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Ist man bereit, sich den Fakten über Israel zu stellen?

von Paul Craig Roberts

25.07.2008 — AntiWar.com

— abgelegt unter:
Am 21.Oktober 1948 traf die Regierung von Israel eine Entscheidung, die eine dauernde und umstrittene Auswirkung auf die Rechte und den Status jener Araber haben sollte, die innerhalb seiner Grenze lebten: die offizielle Errichtung einer Militärregierung in den Gebieten, wo die meisten Bewohner Araber waren.

– Martin Gilbert, Israel: Eine Geschichte.

Ich hatte es schon aufgegeben, einen Amerikaner mit Gewissen zu finden und der dazu steht, und war schon beinahe so weit, mich mit meinem Laptop zurück zu ziehen, als ich Rev. Thomas. L. Are traf.

Rev. Are ist ein presbyterianischer Pastor, der seiner Gemeinde in Atlanta, Georgia zu sagen pflegte:„Ich bin ein Zionist“. Wie die meisten Amerikaner war Rev. Are von der israelischen Propaganda verführt worden und half mit, diese Propaganda in seiner Kirche zu verbreiten.

Um 1990 hatte Rev. Are ein Erlebnis, das ihn aufmerksam werden ließ. Er verdankt es dem christlichen Kanon der St.George-Kathedrale in Jerusalem und dem Autor Marc Ellis, dem Mitherausgeber des Buches: „Beyond Occupation“.

Als ihm klar wurde, dass seine Unkenntnis der Situation vor Ort ihn zum Komplizen großer Verbrechen gemacht hat, schrieb Rev. Are ein Buch in der Hoffnung, dass viele andere vor diesem seinem Fehler abgelenkt werden und vielleicht Wiedergutmachung leisten: „Israelischer Friede/ palästinensische Gerechtigkeit“, 1994 in Kanada veröffentlicht.

Rev. Are hat zu seinem Thema viele Recherchen gemacht und ein unerschrockenes Buch geschrieben. Man denke daran, dass 1994 lange vor der Veröffentlichung von Mearsheimer und Walts Buch war, die auch die Macht der Israel-Lobby offen legten sowie deren Fähigkeit, die Medien zu kontrollieren, über die die Amerikaner vom Israelisch-palästinensischen Konflikt erfahren.

Rev.Are beginnt mit einem Bericht über Israels Eröffnungsangriff auf die Palästinenser, einem Geschehen, das sich 1947/ 48 ereignete, bevor die meisten Amerikaner von heute geboren wurden. Er zitiert den anerkannten britischen Historiker Arnold J.Toynbee:

„Die Behandlung der palästinensischen Araber 1947 und 1948 war genau so wenig zu rechtfertigen wie der Mord an 6 Millionen Juden durch die Nazis. Auch wenn es nicht mit der Quantität der Verbrechen der Nazis zu vergleichen ist, so doch mit seiner Qualität.“

Golda Meir, von den Israelis als große Führerin angesehen und von anderen als eine der größten Mörderinnen, bestreitet die Fakten:

„Es war nicht so, dass es da ein palästinensisches Volk in Palästina gegeben hat und wir gekommen sind, sie zu vertreiben und ihr Land zu nehmen. Es hat gar nicht existiert.“

Golda Meirs „Entschuldigung“ für Israels große Verbrechen ist so gegen die Tatsachen, dass es höchst erschreckend ist. Palästinensische Flüchtlingslager außerhalb Palästinas sind noch immer voller Palästinenser und ihrer Nachkommen, deren Städte, Dörfer, Häuser und Ländereien 1948 von Israelis übernommen wurden. Rev. Are bringt dem Leser die Beschreibung nahe, wie Naim Ateek (Vertreter der Pal. Befreiungstheologie) die Flucht als 11 Jähriger erlebt hat, als die Juden Beisan (Beit Shean) am 12.Mai 1948 einnahmen. Ganze palästinensische Gemeinden verschwanden einfach.

