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Mit verbundenen Augen

von Gideon Levy

10.10.2008 — Ha'aretz

— abgelegt unter:

Sieh dir mal kurz das Foto vor dir an. Wir nahmen es zufällig im letzten Herbst auf. Während einer nicht enden wollenden Wartezeit am Havara-Kontrollpunkt, um nach Nablus zu gelangen. Wir sahen, wie dieser Mann verhaftet wurde. Bingo – es ist das Spiel der Soldaten am Checkpoint. Wir kannten seinen Namen nicht, auch nicht, warum er verhaftet wurde und wann er entlassen wurde – wie üblich. Aber wir bemerkten seine stolze Haltung - allein und aufrecht. Seine Augen waren schon mit einem IDF-Flanelltuch verbunden, ein Tuch, womit man sonst die Gewehrläufe reinigt. Man war dabei, ihm Plastikhandschellen umzulegen. Wir schienen uns, über seine plötzliche Verhaftung mehr aufzuregen als er. Nach 41 Jahren waren die Palästinenser daran gewöhnt, dass an einem gewöhnlichen Tag, auf dem Weg zur oder von der Arbeit, alles plötzlich auf den Kopf gestellt werden kann.

Es war ein Routinejahr, noch ein Jahr der Besatzung – und kein Ende in Sicht. Von Rosh Hashana 5768 bis Rosh Hashana 5769 tötete unser Militär 584 Palästinenser, 95 davon waren minderjährig, viel weniger als im Jahr zuvor, als 989 getötet wurden; viel mehr als 2005 mit 190 Getöteten. 18 Israelis wurden im letzten Jahr auch getötet, viel mehr als im vorausgegangenen Jahr, als nur fünf getötet wurde, viel weniger als 2002, als 184 Israelis getötet wurden. Alles in allem ein durchschnittliches Jahr des Blutvergießens.

All dies wurde von der israelischen Gesellschaft wie mit verbundenen Augen beobachtet. Als an einem schwarzen Sommertag im Gazastreifen fast 60 Palästinenser getötet wurden, fand das in den Zeitungen kaum eine Erwähnung. Mit (anscheinend) verbundenen Augen sieht die israelische Gesellschaft weiterhin auf die Routine der Besatzung, auf die Mütter in Wehen, die am Checkpoint ihr Baby verlieren, wie die Bauern Opfer der gesetzlosen Siedler werden, auf die nächtlichen Überfälle, die Arbeitslosigkeit, die Armut und ( auch darauf) wie die Hoffnung schon vor langem gestorben ist.

Im vergangenen Jahr haben wir kaum etwas über das Leben unter Belagerung im Gazastreifen gehört. Seit zwei Jahren dürfen wir, ein Handvoll israelischer Journalisten, die nur ihre journalistische Mission erfüllen wollen, nach israelischen Militärordern den Gazastreifen nicht mehr betreten. Als ich vor ein paar Wochen den Verteidigungsminister Ehud Barak fragte, schien er davon nichts zu wissen. Er ließ jemanden, danach fragen, aber wir bekamen natürlich darauf keine Antwort. Es ist gar nicht überraschend, dass der Verteidigungsminister nichts davon weiß, dass es isr. Journalisten vom Verteidigungsestablishment verboten ist, über den Gazastreifen zu berichten: den Gazastreifen interessiert niemand in Israel. Und so verging wieder ein Jahr und unsere Augen sind wie verdeckt .

Mit einer winzigen Taschenlampe, die wir noch haben, versuchten wir hier während des Jahres ein paar blasse Lichtstrahlen auf die Routine des Lebens unter Besatzung zu werfen. Es ist eine undankbare Aufgabe, von deren Ergebnis nur wenige etwas wissen wollen. Aber wir halten durch. Eine kleine Nachlese aus dem dunklen Hinterhof des Staates – der „einzigen Demokratie des Nahen Ostens“.

Mitten in einer Nacht anfangs des Jahres 5768 stürmten IDF-Soldaten in ein Haus im Flüchtlingslager Ein Beit Ilma bei Nablus und jagten nach einem Gesuchten. Sie gingen von einer Wohnung in die nächste und durchbrachen dabei die Mauern, hinterließen große Löcher in den Wohnzimmern der bescheidenen Häuser, zerstörten Küchen, in dem ein erschrecktes Mädchen stand und den Abwasch machte. Ein paar Wochen später war ein altes Ehepaar in Nablus dran. Eine ganze Nacht lang waren Wazirs allein und zitterten vor Angst in ihrer Hütte, während rund herum geschossen wurde und Explosionen statt fanden, bis endlich der Befehl kam, das Haus zu verlassen. Abdel Wazir, der Onkel des legendären Abu Jihad (Khalil al Wazir) ging nach draußen und wurde auf der Stelle von Soldaten erschossen. Er war 71, der älteste Shahid/ Märtyrer.

