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Die israelisch-palästinensische Initiative 'Combatants for Peace'

von Joseph DeVoir

31.10.2007 — ZNet

24 palästinensische und israelische Männer und Frauen sitzen in einem Kreis vor dem Haus, auf der Straße. Das Gebäude (Büro) liegt in einer verschlafenen Straße in Al-Ram/Palästina. Über das Haus und den Garten verteilt befinden sich fünf weitere Gruppen ähnlicher Größe und Zusammensetzung.

Viele der Teilnehmer sind zum erstenmal bei einer Veranstaltung von 'Combatants for Peace'*. Die meisten haben Menschen der "anderen Seite" bislang nur in schlimmstmöglichen Extremsituationen und in einer ganz anderen Rolle kennengelernt. Man erkennt die Neuen sofort an ihrer Zurückhaltung und Beobachterperspektive.

"Ist es ein Trick?"

"Empfinden diese Leute tatsächlich Freude?"

Es war ein besonderer Abend. Zufällig fiel der Zeitpunkt des Treffens mit dem Fastenbrechen (im muslimischen Fastenmonat Ramadan) zusammen. Die 'Combatants for Peace' hatten alle zu einer Einleitung in den Hinterhof des Hauses versammelt. Ein palästinensisches Mitglied  und ein neues israelisches Mitglied sprachen über ihre Erfahrungen. Danach schnappte man sich sein Essen und teilte sich in Gruppen auf. Man saß im Kreis - Palästinenser und Israelis - verstecken ging nicht.

Itamar, eines der israelischen Gründungsmitglieder der 'Combatants', steht auf, lächelt seinen alten Freund Ashraf an, der neben ihm sitzt und spricht zum Kreis: "Mein Name ist Ashraf Khader, ich bin 30 Jahre alt und liebe Musik. Ich wurde in Jordanien geboren und bin 2000 nach Ramallah gezogen. Wegen der israelischen Reisebeschränkungen kann ich meine Familie seither nicht mehr sehen.  Als ich jünger war, versuchte ich, der Besatzung in jeder erdenkbarlichen Art Widerstand zu leisten. Zuerst warf ich Steine, dann Molotow-Cocktails. Fünfmal kam ich ins Gefängnis. Einmal besetzten israelische Soldaten mein Haus 25 Tage lang - während ihrer Belagerung eines benachbarten Gebäudes aus Gründen der präventiven Sicherheit." Ashraf sitzt neben Itamar und hört zu, was der Israeli über sein Leben und seine "Konversion" zu erzählen hat. Itamar ist ein ehemaliger israelischer Soldat.

Itamar beendet seinen Bericht über Ashrafs Wandlung vom gewalttätigen Kämpfer zum 'Kämpfer für den Frieden'. Das Publikum ist verwirrt. Dann steht Ashraf auf und sagt:

"Mein Name ist Itamar Shapira. Ich bin 27 Jahre alt und wurde in Tel Aviv geboren. Wie alle Israelis war ich drei Jahre beim Militär. Ich habe in den Besetzten Gebieten gedient. In diesem Zusammenhang war ich mehrere Male in einem bestimmten Dorf und dort in gewalttätige Konflikte verwickelt, bei denen fünf Palästinenser starben. Ich kam immer wieder in dieses Dorf, traf die Familien der Toten, hörte von den Selbstmordbomben in Israel und begriff dadurch meine eigene Rolle in dem Teufelskreis der Gewalt". Inzwischen haben alle im Kreis verstanden, um was es geht und hören intensiv zu, was Ashraf über Itamar erzählt.

Als er fertig ist, instruiert Ashraf die Gruppe, sich paarweise aufzuteilen - je ein Israeli/Israelin und ein Palästinenser/Palästinenserin. In 25 Minuten wird man wieder zusammenkommen. Jede(r) soll dann die Geschichte des/der anderen in der Ersten Person erzählen. Falls nötig bekommen die Paare einen Übersetzer zur Seite gestellt. Niemand kann sich mehr verstecken. Man setzt sich zusammen und redet. Man nickt. Einige lachen, einige tauschen ihre Handy-Nummer aus. 25 Minuten sind eine lange Zeit. Dann kehren alle in den Kreis zurück und setzen sich wieder auf ihre Plätze. Jede(r) erzählt die Geschichte des Partners. Sie schildern Freud und Leid aus seiner/ihrer Perspektive und sprechen über seine/ihre Hobbies, als wären es die eigenen. Während der Partner daneben sitzt und zuhört, ins Leere starrt und sich Rechenschaft über die eigene Vergangenheit ablegt (einige sitzen wie gelähmt, manche weinen sogar), ist der Erzählende gezwungen, sich in ihn/sie einzufühlen.

Als das Treffen zu Ende geht, versprechen alle wiederzukommen. Es ist ein Lippenbekenntnis. Nach großen Treffen wie diesem sieht die Gruppe 'Combatants' viele der Teilnehmer nie wieder. Doch ein tiefer Eindruck wird bleiben. Einige können als Neumitglieder gewonnen werden. Es sind Wenige - Menschen, die engagiert genug sind, die Tabus und Ängste der eigenen Gesellschaft beiseite zu legen und sich auf einen friedlichen Dialog und gemeinsame Aktionen mit "der anderen Seite" einzulassen. Es ist eine 'Armee', die langsam aber sicher wächst. Sie gewinnt neue Mitglieder, und sie gewinnt öffentliche Aufmerksamkeit. Die 'Combatants' sind zuversichtlich, dass sie in dieser Weise weiterwachsen werden. Sie werden einfach weitermachen wie bisher: Nach einer gerechten, friedlichen Lösung für diesen Konflikt suchend und nach engagierten Partnern für den Frieden auf beiden Seiten.

Für dieses Ziel werden sie sich weiter einsetzen. Sie werden es auf die bestmögliche Art versuchen - indem sie miteinander reden.

Joseph DeVoir ist Vollzeit-Freiwilliger der 'Combatants for Peace' und arbeitet in Teilzeit als Rechtsberater für das Palestinian Centre for Peace and Democracy (www.pcpd.org) in Ramallah.

 

* http://www.combatantsforpeace.org

Orginalartikel: The Easiest Solution
Übersetzt von: Andrea Noll
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