Hebron: Siedlergewalt führt zur Verhaftung von Friedensaktivisten
von Neve Gordon
29.10.2008 — ZNet
Die Aktivisten kommen in der Morgendämmerung. Circa 30 Aktivisten von Ta'ayush (arabisch-jüdische Partnerschaft) und internationale Freiwillige begeben sich in die palästinensischen Haine, die an die jüdische Siedlung Tel-Rumeida bei Hebron grenzen. Sie wollen den (palästinensischen) Landbesitzern helfen, ihre Oliven zu ernten. Die palästinensischen Bauern leben hinter den Zäunen und sind Opfer täglicher Gewalt. Versuche der palästinensischen Bauern, zu ihren Olivenbäumen zu gelangen, wurden von den Bewohnern von Tel Rumeida blockiert. Tel-Rumeida ist eine Bastion militanter, extremistischer jüdischer Siedler. Selbst die israelische Polizei fürchtet diese Siedler, während das Militär sich routinemäßig ihren Befehlen fügt.
Einige Tage zuvor erfuhren die Aktivisten, dass die Siedler in die Haine eingedrungen waren und Oliven ihren rechtmäßigen Besitzern weggestohlen hatten. Die Polizei ignorierte entsprechende Beschwerden. Das Militär entschied, den Palästinensern den Zutritt zu den Bäumen komplett zu verwehren.
Nach einem Treffen mit ihren palästinensischen Partnern begannen die Aktivisten, die Oliven selbst zu pflücken. Sie arbeiteten schnell und kamen zügig voran, als plötzlich vier Siedler vor Ort erschienen. Ohne Vorwarnung verprügelten sie einen internationalen Aktivisten und einen Fotografen*. Sie zerstörten ihre Kameras. Die Siedler waren in Begleitung von mehreren israelischen Soldaten, deren Job es war, die Siedler vor den Palästinensern zu schützen. Aus diesem Grund überraschte es auch nicht, dass die Soldaten nichts unternahmen, um den gewaltsamen Angriff zu verhindern. Sie verhafteten die Siedler nicht. Sie rieten ihnen sogar, sich besser zu verstecken, bevor die Polizei eintreffe*.
Die Aktivisten von Ta'ayush hatten mittlerweile die Polizei alarmiert und über den Angriff von Siedlern auf die Olivenpflücker informiert. Diesmal war die (israelische) Polizei sehr schnell vor Ort. Aber anstatt die militanten Siedler zu verhaften, teilten sie den Palästinensern, Israelis und Internationalisten mit, sie müssten das Gebiet verlassen. Die Polizei erklärte das Gebiet zur "gesperrten militärischen Zone". Wieder einmal triumphierten die gewalttätigen Unterdrücker.
Die Aktivisten weigerten sich, die ungerechte Entscheidung zu akzeptieren. Sie behaupteten, man würde so verfahren, um die palästinensischen Landbesitzer von ihren Oliven zu trennen.
Diesmal fanden die Polizeioffiziere und das Militär die Anwendung von Gewalt angemessen und fingen an, die Aktivisten zu evakuieren*.
3 Aktivisten von Ta'ayush wurden verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Die Polizei wollte sie über Nacht in Haft behalten. Nach Mitternacht wurden sie jedoch freigelassen. Eine Eingabe um eine Dringlichkeitsanhörung bei Gericht hatte zu ihrer Freilassung geführt.
Wieder einmal haben die Siedler den Tagessieg errungen und die Ernte verhindert. Aber diesmal war die Presse dabei und hielt das Geschehen fest*. Das wahre Gesicht der Siedler, der Polizei und des Militärs wurde sichtbar. Normalerweise erfährt die Welt nichts von dieser Brutalität.
Helfen Sie Ta'ayush (arabisch-israelische Partnerschaft), ihre Aktivitäten fortzusetzen.
'Ta'ayush Jerusalem' ist seit 2001 aktiv. In diesen Jahren arbeiteten wir mit palästinensischen Gemeinden in der südlichen Westbank zusammen - auch mit den palästinensischen "Höhlenbewohnern" in den südlichen Hügeln von Hebron. Wir arbeiten mit Palästinensern, die in der Stadt Hebron selbst leben und mit palästinensischen Gruppen in der Region Bethlehem und in Ost-Jerusalem. Sie alle sind beständiger Gewalt unterworfen. Das bedeutet, dass ihre Häuser zerstört werden und ihr Land konfisziert; man droht ihnen mit Vertreibung. Durch die militärische Belagerung und die drakonische Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit durch Israel müssen diese Palästinenser in extremer Armut leben.
Um unsere wöchentlichen gemeinsamen Aktivitäten mit den Palästinensern aufrechtzuerhalten, brauchen wir Ihre Unterstützung.
1. Eine Gruppe von 20 Freiwilligen benötigt für eine Woche Aktivitäten in Süd-Hebron circa 1000 Israelische Schekel ($250).
2. Größere Aktivitäten, für die sie Busse mieten müssen, kosten circa 5000 IS ($1250).
3. Die monatlichen Benzin- und Telefonkosten für die israelischen und palästinensischen Aktivisten betragen insgesamt rund 3000 IS ($750).**
Anmerkung der Übersetzerin
* Auf der Originalseite sind Fotos der Aktion und ein Link zu einer Videoaufnahme über den Angriff der jüdischen Siedler auf die Aktivisten zu sehen
** Auf der Originalseite finden Sie hier einen Link zu einer Spendenmöglichkeit
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Wer weiss, wer wirklich hinter der Aktion der "Siedler" steckt.
Vielleicht sind es garnicht die Siedler, sondern andere Stellen, z.B. der "Shin Bet", die einen Konflikt heraufbeschwören wollen.
Ich wundere mich sowieso, wo auf einmal die ganzen Videos herkommen, die angebliche Übergriffe jüdischer Siedler auf Palästinenser zeigen.
Welcher Siedler ist bitte schön so blöd, und läßt sich dabei auch noch filmen?
Komisch auch, das bei den Aktionen der "Siedler" immer sofort ne Kamera vor Ort ist.