Dann erzählten wir die Geschichte von Ma’ida al Akel, die nach Jordanien ging, um ihre kranke Mutter zu besuchen. Man ließ sie nicht zu ihrem Mann und den 6 Kindern zurückkehren, wo möglich für immer. In der folgenden Woche beschrieben wir die Hashlamouns in Hebron. Nora und Sami wurden unter Administrativhaft gesetzt – keine Gerichtsverhandlung, keine Anklage. Die Großmutter ihrer sechs Kinder tat ihr Bestes und versorgte sie.

Die 63 Mitglieder der Beduinenfamilie Qa’abneh wurden durch den Zaun von ihrem Land, das ihnen den nötigen Lebensunterhalt gab, in der Nähe von Bir Naballah abgeschnitten. Im Gebiet von Tarqumiya wurden 150 Flüchtlinge von 1948 ein zweites Mal zu Flüchtlingen, als sie dieses Jahr wegen des Checkpointbaues wieder aus ihren Häusern vertrieben wurden. Mohamed Ashkar wurde während eines Gefängnisaufstandes im Ketziot-Gefängnis direkt in den Kopf geschossen; zuhause wartete sein durch Folter gelähmter Bruder Loai auf ihn. Ein anderer Gefangener, Imad Khotri, wurde von „Major Effi“ im Kishon-Gefängnis gefoltert und hat nun gelähmte Armee. Der arbeitslose Gärtner Firas Kaskas wurde bei einem Ausflug mit Freunden in einem Wadi bei Ramallah getötet. Er hinterlässt drei Töchter - er wurde aus sehr großer Entfernung erschossen.

Die IDF, die Grenzpolizei und der Shin Bet waren nicht allein: das letzte Jahr war vor allem das Jahr der Siedler. In den letzten Monaten eskalierten ihre Randale fürchterlich, während die IDF und die Polizei tatenlos zusah - und wenigstens bei einem Vorfall sogar mitmachte. Sie verbreiteten bei einer Vergeltungsmaßnahme im Dorf Al-Funduq Angst und Zerstörung: Fünf Siedler aus Havat Gilat schlugen den Hirten Hashem Achmed,51, so zusammen, dass er ins Krankenhaus musste. Bei verschiedenen Gelegenheiten griffen Siedler aus Asael Mitglieder der Familie Abu Awad an, Hirten aus den Südhebroner Hügeln, und zerstörten ihren bescheidenen Besitz. Nach meinem Artikel über diesen Fall machte ein gutherziger, bekannter Israeli, der anonym bleiben möchte, der Familie ein großzügiges Geschenk und einer der Ärzte für Menschenrechte arrangierte für vier der Kinder der Familie , die eine ernsthafte Hauterkrankung haben, eine Untersuchung im Krankenhaus. Eine benachbarte Familie, die Abu Qabeitas wurden von Siedlern aus Sussia und Beit Yattir angegriffen. Sie setzten Häuser in Brand, vergifteten Schafe und feuerten Mörsergranaten ab.

Während seiner Pflichtausübung wurde der palästinensische Polizeioffizier Mohammed Salah getötet. Er wagte es, einen Wagen mit israelischen Undercoverleuten an einem Polizeikontrollpunkt in Bethlehem anzuhalten. Sie töteten ihn direkt, nachdem er die Wagentür geöffnet hatte. Und dann wurden Babys unter einem schlechten Stern geboren: Kifah Sider wurde gezwungen, ihr Kind bei frostigem Winterwetter auf der Straße in Hebron auf die Welt zu bringen, nachdem man sie am Tel Rumeida-Kontrollpunkt zu lange hat warten lassen. Ihr Baby ist gesund. Aber die Abu Radas hatten weniger Glück: 75 Minuten lang bettelte Mu’ayyad vergeblich für seine Frau, dass man sie durch den Hawara-Kontrollpunkt zum Krankenhaus in Nablus durchlässt – das Kind wurde am Kontrollpunkt totgeboren .

