Klimakonferenz der "Völker der Welt" in Bolivien
Am Dienstag eröffnete Präsident Evo Morales die alternative Klimakonferenz
von Amy Goodman
21.04.2010 — Democracy Now!
Reportage von Anjali Kamat und Rick Rowl
Amy Goodman:
Wir berichten heute aus Tiquipaya - einer Stadt direkt neben Cochabamba (...). Wir berichten von der Eröffnung der globalen Konferenz 'World Peoples' Summit on Climate Change and the Rights of Mother Earth' (Gipfel der Völker der Welt zum Klimawandel und zu den Rechten von Mutter Erde), die dort im Moment stattfindet.
Heute ist der dritte Tag der Gipfel-Gespräche. Tausende Menschen von überall aus Lateinamerika und der Welt strömen in die Kleinstadt Tiquipaya. Sie wollen darüber diskutieren, wie man die Folgen des Klimawandels aufhalten kann. Anjali Kamat und Rick Rowley, die vor Ort sind, schickten uns diesen Beitrag vom Dienstag (Eröffnungstag der Konferenz).
Anjali Kamat:
15 000 Menschen aus der ganzen Welt versammelten sich am frühen Dienstagmorgen unter der heißen Anden-Sonne, um der offiziellen Eröffnung der 'World Peoples' Conference...' beizuwohnen, bolivianische Musik zu hören, indigenen Zeremonien beizuwohnen und zu sehen, wie die Ehrengarde der Bolivianischen Armee Präsident Evo Morales - den ersten indigenen Präsidenten des Plurinationalen Staates Bolivien - grüßte.
Präsident Evo Morales (übersetzt):
Ich begrüße die Menschen der Welt und die Ehrengarde.
Anjali Kamat:
In seiner vierzigminütigen Rede umriss Präsident Morales, wie es zum Scheitern (des UNO-Klimagipfels) in Kopenhagen gekommen war und beschrieb Boliviens Alternativvorschläge beim Klimawandel. Er warnte: Die Welt habe nur die Wahl: Kapitalismus oder überleben.
(Einblendung)
Präsident Evo Morales (übersetzt):
Wir sind hier, weil die so genannten "entwickelten Länder" in Kopenhagen ihrer Pflicht nicht nachkamen, substantielle Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase einzugehen. Uns bleiben nur zwei Wege: Pachamama (Mutter Erde) oder Tod.
Uns bleiben nur zwei Wege: Der Tod des Kapitalismus oder der Tod von Mutter Erde. Entweder lebt der Kapitalismus (weiter) oder die Mutter Erde. Brüder und Schwestern - natürlich sind wir hier, weil wir für das Leben sind, für die Menschheit und für die Rechte von Mutter Erde. Lang lebe das Recht von Mutter Erde! Tod dem Kapitalismus! (Ende)
Anjali Kamat:
Die bolivianische Regierung hat versprochen, die Ergebnisse dieser Konferenz der Völker allen 192 Nationen zukommen zu lassen, die an den offiziellen Gesprächen der UNO-Debatte zum Klimawandel beteiligt sind. Die TeilnehmerInnen hier sagen, sie erhoffen sich von DIESER Konferenz, dass der Einfluss DIESER Konferenz auf die Politik größer sein wird als die von der UNO gesponserten Gespräche.
Konferenzteilnehmer (übersetzt):
Kopenhagen kam im Grunde von den Regierenden und war für sie gedacht. Kopenhagen war für die Führer der Länder da. Aber dies hier ist ein Treffen der Menschen, und weil die Menschen die Konsequenzen (des Klimawandels) zu spüren bekommen, tauschen wir uns hier über unsere Sorgen und Erwartungen aus.
Dies hier ist eine Bewegung. Es ist ein erster Schritt, um die ganze Welt zu mobilisieren, damit wir nach einer anderen Art von Zivilisation und einer anderen Art von Umgang mit der Natur suchend tasten. Und ich denke, wenn wir - die Menschen - zusammenkommen, können wir eine globale Bewegung schaffen. Das ist der Weg, den wir beschritten haben.
Anjali Kamat:
Sozialbewegungen, indigene Organisationen, Umweltgruppen, Arbeitergewerkschaften und Einzelaktivisten aus fünf Kontinenten strömten in den vergangenen Tagen in die kleine Stadt Tiquipaya, um dem Gipfel beizuwohnen. Saeed Ali Mousavi ist ein Religionsstudent aus dem Iran.
Saeed Ali Mousavi (übersetzt):
Wir müssen die Welt verändern. Wir müssen den Kapitalismus zerstören - und sind dazu in der Lage. All die Leute, die hier beisammen sind, belegen, dass es möglich ist und wir dazu in der Lage sind. Wir alle wollen und können nicht akzeptieren, dass dieser Kapitalismus die globale Macht besitzt.