1949 zählten die UN 711000 palästinensische Flüchtlinge (allgemein wird von 750 000 gesprochen ER)

2005 schätzte das UN-Flüchtlingswerk (UNWRA) 4,25 Millionen palästinensische Flüchtlinge mit ihren Nachkommen.

Die israelische Politik der Vertreibung von Nicht-Juden wird seit 6 Jahrzehnten weitergeführt. Am 19. Juni 2008 berichtete das Laity-Committee im Heiligen Land im Window of Palestine, dass das israelische Ministerium des Inneren den Jerusalemer Christen die Einwohnerrechte nimmt und sie nur noch als „Besucher in ihrer eigenen Stadt“ bezeichnet.

Am 10. Dezember 2007 rühmte sich MK Ephraim Sneh in der Jerusalem Post, dass Israel „einen wahren zionistische Sieg“ über den UN-Teilungsplan errungen habe, der versucht hatte, zwei Nationen im Land Israel zu errichten. Der Teilungsplan hatte für Israel 56% von Palästina vorgesehen und für die einheimischen Bewohner Palästinas nur 44%. Aber Israel hat dies im Laufe der Jahre verändert. Sneh erklärte stolz:

„Wenn wir das permanente Abkommen abschließen, dann werden wir 78% des Landes haben, während die Palästinenser 22% kontrollieren.“

Sneh hätte hinzufügen müssen, dass diese 22% im wesentlichen eine Ansammlung unzusammenhängender Ghettos ist, die von einander und von Straßen, vom Wasser medizinischer Versorgung und den Arbeitsstellen getrennt sind .

Rev. Are dokumentiert, dass die Verletzung der palästinensischen Menschenrechte zu Israels offizieller Politik gehöre: Mord, Folter und Schläge sind Routine. Am 17. Mai 1990 berichtet die Washington Post, dass „Save the Children“ dokumentierte: „willkürliches Schlagen, Beschuss mit Tränengas und Schießen auf Kinder zu Hause oder direkt vor ihrer Haustür spielend, im Klassenzimmer sitzend oder auf dem Weg zum Einkaufen.“

Am 19. Januar 1988 verkündete der israelische Verteidigungsminister Yitzhak Rabin, der spätere Ministerpräsident die Politik des „Prügelstrafe“ („Brecht ihnen die Knochen!“ ER) der Palästinenser. Die Israelis beschrieben den Zweck der „Prügelstrafe“:

„Unsere Aufgabe ist es, ein Hindernis zu schaffen und noch einmal Todesangst in die Araber der Region zu pflanzen.“

Nach Save the Children ist es üblich, Kinder und Frauen zu schlagen. Rev. Are schreibt und zitiert dabei einen Bericht in der Washington Post: Save the Children kam zu dem Schluss, dass 1/3 der geschlagenen Kinder unter 10 Jahre alt ist und 1/5 sogar unter 5 Jahre. Fast ein Drittel der geschlagenen Kinder erlitten Knochenbrüche.“

Am 8. Februar 1988, wird im Newsweek magazine ein israelischer Soldat zitiert: „Wir bekamen Befehle, an jede Tür zu klopfen, einzutreten, alle männlichen Familienmitglieder rauszuholen. Die Jüngeren müssen sich mit dem Gesicht zur Wand in eine Reihe aufstellen und die Soldaten verprügelten sie mit Gummiknüppeln. Dies war keine private Initiative, dies war ein Befehl, der vom Kompaniechef kam .. Nachdem ein Soldat mit dem Prügeln der Verhafteten fertig war, nannte ihn ein anderer Soldat „Du Nazi!“ und der erste erwiderte: „du Weichei!“ Wenn einer der Soldaten einen andern am Prügeln eines Arabers ohne Grund hindern wollte, gab es Handgreiflichkeiten unter ihnen.“

So war es in den Zeiten, bevor das Gewissen aus den Rängen der israelischen Armee verschwunden war.