Zwischendurch kam Fawziya al Darak am Tul-Karem-Kontrollpunkt nach einer schweren Herzattacke an. Ihr Mann bat sehr darum, dass man sie zum Krankenhaus nach Tulkarem durchlässt. Sie wurden abgewiesen – und Fawziya stirbt.

Ghassan Burqan wollte auch durch einen Kontrollpunkt, um ins Tel Rumeida-Viertel in Hebron nach Hause zu kommen. Er trug eine neue Waschmaschine auf seinem Kopf, ein Geschenk für seine Frau. Der Grenzpolizist behauptete, er habe versucht, ihn mit der Waschmaschine anzugreifen und zerstörte sie. Zum Glück entließ ihn der Militärrichter und ein loyaler israelischer Leser kaufte ihm eine neue Waschmaschine.

Omar Alians Familie war gezwungen, 12 Stunden zu warten, nachdem er an Krebs in seinem Elternhaus gestorben war, bevor ihnen erlaubt wurde, seinen Leichnam auf die andere Seite des Kontrollpunktes zu bringen, der Jerusalems Stadtteil Sheik Saad absperrte. Bei einer anderen Gelegenheit feuerten israelische Soldaten bei der Gush-Etzion-Kreuzung auf einen neuen Mercedes-Taxi, in der eine Familie mit einem Baby saß . Als sie herausfanden, dass sie das Leben einer unschuldigen Familie in Gefahr gebracht hatten, konfiszierten sie das Taxi für eine angebliche Untersuchung. Sie gaben es einige Tage später ruiniert zurück.

Soldaten stahlen Mohammed Abu Arkub, einem Barbier, Schmuck im Wert von Tausenden von Schekel. Bei einer Durchsuchung spät nachts wurde ein Nachbar, der Dachdecker Sami Huatra grundlos zweimal angeschossen und lange blutend liegen gelassen. Fadi Darabiya wurde von Soldaten so hart in den Unterleib gestoßen, dass er eine Hode verlor. Andere Soldaten schossen auf einen fast blinden Jugendlichen, Ahmed Sabarna aus Beit Umar, nachdem sie ihn verdächtigten, er habe irgendwie Steine auf sie geworfen .

„Captain Joe“ als einer der Armeeoffiziere bekannt, ließ Flugblätter im drohenden Maffiastil im Namen der IDF in Azun zurück: „Captain Joe wird ins Dorf kommen und die Bewohner erschießen, die Kinder verhaften und die Läden schließen“, war seine Botschaft. Ein anderer „Captain“ aus der Zivilverwaltung war verantwortlich für die Zerstörung besonders spektakulärer Terrassen der Beit Ula-Felder. Zwei Jahre harter Arbeit und eine größere Geldsumme aus der EU gingen in zwei Stunden den Bach hinunter.

Auch in diesem Jahr entführten Soldaten zwei Hirten im Jordantal und hielten sie die ganze Nacht gefangen, während andere Soldaten sie suchten. Der Vater der jungen Videofilmerin von Na’alin wurde von Soldaten verhaftet. Jamal Amira saß 26 Tage grundlos im Gefängnis. Seine einzige Sünde: Seine Tochter Salam filmte und wagte, das Schießen eines Soldaten (auf Order des Brigadekommandeurs) auf einen gefesselten Palästinenser in Na’alin zu dokumentieren.

Nach all diesem und vielem mehr waren viele verwundert, dass Mitglieder einer Delegation von Menschenrechtsaktivisten aus Südafrika – einschließlich zwei Richtern des Obersten Gerichts - die mit uns Nablus besuchten, sagten, dass die israelische Besatzung viel schlimmer sei als die Apartheid.

Ich wünsche allen ein weiteres gutes Jahr der Besatzung.

Orginalartikel: Dieser Artikel ist NICHT auf www.zmag.org erschienen!
Übersetzt von: Ellen Rohlfs
Artikelaktionen
1
flora sagt
09.10.2008 11:11

Auch wenn Herr Levy ja nur den palästinensisch-jüdischen Altag schildert, solche Berichte schlagen mir immer wieder auf den Magen!
Das unendliche Leid das den Juden damals in Deutschland zugefügt wurde, das sie über Generationen verfolgt (die Täter auch) unterscheidet sich in nichts von dem, was die Palästinenser nun durch die Juden zu erleiden haben. Um das zu begreifen muss man sich nur die Einzelschicksale der Gequälten vorzustellen. Herr Levys Schilderung ist darum auch so beeindruckend und bedrückend!
Die Verachtung für die Täter (damals und heute) wächst, die Wut aber auch!
Vor allem die Wut auf eine deutsche Regierung und eine deutsche Gesellschaft, zu der auch der Zentralrat der Juden in Deutschland gehört, die ihre Abscheu gegenüber solchen Verbrechen nicht laut und klar ausdrücken.
C.Pichlo

2
Anonymous sagt
21.10.2008 19:51

Hallo claus,

es sind eben nicht DIE Juden, die die Menschen in Gaza und dem Westjordanland unterdrücken, sondern der israelische Staat.

