Eine lange Reihe Drückeberger ('Chickenhawks')
von Cindy Sheehan
09.08.2007 — ZNet
Bei einer öffentlichen Veranstaltung in einem Rathaus in Iowa wurde der (Republikanische Kandidat) Mitt Romney von einer Antikriegsaktivistin gefragt, warum KEIN EINZIGER seiner fünf Söhne beim US-Militär sei. Der Bruder der Aktivistin war im Irak gewesen. Es war also verständlich, dass sie sich fragte, warum die Familie Romney einerseits BushCos 'Krieg gegen den Terror' massiv unterstützt, aber andererseits nicht bereit ist, ihr eigen Fleisch und Blut einzusetzen.
Mitt Romney antwortete, seine fünf Söhne unterstützten die Nation, indem sie ihrem Vater helfen, "gewählt zu werden": fünf privilegierte, Elite-Aktien- und Immobilien-Boys. Man könnte darüber streiten, ob es gut für unser Land ist, wenn ein kriegstreiberischer, labernder, wiedergeborener Abtreibungsgegner bei seiner Wahl unterstützt wird. Der eigentliche Punkt ist jedoch, dass die herrschende Klasse, die sich keine Gedanken über Krankenversicherung, Jobs oder die College-Finanzierung ihrer Kinder zu machen braucht, unsere Kinder in ihre Kriege schickt, wo sie umkommen. Der Krieg macht diese Leute noch reicher, während Familien der Arbeiterklasse den Rest ihres Lebens verzweifeln.
Im Vietnamkrieg mussten 58.000 Mütter und 58.000 Väter die Erfahrung machen, wie negativ es ist, in dieser Zeit einer Unterschichtsfamilie anzugehören (viele ihrer Kinder - nicht alle - waren Wehrpflichtige). Noch heute kämpfen Tausende Vietnamkriegsveteranen um Regierungsbeihilfen für ihre physischen und psychischen Gesundheitsprobleme. Schließlich hatte die US-Regierung sie in diesen unmoralischen Krieg geschickt. Die Zahl der amerikanischen Vietnamkriegsveteranen, die Selbstmord begingen, ist fast doppelt so hoch wie die der in Vietnam getöteten US-Soldaten. Vietnamkriegsveteranen stellen den größten Prozentsatz unseres skandalösen nationalen Obdachlosenproblems.
Heute fühlen fast 4.000 Mütter dieselbe Verzweiflung beim Thema Irak.... Schon jetzt sieht man (obdachlose) Irakveteranen in den Straßen, und Irakkriegsveteranen begehen Selbstmord. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses Leid durch die Wahl Mitt Romneys gelindert würde.
Mitt Romney steht wahrhaftig in einer Drückebergertradition. Er ging nicht nach Vietnam. Er war mit "Missionsarbeit" für die Mormonen beschäftigt - was immer das heißen mag. Vielleicht hatte er einfach Angst vor den Kämpfen im schwül-heißen Dschungel, vor Erschöpfung, Tod, Langeweile, vor der Suche nach dem nächsten Schuss Heroin. Aber so recht kann ich mir das nicht vorstellen. Ich war früher Jugendseelsorgerin in St. Mary/Vacaville. Damals kamen viele Mormonen missionarisch in mein Büro geschneit, um mich von der Sünde des "Katholizismus" zu bekehren. Ehrlich, die Chickenhawks der Republikaner sollten einen Club aufmachen. Dort könnten sie darüber witzeln, wie sie sich vor Vietnam drückten, darüber lachen, dass ihre Kinder nicht in den Irak müssen und deren Daddies und Opis die Kriegsmaschinerie nicht mit ihrem eigen Fleisch und Blut schmieren müssen.
Romney stellte fest, dass es sich bei unserer Armee um eine "reine Freiwilligen"-Armee handle. Das werde "auch so bleiben". Wetten dass! Auf diese Weise wird es den Chickenhawks nämlich möglich, sich Absolution zu erteilen - angesichts der Tatsache, dass sie diesen hässlichen Krieg, in dem Menschen unnötig starben, mitunterstützt haben. Sie rufen: "Dein Sohn war ja Freiwilliger!" Auch das Konzept der "Professionellenarmee" ist ein imperialistischer Trick, um normale Bürger sehr, sehr gut davor zu bewahren, Opfer zu werden. Die Bürger werden gerade narkotisiert genug gehalten, um nicht wütend zu werden und etwas zu unternehmen.
Ich habe mich mit College-Republikanern unterhalten und mit jungen Leuten, die zu meinen Veranstaltungen kommen, um mir Obszönitäten entgegenzuschleudern. Ich fragte sie, warum marschiert ihr nicht ins nächste Rekrutierungsbüro und lasst euch in die Liste eintragen - wenn ihr George Bush und seinen Krieg für Profit so sehr unterstützt? Ihre Antworten gleichen denen Romneys. Sie sagen, sie dienten ihrem Land, indem sie aufs College gingen. Sie würden ein Geschäft aufmachen und heimkehrende Veteranen "einstellen". Oder sie erklären, sie "dienten" ihrem Land, indem sie gegen mich protestierten.
Viele unserer jungen Leute haben wenig Optionen, was Arbeit und Ausbildung angeht oder wenn es darum geht, aus ihrem riskanten sozialen Umfeld herauszukommen - vor allem, wenn sie nicht weiß sind. Es ist Ironie, dass sie ausgerechnet beim Militär landen. Was (meinen Sohn) Casey angeht, so wäre es mir lieber gewesen, er hätte in Vacaville Hamburger gewendet - als zu sterben. Aber Casey hatte das Gefühl, seine Familie hinsichtlich der (geplanten) College-Ausbildung entlasten zu müssen, daher ging er zur Armee. Was für ein tragischer Deal!
Aber wenn Romneys Kinder die Chance haben, unserem Land zu dienen, indem sie im Wahlkampf herumschippern und Blogs verfassen, sollten alle unsere Kinder diese Möglichkeit erhalten. Kinder aus den unteren sozioökonomischen Schichten sollten mit $20.000 und einem College-Kredit belohnt werden, wenn sie sich für Wahlkampfkandidaten ihrer Wahl einsetzen.
Wenn sich reiche Eliten keine Sorgen um die College-Ausbildung ihrer Kinder zu machen brauchen, sollte das für alle gelten. Ein Kind, das aufs College möchte und qualifiziert ist, sollte keine oder eine sehr geringe Studiengebühr zahlen müssen. Diese Kinder sollten ihre mentale und physische Gesundheit - ihr Leben - nicht für einen Studienabschluss verdealen. Wir müssen unsere Steuergelder aus dem Irak abziehen und unsere Arbeitsplätze in der Produktion aus Übersee. Unsere jungen Leute brauchen mehr Optionen.
Es wird Zeit, über die "Wehrpflicht aus Armut" (poverty draft) zu sprechen - darüber, wie die herrschende faschistische Klasse ihre Kinder zum Nachteil unserer Kinder schützt.
Ich bin nicht der Ansicht, dass ein Präsident beim Militär gewesen sein muss - aber ein Heuchler bleibt ein Heuchler. Wenn ein Kandidat diesen Krieg unterstützt - oder künftige Kriege - halte ich ihm entgegen: Schick' deine eigenen Kinder! Denn das wäre erst der Glaubwürdigkeitsbeweis für die Aussage, mein Sohn sei für eine "noble Sache" gestorben.
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