"Dinosaurier" Davidow auf dem Gipfel von Trinidad
Chavez schenkt Obama ein Buch von Eduardo Galeano
von Tom Hayden
21.04.2009 — Huffington Post / ZNet
Es wird zum Muster: Sobald Obama versucht, ein Wahlversprechen zu erfüllen, bremsen ihn seine Dinosaurier, die es gewohnt sind, die Dinge zu regeln. Der jüngste Versuch, eine Geste des Präsidenten herunterzuspielen, betrifft den Dinosaurier Jeffrey Dawidow. Er ist US-Koordinator des Amerika-Gipfels in Trinidad (und Tobago). Davidow behauptet, Hugo Chavez sei es lediglich um ein Foto mit Obama gegangen, um seine Popularität in der eigenen Bevölkerung.
Obama sei populärer als Chavez, behauptet Davidow. Das erkläre die schnelle Veröffentlichung des Fotos vom Handschlag mit Obama auf der venezolanischen Regierungs-Internetseite (ABC News, 18. April). Davidow spielte Chavez' Übergabe eines Buchgeschenks* an Obama als unnötig herunter. Es handelt sich um ein Buch von Eduardo Galeano ('Die offenen Adern Lateinamerikas' - über die Geschichte der Ausbeutung Lateinamerikas, seit der Zeit der spanischen Kolonisation bis heute - Anmerkung d. Übersetzerin). Präsident Obama seien die Probleme von Lateinamerika bereits bekannt, so Davidow.
Obama drängte auf eine neue Art von Diplomatie, Davidow praktizierte die alte. Aus Höflichkeit fügte Davidow hinzu, Brasilien, Chile, Peru und Kolumbien seien Länder Lateinamerikas, die "nach vorne blicken und nicht nach hinten schauen". Die einhellige Forderung nach einer Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba bezeichnete Davidow als "Teil des historischen Gepäcks, das Lateinamerika mit sich herumschleppt - zusammen mit einem fast schon reflexartigen Misstrauen bzw. Antiamerikanismus".
Falls Davidow gehofft hatte, so eine unproduktive Reaktion der Venezolaner zu provozieren, ist ihm das, zumindest am Samstag, nicht gelungen. Doch seine ätzenden Kommentare passten absolut nicht zu einem US-Präsidenten, der geschworen hatte, zuzuhören, Respekt zu üben und Dialoge zu führen. Obamas bescheidene Lockerung der Reisebeschränkungen und der Geldüberweisungen gegenüber Kuba und die Aufnahme von Strafverfolgungsmaßnahmen durch das US-Justizministeriums gegen den Anti-Castro-Terroristen Luis Posades Carillo - all diese Taten haben Bewegung in den politischen 'Wandel' gebracht, die womöglich nicht mehr zu stoppen sein wird.
Aber wer ist Jeffrey Davidow? Es wäre fair zu fragen, wer das weiß. Zwischen 1971 und 1974 war er politischer Offizier an der US-Botschaft in Chile. Das war die Zeit, als sich in Chile die Repression und der Staatsstreich gegen die demokratisch gewählte Regierung Allende ereigneten (die zum Tod Allendes und zu einer Militärdiktatur in Chile führten). Am 3. März 1974 schrieb Davidow in einem Memo an einen chilenischen Offiziellen, das später freigegeben wurde, "von einer Verschwörung der Feinde Chiles, die die (Militär-)Junta in den schlimmsten Farben schildern will" (erschienen bei Boston Phoenix vom 16.-23. Dez. 1999).
Davidow war Botschafter in Mexiko, als es zur Krise in der Provinz Chiapas kam. Er sagte den mexikanischen Medien "wir wissen von keinen (rechten) paramilitärischen Gruppen in Chiapas." (Boston Phoenix vom 16.-23. Dez. 1999).
Zwischen 1993 und 1996 war Davidow US-Botschafter in Venezuela. Dort verteidigte er die herrschende soziale Ordnung. Zwei Jahre später kam Chavez durch eine politische Revolution an die Macht.
2003 zog sich Davidow aus den Regierungsgeschäften zurück und leitete das Institute of the Americas, das sich selbst als "anerkanter Führer" bezeichnet, "wenn es darum geht, die regionale Integration, die ökonomische Entwicklung und effiziente Regierung(en) in der westlichen Hemisphäre zu fördern".
Im Vorstand des Instituts sitzen viele Energiefirmen, Immobilieninvestoren sowie Wissenschaftsinstitute mit Sitz in San Diego (Chevron, Sempra LNG, Skanska (Pipelines), Barrick Gold Croporation (Kanada), J.P. Morgan, Petrobras Energy (Argentinien) oder die Oil Industry Association of Ecuador).
Im September 2007 war Davidow Vorsitzender eines Regionaltreffens der Trilateral-Konferenz in Cancun. Damals kritisierte er die demokratische Wahl von Hugo Chavez in Venezuela als "schleichenden Staatsstreich". Dies war umso merkwürdiger, als Chavez einige Jahre zuvor tatsächlich Ziel eines Staatsstreiches gewesen war.
Als er den Begriff "schleichender Staatsstreich" im Zusammenhang mit der demokratischen Wahl von Chavez in Venezuela benutzte, moderierte er gerade ein Gremium. Seine Erklärung lautete:
"Was machen andere Länder, wenn ihr Land die Demokratie abgewählt hat? Eine interessante Frage. Zumindest ich finde sie interessant".
Gleichzeitig warnte er vor einer drohenden Gefahr für die künftige Versorgung mit venezolanischem Öl durch diesen "schleichenden Staatsstreich":
"Was bedeutet es, wenn die bisherigen Hauptlieferanten von Petroleum an die USA unter gedrosselten Fördermengen leiden?" so Davidow.
Und er fügte die Frage an, was man wohl mit einem demokratischen Land machen soll, das zur "wichtigen Transitstation für Drogen in die USA und nach Europa geworden ist" Diese Behauptung sollte betonen, dass Agenten der American Drug Enforcement Agency auch in Venezuela vor Ort "integriert" werden sollten.
Einige der Fragen waren explosiv und standen hart davor, den Kalten Krieg gegen Caracas zu fordern, wenn nicht gar einen Regimewechsel.
Warum hat Obama Davidow zum Chef seines US-Teams in Trinidad gemacht? Das gilt es noch zu untersuchen. Aber es scheint zum Markenzeichen von Obamas Ansatz zu werden, die alte Garde zufriedenzustellen und ihre Zustimmung zu seiner neuen Richtung bzw. ihre Beteiligung zu suchen. Davidow schien sich in seiner Rolle in der Defensive zu fühlen. Daher suchte er sich Hilfe bei einer einst liberalen Zeitung, der Washington Post. Er führte am 10. April ein Gespräch mit Steve Clemon von der New America Foundation, in dem er sagte:
"Und denken Sie bloß nicht - einige werden es sicher tun -, ich sei irgendwo ein Ideologe bei diesem (Thema). Sehen Sie sich den Leitkommentar der heutigen Washington Post an. Vielleicht halten Sie sie (auch) für eine Gruppe von Ideologen, aber ich meine, sie drücken die Dinge besser aus, als ich es könnte" (aus Talk Left vom 10. April).
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