"Das unendliche Leid das den Juden damals in Deutschland zugefügt wurde, das sie über Generationen verfolgt (die Täter auch) unterscheidet sich in nichts von dem, was die Palästinenser nun durch die Juden zu erleiden haben."

Und ich finde es mindestens fragwürdig, den Nahostkonflikt mit dem Holocaust gleichzusetzen (hallo?!). Dann hätte ja in den KZs und während der Todesmärsche nur das eine Übel das andere Übel ausgerottet. Und dann wäre alles gar nicht mehr so schlimm, eine Randnotiz der Geschichte sozusagen.

Es gibt im Nahostkonflikt nunmal keine "richtige", weil "gute", Seite. Auf der einen Seite stehen islamistische Fundamentalisten, auf der anderen Seite stehen Imperialisten. Und beide bauen eine einzige große Scheiße.

3
Anonymous sagt
22.10.2008 14:12

Ich habe das letzte Jahr in Israel Verbracht und habe mit vielen Menschen gesprochen, daraufhin bin ich zu folgendem Schluss gekommen.

es gibt immer Menschen (vorwiegend junge Männer) die wütend sind. Vor einigen jahren sah man sie immer bei Fußballspielen, vor mehr jahren waren es die NSDAP schlägertrupps in der Weimarer Republik. Und dann gibt es noch die netten Jungs mit der Glaze und dem Pittbull. So jedenfalls in Deutschland.

In andern Ländern gibt es andere möglicherweise rechte Gruppen in dennen sich diese Jungen menschen, die so voller Wut sind, sammeln.

In Israel sind es junge Menschen, die nacht Häuser auf Hügeln in Palestina bauen, und diese mit Sturmgewehren verteidigen.

Ich denke diese Menschen brauchen nur einen Grund um ihre Wut loszulassen. sei es, weil sie bessere Menschen sind als andere, sei es, das sie das Land ihrer Vorväter verteidigen, oder zurückerobern.
Sei es ob sie für eine REvolution kämpfen oder dagegen.
Es wird immer Menschen geben, die das Feuer das in ihnen brennt nur mit dem Blut andere löschen können.

4
flora sagt
25.10.2008 11:22

Hallo Freunde,
wer meine Gleichsetzung für "fragwürdig" hält,sollte sich einmal die Definition für Völkermord in der UN-Konvention vom 09.12.1948 ansehen.(Wikipedia).
Lehrreich ist auch die Arbeit des Wissenschaftlers Herrn Prof. Ilan Pappe "Die ethnische Säuberung Palästinas".Fundierte Kenntnisse sind unerlässlich.
Selbstverständlich kann man nicht einen Völkermord mit dem anderen rechtfertigen oder ihn relativieren. Den Opfern ist es aber gleichgültig unter welchen rassistischen oder sonstigen Vorzeichen sie gemordet und gequält werden.Auch nicht ihre Zahl ist maßgebend, weil jeder Einzelne zählt!
Es stimmt: für die Shoa haben wir Deutschen das "Exklusivrecht", aber dieser Völkermord war nicht der einzigste im letzten Jahrhundert; ich erinnere, unter anderem, an die 15 Millionen vertriebenen Ostdeutschen und an die 2,2 Millionen dabei umgekommenen! Auch die Armenier sind unvergessen.Ruanda ist gerade passiert um im Kongo wird weiter gemordet währen ich diese Zeilen schreibe.
Völkermord bleibt Völkermord, egal in welchem Gewande er daherkommt.
Angesichts der Tragödie des palästinensischen Volkes ist jede etwaige Zuspitzung und Provokation in dem Bemühen auf sie aufmerksam zu machen, erlaubt, ja unerlässlich!
Verniedlichungen, Verharmlosungen, Relativierungen, Aufrechnereien und andere Verdrängungsmechanismen müssen offengelegt werden, um angemessene Reaktionen auf den (schleichenden) Völkermord an den Palästinensern anzuprangern.
Das Wort "Völkermord" ist die klarere und brutalere, auch ältere Fassung des Begriffes "Ethnische Säuberung", die etwas vornehmer klingt und schon fast eine Vergarmlosung darstellt. Solche Katastrophen mit den Ausschreitungen männlicher jugendlicher Pubertierender in einem Athemzug zu nennen, geht meiner Meinung nach überhaupt nicht!
Die Palästinenser in ihrem Abwehrkampf, ich hätte schon beinahe gesagt in ihrem Todeskampf, mit den israelischen Tätern in einem Athemzug zu nennen, ist unsäglich und zeugt von absoluter Unkenntnis der Vorgänge im Nahen Osten.(Ich bin als junger Mensch auch über Jahrzehnte dieser so furchtbar effektiven Propaganda aufgesessen).
Bitte unbedingt Ilan Pappe lesen und auf Leute wie Herrn Levy hören, vor allem aber Herz und Verstand nicht verschließen!
C.Pichlo

