Eine KSZE für den Nahen Osten?
»Arabischer Frühling« zeigt: Druck der Zivilgesellschaft wirkt
von Ali Fathollah-Nejad
09.11.2011 — Neues Deutschland
ND: Die KSZMNO ist eine Initiative für die Beförderung des Friedens in Nahmittelost durch zivilgesellschaftliche Akteure. Wie kam es dazu?
Fathollah-Nejad: Die Initiative wurde in Deutschland
schon vor einigen Jahren vom Friedensforscher Mohssen Massarrat
gemeinsam mit den deutschen Sektionen der IPPNW (Ärzte gegen den
Atomkrieg) und IALANA (Rechtsanwälte gegen den Atomkrieg) angestoßen.
Nach Jahrzehnten gewaltsamer Konflikte in der Region wollten die
Initiatoren nicht länger warten und beschlossen, zivilgesellschaftliche
Akteure aus allen betroffenen Ländern zusammenzuführen, um eine
Perspektive in Frieden, Sicherheit und Zusammenarbeit zu fördern - was
die staatlichen Akteure bislang sträflich vernachlässigt haben. Nach
einer ersten Tagung im Januar fand kürzlich an der Londoner SOAS eine
zweite statt.
Wer nimmt daran teil und worin besteht ihr nächstes konkretes Ziel?
Wir
haben bisher zivilgesellschaftliche Kräfte aus nahezu allen Ländern der
Region versammeln können. Sie alle eint der Wunsch, aus dem
Teufelskreis gegenseitiger rüstungsbasierter Abschreckung auszubrechen
und stattdessen eine regionale Zusammenarbeit zu erreichen. Der
KSZMNO-Prozess umfasst neben der Sicherheitspolitik eine Reihe weiterer
Kooperationsfelder, unter anderem in den Bereichen sozio-ökonomische
Entwicklung, grenzübergreifendes Ressourcenmanagement, interkultureller
und interreligiöser Dialog und Gesundheit. Wir hoffen, dass die nächste
Fachtagung in der Region selbst stattfindet. All dies mit der Aussicht,
in naher Zukunft eine Gründungskonferenz des zivilgesellschaftlichen
KSZMNO-Prozesses zu veranstalten.
Für 2012 ist eine erste UN-Konferenz zur Schaffung einer von Massenvernichtungswaffen freien Zone in Nahmittelost geplant. Wir wünschten, dass dort exakte Schritte zur Realisierung dieses Ziels bestimmt und zivilgesellschaftliche Gruppen einbezogen würden.
Was stand im Mittelpunkt der jüngsten Tagung?
Wichtigstes
Thema war der »Arabische Frühling«, der gezeigt hat, dass die abwertend
als »arabische Straße« abgetanen Gesellschaften nicht etwa passive
Objekte autoritärer Herrschaft sind, sondern als Zivilgesellschaft
offensiv für ihre Belange eintreten können. Diese Entwicklung gibt auch
unserer Initiative Rückenwind, zumal deutlich wird, dass
zivilgesellschaftlicher Druck fruchten kann.
Besorgnis rief vor dem Hintergrund des sogenannten Nuklearstreits ein etwaiger israelischer Angriff auf Iran hervor - ein Thema, das momentan wieder Schlagzeilen macht. Daher auch der Wunsch, beide Parteien im Rahmen der genannten UN-Konferenz an einen Tisch zu bekommen.
Im Westen werden Mahnungen zum friedlichen Umgang mit Iran oft gleichgesetzt mit Parteinahme für Mahmud Ahmadinedschad.
Ich
denke, dass solch eine abenteuerliche Behauptung längst ihr
Verfallsdatum erreicht hat. Friedliches und faires, am Völkerrecht
orientiertes Handeln bedeutet ja nicht »Appeasement«, wie die
Neokonservativen behaupten. Denn Fakt ist, dass Wirtschaftssanktionen
und Kriegsdrohungen - also das Ausbleiben einer Konfliktlösung - der
Zivilgesellschaft enorm geschadet haben, während die gegenwärtige
Machtkonfiguration zementiert wurde. Vielmehr verspricht eine
Kurskorrektur die Schwächung der Hardliner auf allen Seiten.
Twitter
RSS Feed

IPPNW - KSZMNO-Appell
Gemeinsame Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen Osten
Die Konflikte in der Region des Mittleren und Nahen Ostens spalten und destabilisieren die ganze Welt. Alle bisherigen Vermittlungsversuche zur Schaffung eines dauerhaften Friedens scheitern an gegenseitigen Vorbedingungen. Anstatt die Armut zu bekämpfen, den Wohlstand zu mehren und Strukturen des Friedens aufzubauen, werden die üppigen Reichtümer der Region in den Dienst des Wettrüstens, des Krieges und der Zerstörung gestellt.
http://www.ippnw.de/aktiv-werden/kampagnen/kszmno-appell.html