In der London Sunday Times vom 19.6.77 schrieb Ralph Schoenmann, der Exekutivdirektor der Bertrand Russell-Stiftung:

„Die israelischen Verhörbeamten misshandeln und foltern routinemäßig arabische Gefangene. Die Gefangnen haben einen Sack über dem Kopf oder eine Augenbinde über den Augen und werden an ihren Handgelenken für lange Zeit aufgehängt. Die meisten werden in ihre Genitalien gestoßen oder anderweitig sexuell missbraucht. Andere werden mit Elektroschocks behandelt.“

Amnesty International kam zu dem Schluss, dass es kein Land in der Welt gibt, dass die offizielle und anhaltende Anwendung von Folter so gut eingesetzt und dokumentiert hat wie im Falle Israels.

Sogar die pro-Israel eingestellte Washington Post berichtet:

„Nach der Verhaftung macht der Verhaftete nach gut organisierten Methoden eine Periode des Hungern und der Schlafbehinderung durch und lange Zeiten, in denen der Gefangene mit gefesselten, erhobenen Händen und einem stinkenden Sack über dem Kopf stehen muss. Die Gefangenen werden auf dem Boden entlang gezogen, mit Gegenständen geschlagen, gestoßen, nackt ausgezogen und unter eiskalte Duschen gestellt.“

Das klingt wie Abu Gharaib. Es gibt neue Berichte, dass israelische Folterspezialisten an den Folterungen der Verhafteten beteiligt waren, die vom amerikanischen Militär als Teil der Propaganda des Bush-Regimes eingesammelt waren, um die Amerikaner davon zu überzeugen, dass der Irak von al-Qaida-Terroristen überschwemmt ist. Am 23.Juli 2008 gab es in Antiwar.com einen irakischen Zeitungsbericht, die irakische Regierung habe gerade 109 087 Iraker entlassen hat, die die Amerikaner „verhaftet“ hatten. Offensichtlich waren diese „terroristischen Verhafteten“ nur für die Bush-Regierung als Propaganda benützt worden. Man wird wohl nie erfahren, wie viele von ihnen von - vom CIA importierten -israelischen Folterern missbraucht worden waren.

Rev. Ares Buch macht Vorschläge für die Lösung des von Israel begonnenen Konflikts. Doch das Problem ist, dass die israelische Regierung nur an Gewalt glaubt. Die Politik der israelischen Regierung ist immer nur Schlagen, Töten und brutale Behandlung der Palästinenser gewesen, damit sie sich unterwerfen oder fliehen. Jeder, der dies anzweifelt, sollte das Buch des bestem israelischen Historikers Ilan Pappe lesen: „Die ethnische Säuberung von Palästina“ (2006).

Die Amerikaner sind ein leichtgläubiges und naives Volk. Sie waren 60 Jahre lang Komplizen der Verbrechen, die nach Toynbees Worten „vergleichbar sind in Qualität“ zu denen des Nazi-Deutschlands. Wie Toynbee vor Jahrzehnten schrieb, mögen die jetzt angesammelten israelischen Verbrechen nun auch was die Quantität betrifft vergleichbar sein.

Die USA stimmen routinemäßig gegen UN- Resolutionen, wenn Israels wegen seiner brutalen Verbrechen gegen die Palästinenser angeklagt wird. Unbekümmerte amerikanische Steuerzahler haben ein halbes Jahrhundert lang dafür gezahlt, um Israel mit überlegenen militärischen Waffen auszurüsten, mit denen Israelis ihre Nachbarn angreifen und außerdem Amerika – gezwungenermaßen – überzeugen, Israel sei das Opfer.