5
lecaillou sagt
25.10.2008 19:19

Zu diesem Thema hat Noam Chomsky eine nettes kleines Buch geschrieben, eben über den Relativismus der amerikanischen Politik, wenn es um die Auslegung der UN-Konvention von 1948 geht.
Eine idee von ihm ist sehr interessant, in etwa diese: Das Leid muss aus der Sicht der Opfer beurteilt werden und nicht durch die Brille der Täter, die natürlich von den besten Absichten beseelt sind.

6
flora sagt
25.10.2008 21:48

Bessere Anwälte der Palästinenser (Opfer) als Noam Chomsky, Amira Hass,Herrn Levy, Ilan Pappe und andere kann es garnicht geben. Opfer, die total entrechtet sind und keine Chance bekommen ihre verzweifelte Lage darzustellen müssen sich freuen wenn irgendjemand für sie die Stimme erhebt. Auch wenn diese "Irgendjemand" Täternationen angehören, besitzen sie doch die größtmögliche Autorität und Kompetenz, eben weil sie gegen den Mainstream anschreiben und auch Gefahren für Leib und Leben nicht scheuen, denn ihr Einsatz für die Menschenrechte kann auch tötlich enden.
Unter dem "Schutz" des Relativismus werden die größten Leichenberge produziert, in Palästina nun seit 60 Jahren, seit der Gründung des Staates Israel - einer Demokratie, in der das Volk entscheidet welche Regierung was tut und nicht die Regierenden die alleinige Verantwortung tragen, wie etwa in einer Diktatur. "Den Juden" im Staate Israel fällt die ganze Verantwortung zu (und ihren Unterstützern der unterschiedlichsten Herkunft weltweit)und nicht den Israelis, denn dazu gehören ja auch die Israelis arabischer Herkunft. Dass da Uri Avnery und all die anderen Streiter ausgenommen sind, die sich für Frieden und Menschenwürde auch für die Palästinensern einsetzen, versteht sich von selbst, und die Israelis arabischer Herkunft ja wohl auch.
Damit uns scheinbar Aussenstehenden das alles klar wird, brauchen wir seriöse Berichterstatter wie z.B. G.Levy. Von niemandem sonst haben wir Aufklärung zu erwarten.
C.Pichlo

7
Anonymous sagt
26.10.2008 23:08

@flora / C.Pichlo
>>>Bessere Anwälte der Palästinenser (Opfer) als Noam Chomsky, Amira Hass,Herrn Levy, Ilan Pappe und andere kann es garnicht geben.<<<

Ich würde sagen, das oben genannten Autoren auch bessere Anwälte für die Israelis sind, denn es kann keinen Zweifel geben das die Politik der isrealischen politischen und militärischen Führungsschicht die isrealische Gesellschaft zerstört und wird das Land über kurz oder lang zerstören wird.

