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Israelische Siedlungsblocks zerschneiden Westbank

von Mohammed Khatib

06.11.2007 — ZNet

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Wir sind Bewohner des kleinen Dorfes Bil'in, westlich von Ramallah in der besetzten Westbank. Den geplanten Verhandlungen zwischen palästinensischen und israelischen Führern in den USA (Annapolis/Maryland) sehen wir mit gemischten Gefühlen entgegen. Wie alle Palästinenser beten wir, dass unsere Kinder nicht so weiterleben müssen - unter israelischer Militärbesatzung.

Die Erfahrung hat uns jedoch gelehrt, dass die stärkere Partei - Israel - Friedensverhandlungen als Nebelwand missbraucht, um über Fakten, die von Israel vor Ort geschaffen werden, hinwegzutäuschen. So hat Israel während des sogenannten "Friedens"-Prozesses von Oslo in nie gekannter Geschwindigkeit (israelische) Siedlungen in den besetzten Gebieten errichtet. Auch das israelische Straßensystem - mit Straßen nur für israelische Siedler -, das unsere Großstädte und Dörfer abwürgt, ist in der Osloer Zeit entstanden. Aus diesem Grunde sind wir skeptisch, was die aktuellen Verhandlungen in Annapolis betrifft.

Überall in der Westbank hat Israel Siedlungen errichtet - obgleich das internationale Recht es einer Besatzungsmacht verbietet, die eigene Bevölkerung in besetzten Gebieten anzusiedeln. Heute will Israel die meisten der israelischen Siedlungsblocks in der Westbank annektieren. Dies soll entweder im Rahmen von Verhandlungen mit den Palästinensern oder einseitig geschehen.

Bil'in und Dutzende andere palästinensische Dörfer der Westbank würden auf diese Weise lebensnotwendige Gebiete und Ressourcen an die israelischen Siedlungsblocks verlieren. 1991 konfiszierte Israel 200 Acres des Dorfes Bil'in und erklärte dieses Land zu israelischem Staatsgebiet. 2001 kamen israelische Ingenieure und begannen, darauf neue jüdische Siedlungen zu errichten, die heute Teil des israelischen Siedlungsblocks Modi'in Illit sind.

Seit 2005 schneidet die israelische Apartheidmauer unser Dorf Bil'in von 50% unseres Agrarlandes ab. Unsere Reaktion bestand in mehr als hundert gewaltlosen Protesten, die von israelischen und internationalen Sympathisanten unterstützt wurden. Hunderte von uns wurden verletzt oder verhaftet. Nach den Protesten und aufgrund einer eingereichten Klage entschied der Oberste Gerichtshof in Israel im vergangenen Monat, der Verlauf der Mauer bei  Bil'in müsse geändert werden. Dadurch würden wir rund die Hälfte des uns weggenommenen Landes wiedererhalten.

Wir feiern diesen Sieg. Doch mit Unterstützung der USA plant Israel immer noch, den Siedlungsblock Modi'in Illit zu annektieren, was uns weiteres Land entziehen würde. Siedlungsblocks, die von israelischen Regierungen angelegt wurden - von Likud, Kadima oder Labor - sind an strategischen Stellen platziert, anders als die von Siedlerbewegungen initiierten Siedlungen. Diese Blocks sollen israelische Kontrolle über unsere Bewegungsfreiheit, über unsere Grenzen, über unseren Zugang zu Wasser und nach Jerusalem gewährleisten. Selbst nach Gründung eines "souveränen" Palästinenserstaates wäre dies noch der Fall.

Einige israelische Politiker behaupten, die Siedlungsblocks, die Israel annektieren will, entsprächen 5% der Westbank. Bei ihrer Rechnung vergessen diese Politiker allerdings die Siedlungen im besetzten Ost-Jerusalem. Ost-Jerusalem wurde 1967 annektiert - einseitig und illegal.

Die Realität sieht so aus, dass Israel das strategische Gebiet zwischen der Grünen Linie und der Apartheidmauer de facto schon annektiert hat - 10,2%. Die Siedlungsblocks sind hierbei enthalten. Rund 80% der israelischen Siedler wohnen ja westlich der Apartheidmauer, innerhalb der Westbank.

Als Palästinenser erklärten wir uns bereit, in diesem Land mit den Juden zusammenzuleben - in einem demokratischen Staat, in dem israelische Juden und wir gleichberechtigte Bürger sind. Die meisten jüdischen Israelis und ihre Politiker haben uns jedoch klargemacht, dass sie unbedingt einen jüdischen Staat wollen - keinen Staat für alle Bürger. Daher haben wir uns zu einer Zwei-Staaten-Lösung bereiterklärt: Palästina an der Seite Israels.

Für uns Palästinenser wäre ein Staat auf nur 22% unseres historischen Heimatlandes ein sehr großer Kompromiss. Jassir Arafat wurde in seinem Büro belagert, weil er Israels sogenanntes "großzügiges" Angebot in Camp David nicht annehmen wollte. Man hat ihn bestraft, weil er kein weiteres Territorium aufgeben wollte. Er wollte keinen Staat aus isolierten Kantonen, durchschnitten durch israelische Siedlungsblocks akzeptieren.

Wir wissen, dass Unrecht nicht ewig währt. Das verleiht unserer Hoffnung Kraft. Irgendwann werden wir alle als gleiche Menschen in diesem Land leben. Wenn dieser Tag kommt, werden wir feststellen, dass es mehr Gemeinsames zwischen uns gibt als Trennendes. Doch bis zu diesem Tag werden wir uns nicht mit Wortgeklingel zufrieden geben - nicht mit Wörtern wie "Staat" oder "Souveränität". Wir wissen, dass wir in einem solchen "Staat" keinen Zugang zu unserem Wasser hätten, dass wir nicht frei ein- und ausreisen könnten, dass wir nicht ohne israelische Erlaubnis von einem Ort zum andern reisen dürften. Ich werde nicht frei sein, solange die israelischen Siedlungsblocks und die Mauer das Land zerschneiden, uns Territorium wegnehmen und meine Hauptstadt Jerusalem umzingeln.

Wir haben zu lange und zu viel gelitten. Wir werden keine Apartheid in der Maske des Friedens akzeptieren. Wir werden uns mit keiner Lösung zufrieden geben, die weniger ist als Freiheit.

Übersetzt von: Andrea Noll
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