Leslie Borges (übersetzt):
Mein Name ist Leslie Borges. Ich komme aus Brasilien. Dieser Gipfel ist sehr, sehr wichtig, denn er bietet eine der wenigen Gelegenheiten, damit Menschen ihre Ansichten, ihre Flaggen und ihre Kämpfe direkt einbringen können - dass darüber auf direkte Weise entschieden wird. Das ist ein einzigartiger Prozess.
Spiritchild:
Mein Name ist Spiritchild (Geisteskind). Ich bin Mitglied des Künstler- und Aktivistenkomitees 'Movement in Motion' - einer Graswurzelorganisation. Im Grunde machen wir.... wir benutzen den Hip-hopp, um Sozialbewegungen zu dokumentieren. Wir haben Themen wie etwa die Bus-Depots in Harlem - all der Rauch und Smog, die in die South Bronx strömen; wir bekommen Asthma davon. Wir hip-hoppen auch darüber, welche Verbindung zwischen unserem Asthma und Katastrophen - von 'Katrina' bis zu den Malediven und Tuvalu - besteht. Wissen Sie, über diese Art Themen singen wir. Wissen Sie, wir versuchen, die Beziehungen zum Klimawandel aufzuzeigen, um eine globale Bewegung zu erzeugen. Unser Stilmittel ist der Hip-hopp, 'social art', solche Sachen. Wir hoffen, dass wir damit weitermachen werden.
Carlos Arrien:
Mein Name ist Carlos Arrien. Ich gehöre der Organisation BoliviaSol an. Dieses kleine Land (Bolivien), das nur 8 Millionen Einwohner hat, ist in der Lage, den Fehdehandschuh hinzu- werfen, sich auf die Füße zu stellen und zu sagen: Was über Mutter Natur gesagt wird, ist nicht nur leeres Gerede, nicht nur gut und schön, sondern real. Wir müssen in dieser Sache etwas tun. Und hier.. hier also ist (der Gipfel von) Tiqupaya. Hier, hier wird einiges angeboten. Wir werden es wahr machen und eine Tür öffnen - damit die Menschen partizipieren, die von dem Prozess ausgeschlossen sind, der sich mit der globalen Erwärmung und dem Klimawandel beschäftigt. Es ist also eine außergewöhnliche Veranstaltung. Und das ist auch der Grund, weshalb wir hier sind.
Kety Esquivel:
Mein Name ist Kety Maria Esquivel, Kety Kesquivel. Ich bin leitende Direktorin und Managerin der Organisation 'Latinos in Social Media'. Wir sind eine Gruppe von Latinos aus den ganzen USA. Wir mobilsieren online und in verschiedener Form auch über die sozialen Medien. Ich bin für die Konferenz nach Cochabamba angereist - mit einer Gruppe, die aus Mitgliedern indigener Gemeinden bzw. unterrepräsentierter Gemeinden in den USA besteht. Der Grund, weshalb wir nach Bolivien gekommen sind, ist, dass solche Konferenzen normalerweise stattfinden, ohne dass unsere Stimmen Gehör finden, ohne, dass wir mit am Tisch sitzen. Das kann nicht so weitergehen. Es kann nur funktionieren - Lösungen sind nur möglich - wenn alle Stimmen mit einbezogen werden, vor allem in demographischer Hinsicht. Da sich die (demographischen) Zahlen in den USA verändern, gehören wir mit an den Tisch.
Ich denke, was diese Konferenz von dem unterscheidet, was wir von (dem Gipfel) in Kopenhagen mitbekommen haben, ist, dass wir dieses Mal mit dabei sind. In Kopenhagen waren wir nicht dabei. Wenn man sich hier umhört, wenn wir uns mit den Leuten hier unterhalten, stellt sich heraus, dass uns eine Vision verbindet, dass wir diejenigen sind, die die Lösung finden werden - das reicht von Präsident (Morales) bis hin zu allen, die hier sind, die als Einzelpersonen verschiedenen Organisationen und Graswurzelbewegungen vertreten. Inzwischen glauben wir, dass wir es gemeinsam und solidarisch schaffen werden.
Anjali Kamat:
Am ersten Tag des Klimagipfels der Völker waren die Erwartungen hoch, das Treffen werde zu einem demokratischen Prozess, der die Menschen mit einbezieht - dass er der Herausforderung des Klimawandels die Stirn bieten wird.
Für Democracy Now! berichteten Anjali Kamat und Rick Rowley.
Amy Goodman:
Das waren einige Stimmen von der 'World Peoples' Conference on Climate Change and the Right of Mother Earth'. Wir berichteten von dem Gipfel, der derzeit in der bolivianischen Kleinstadt Tiquipaya (bei Chochabamba) stattfindet.
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