8
flora sagt
27.10.2008 15:10

Ganz genauso sehe ich das auch!
Viele Juden in Israel ahnen heute noch garnicht was sie sich selbst mit ihren Verbrechen an den Palätinensern antun. Zerstörungen in der Psyche eines ganzen Volkes sind aber nur dann zu erwarten, wenn man ihnen in Zukunft ihre Untaten auch ständig vorhält, über Generationen hinweg! Wir Deutsche wissen wozu das führt. Aber ist das im Falle Israel wirklich zu erwarten?
Wenn es der israelischen Gesellschaft gelingen sollte ihre Geschichte umzuschreiben, bzw. sie weiter wie bisher zu "klittern", so wie es den Polen und Tschechen gelungen ist, oder unseren amerikanischen Freunden bezüglich der indigenen Bevölkerung Nordamerikas,oder den Türken in Hinsicht auf den Völkermord an den Armeniern, (der Fairnis halber müssten noch viel mehr Fälle aufgezählt werden) dann haben auch die israelischen Täter eine gute Chance als Opfer davon zu kommen. Ja sie könnten sogar nach erfolgreicher Geschichtsverdrehung zu einer moralischen Instanz aufsteigen (siehe "Gottes eigenes Land") und dann wie ihr großer Beschützer U.S.A. mit Feuer und Schwert (Napalm) die Menschenrechte verteidigen, auch wenn dabei Millionen ins Gras beißen.
Alles scheint möglich wenn man die richtigen Freunde hat und wenn man für die richtige und "wahre" Geschichtsschreibung sorgt, nur Levy und Co. passen da überhaupt nicht ins Bild.
C.Pichlo

9
Anonymous sagt
25.10.2008 22:54

ich möchte Norman Finkelstein's Buch Antisemitismus als politische Waffe (mit einem Vorwort von Felicitas Langer [alternative Nobelpreis 1990]) empfehlen.

Der Anhang des Buches ist übrigens online:
http://www.normanfinkelstein.com/pdf/chutzpah/Finkelstein_Antisemitismus_als_politische_Waffe__Anhang.pdf
http://www.normanfinkelstein.com/content.php?pg=11

chapu

10
flora sagt
26.10.2008 09:25

Ein wichtiger Hinweis.
Wer Prof. Finkelstein oder Mearsheimer und Walt, oder Pappe und Chomsky nicht gelesen hat, der hat ein Problem das ganze Ausmaß einer furchtbaren Politik im Nahen Osten zu begreifen. Zu begreifen an welchen Verbrechen wir Deutsche uns da beteiligen indem wir unsere Regierungen einfach machen lassen...
Besonders Prof. Finkelstein macht uns klar (einige wußten das aber schon) mit welchen miesen Methoden uns das "Maul gestopft" wird, wenn wir es wagen sollten daselbe auf zu machen!
N.Finkelstein - unbedingt lesen!
C.Pichlo

11
Anonymous sagt
26.10.2008 13:12

zu Mearsheimer und Walt empfehle ich Ihnen zu lesen, was Chomsky dazu in "What we say goes" am Ende des Buches gesagt hat (wie immer sehr aufschlussreich)

hier können Sie es auch hören
http://www.4shared.com/dir/8474975/b9db3472/WWSG.html

chapu

12
flora sagt
28.10.2008 10:28

Vielen Dank für die beiden links.
Dort habe ich eine Besprechung von Finkelsteins Buch "Chupze" durch den US-Amerikaner Prof. M.de Zayas gefunden. Dieser Generalsekretär des Internationalen Pen-Clubs ist ein ausgewiesener Historiker und Wissenschaftler.Er war jahrelang Sekretär des UNO_Menschenrechtsausschusses und Chef der Beschwerdeabteilung beim UNO Hochkommissar für Menschenrechte. Außerdem lehrt er an diversen Universitäten weltweit. Er ist für mich die absolute Autorität wenn es um Menschenrechte geht, auch weil er Völkermord und Ethnische Säuberung ausschließlich aus der Sicht des Völkerrechtes und der Charta der Menschenrechte der UNO betrachtet.
Für uns Deutsche hat sein Standardwerk "DIE NEMESIS VON POTSDAM - die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen" einen unersetzlichen aufklärerischen Wert.
Der Völkermord an den Ostdeutschen fand übrigens fast zur selben Zeit statt, als im März 1948 von den Israelis die ethnische Säuberung Palästinas im "Roten Haus" geplant und gestartet wurde(Ilan Pappe).
Die mit der ethnischen Säuberung Osteuropas einhergehende propagandistische Bearbeitung der Deutschen und der Weltöffentlichkeit durch die Siegermächte sorgte dafür, dass heute selbst die deutschen Opfer nichts mehr von diesem Völkermord wissen.
(ca.15 Millionen Vertriebene, 2,2 Millionen Tote) Die Israelis haben sich diese extrem erfolgreiche "PR-Arbeit" ganz offensichtlich zum Vorbild genommen, und sind ebenso erfolgreich damit.
C.Pichlo