenfalls ein Stellvertreterkrieg der USA durch ihren „Stellvertreter“ Israel.
Diese altbewährte Methode der Supermacht hat sie bereits bei ihrem Gesellenstück vor dem 2.WK erfolgreich angewandt, als sie die ganze Welt in den Zweiten Weltkrieg trieb um sich anschließend zur Supermacht zu erheben, als die stärksten Konkurenten Deutschland und Großbritannien in ihrem Blut am Boden lagen.
Denn ohne die USA im Rücken hätte es Churchill und Halifax nie gewagt Polen in den Krieg mit Deutschland zu treiben.
Der US-Kriegsminister Forrestal in seinem Tagebuch am 27. Dezember1945: ,,Ich habe heute mit Joe Kennedy (USA-Botschafter in London) Golf gespielt. Ich befragte ihn über seine Unterredungen mit Roosevelt und Neville Chamberlain von 1938 an. Er sagte, Chamberlains Überzeugung 1938 sei gewesen, dass Großbritannien nichts in der Hand habe, um zu fechten, und dass es deshalb nicht wagen könne, gegen Hitler in den Krieg zu gehen (...) Weder Franzosen noch Engländer würden Polen zum Kriegsgrund gemacht haben, wenn sie nicht unablässig von Washington angestachelt worden wären (...) Chamberlain, sagt Kennedy, habe festgestellt, Amerika und die Juden hätten England in den Krieg gezwungen (American and the Jews forced England into the war)." (The Forrestal Diaries, New York 1951, S. 121 f.)
Nach diesem Erfolgsrezept geht es immer munter weiter und weiter, nun ist der Iran dran. Auch die Hetze gegen Mahmoud Ahmadinedschad unterscheidet sich kaum von der Hetze gegen Hitler vor dem 2.WK. Und sie ist genauso erfolgreich, wie zu beobachten ist. Sie entspricht auch bis ins Einzelne der Hetze gegen S. Hussain damals. Die beiden (America and the Jews, siehe oben) haben keine Veranlassung die Methode zu ändern.
Auch wenn der Überfall auf den Iran im Moment noch von der Überzahl der Menschen in den Vasallen-Staaten abgelehnt wird, die dieses Verbrechen ja mitbegehen sollen, so wird sich die Meinung bald ändern. Da bin ich mir sicher, wenn erst alle Register der Desinformation kurz vor dem Überfall gezogen werden.
Mr.Pilgers Aussage: „Wenn sich irgendein Staat auf der Welt dringend die Fähigkeit zur "atomaren Abschreckung" verschaffen müsste, dann ist das der Iran“, ist hundertprozentig meine Meinung. Nur der Besitz einer eigenen Atomwaffe kann noch das Volk des Iran vor der Katastrophe bewahren.
Wenn Mr. Pilger einen „endlosen Krieg“ voraussieht, kann ich ihm nur zustimmen. Es sei denn, „wir“ setzen Atomwaffen gegen den Iran ein, so wie es Frau Merkel (und Monsieur Sarkosy) 2008 bereits andeuteten. Dann ist nicht nur mit der physischen sondern mit der psychichen Vernichtung des iranischen Volkes zu rechnen und aller im Nahen und Fernen Osten lebenden Völker. Etwa so, wie sie 1945 über die Deutschen kam.
Auch Mr. Pilgers Einschätzung bezüglich der neuen großen Hoffnung der Welt, nämlich Mr. Obama, kann ich absolut teilen. Für mich ist der Mann keine Enttäuschung!
Mr. Pilger hat einen sehr guten und mutigen Artikel geschrieben der wirklich weiterhilft weil er die Augen öffnet. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät!
Dass Journalisten wie Mr. Pilger in Deutschland totgeschwiegen werden ist ein ernstes Zeichen und zeigt mit welcher Verbissenheit eine gleichgeschaltete Presse und eine kriegslüsterne Politik (Merkel) auf das nächste Kriegsverbrechen zusteuern.
Da kann ich nur mit Grausen an den kommenden deutschen Außenminister denken! Der wird eventuell schlimmer als der Kriegsminister J. Fischer, der ja eigentlich kaum zu toppen wäre, wenn es um Kriechertum und Opportunismus geht. Aber auch die Rolle seines Parteifreundes Genscher bei der Anfachung des Balkankrieges ist unvergessen!
C.Pichlo