John F. Mahoney schrieb:

„Rev.Thomas Are erinnert mich an Dietrich Bonhoeffer, einen aktiven Pastor, der zu der beunruhigenden Erkenntnis kam, dass ihm und seinem Volk eine schreckliche Lüge aufgetischt wurde: das Morden und Foltern von Tausenden unschuldiger Männer, Frauen und Kinder. Nicht ohne intensive Nachforschungen und Gebet riskiert ein Pastor seinerseits, seine Gemeinde zu beunruhigen. Rev. Are hat seine Hausaufgabe gemacht und ich vermute, dass er oft und lang während seines Schreibens dieses mutigen Buches gebetet hat."

Bonhoeffer war ein lutherischer Theologe und Pastor, der für seine aktive Teilnahme am deutschen Widerstand gegen die Nazis hingerichtet wurde.

Prof. Benjamin M.Weir, Theologisches Seminar San Franzisko, schrieb, dieses Buch wird den Leser schaudern lassen. „Es bittet Dich, den Sprachlosen deine Stimme zu leihen.“

Amerikaner, die nicht mehr selbständig denken können und die erschrocken sind über die Missbilligung ihrer den Ton angebenden Gruppe, sind nicht in der Lage, ihre Stimme jemandem zu leihen, außer denen, die die verlogene Welt der Propaganda kontrollieren.

Die Unkenntnis und Gleichgültigkeit der Amerikaner frustriert meine Freunde in der israelischen Friedensbewegung. Ohne Unterstützung von außen wird diesen Israelis, die guten Willens sind, durch Amerikas Unterstützung der Regierungspolitik der Gewalt, jede friedliche Lösung des 1947 begonnenen Konfliktes mit israelischen Aggressionen gegen unverdächtige palästinensische Dörfer vorenthalten .

Rev. Are schrieb dieses Buch mit der Hoffnung, die Feder sei mächtiger als das Schwert und dass Fakten die Propaganda verdrängen und einen Rahmen für eine gerechte Lösung des palästinensischen Problems schaffen können. In seinem abschließenden Kapitel „Was Christen tun können“, schreibt Rev. Are:

„Wir können andern nicht erlauben, unsere Gedanken zu irgend einem Thema zu dirigieren, besonders, wenn es sich um christliche Treue handelt, die durch eine Haltung bezüglich Gerechtigkeit für die Unterdrückten getestet wird. Es ist christliche Pflicht dies zu wissen."

Pflichten haben natürlich ihre Kosten. Rev. Are schreibt: „Sprich für die Palästinenser und du wirst dir Feinde machen. Doch als Christen müssen wir bereit sein, Themen anzusprechen, denen wir bis jetzt gerne ausgewichen sind.“

Mehr als zehn Jahre später versuchte Präsident Carter, ein wahrer Freund Israels, noch einmal das moralische Gewissen der Amerikaner mit seinem Buch : „Palästina, Frieden nicht Apartheid“ aufzuwecken. Carter wurde sofort von der Israel Lobby dämonisiert.

60 Jahre Bemühungen guter und human denkender Leute, Israel verantwortlich zu machen, ist bis jetzt nicht gelungen; aber sie sind heute wichtiger denn je. Israel hat „seine“ amerikanische Nation fast soweit, den Iran anzugreifen. Die Konsequenzen könnten für uns alle verheerend sein. Der angebliche Zweck des Angriffes ist, die nicht existierenden iranischen Nuklearwaffen zu eliminieren. Der wirkliche Grund ist, alle Unterstützung für die Hamas und Hisbollah zu eliminieren, damit Israel, den Süden des Libanon und die ganze Westbank an sich reißen kann. Das Bush-Regime ist eifrig dabei, Israels Geheiß nachzukommen und die Medien und die evangelikalen „christlichen“ Kirchen haben das amerikanische Volk auf diesen Vorfall vorbereitet.

Es ist paradox, wie Israel vormacht, dass im christlichen Glauben an den guten Willen keine Wahrheit steckt, sondern in Lenins Doktrin, dass Gewalt die effektive Kraft in der Geschichte ist und dass die evangelikalen christliche Zionisten darin übereinstimmen.

Übersetzt von: Ellen Rohlfs
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