Neues zum Mordfall Mahmoud al-Mabhouh
Der Hamasoffizielle war im Februar in Dubai unter mysteriösen Umständen ermordet worden
von Robert Fisk
16.05.2010 — The Independent on Sunday
William Hague war kaum 48 Stunden britischer Außenminister, als er sich schon mit einer politischen Krise im Nahen/Mittleren Osten konfrontiert sah: Das Emirat Dubai gab den Namen eines Mannes mit britischer Staatsbürgerschaft bekannt. Er ist der 19. Verdächtige im Mordfall Mahomoud al-Mabhouh. Der Hamas-Offizielle al-Mabhouh war vor vier Monaten in Dubai ermordet worden. Bei den Attentätern hatte es sich offensichtlich um eine Gruppe gehandelt. Einige Personen aus dieser Gruppe hatten gefälschte britische Pässe bei sich getragen. Was den aktuellen Fall betrifft, so reiste der Verdächtige, das verlauten die Vereinigten Arabischen Emirate, unter seinem eigenen Namen (nach Dubai) ein und hatte seinen eigenen britischen Pass bei sich.
Die Details des Dokumentes sind The Independent bekannt. The Independent on Sunday hat jedoch entschieden, sie nicht zu veröffentlichen. Es ist erwiesen, dass der britische Pass echt ist. Er wurde am 24 Oktober 2007 ausgestellt und ist 11 Jahre gültig. Der Besitzer des Passes wurde 1948 geboren. Es wird davon ausgegangen, dass sein Vater ein Jude aus Palästina war, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nach Großbritannien eingereist war. Dubai hat die Informationen und die Pass-Nummer des Verdächtigen an Interpol weitergeleitet. Es wird davon ausgegangen, dass er sich in Westeuropa versteckt hält.
Quellen in Dubai behaupten, der Mann sei identifiziert worden, als er einen Mietwagen neben jenem Hotel parkte, in dem Mabhouh ermordet wurde. Auf einer Kameraaufnahme ist zu sehen, wie er das Auto gerade einparkt. Die Videoaufnahme befindet sich im Besitz der Vereinigten Arabischen Emirate. Eine Kopie wurde an die Polizei von Großbritannien übersandt. Laut der Vereinigten Arabischen Emirate reiste der Verdächtige vor kurzem nach Kanada und Frankreich.
Mr. Mabhouh wurde in seinem Hotelzimmer erstickt. Die Emirate nennen 33 Personen als Verdächtige. Ermittlungen haben ergeben, dass bis zu 12 von ihnen gefälschte britische Pässe benutzten. Weitere Verdächtige benutzten Passfotos, die ihnen ähnlich sahen oder gestohlene deutsche, irische, australische oder französische Pässe.
In weiten Kreisen wird davon ausgegangen, dass es sich bei den Verdächtigen um Mitglieder des (israelischen Auslandsgeheimdienstes) Mossad handelt. Die britische, irische und französische Regierung beriefen ihren jeweiligen israelischen Botschafter ein, um eine Erklärung zu erhalten, weshalb Pässe ihres Landes bei diesem Mord eingesetzt wurden.
Dass ein gebürtiger Brite unter den Verdächtigen ist, dürfte sich nicht positiv auf die Beziehungen zwischen London und Tel Aviv auswirken. Der ehemalige britische Außenminister David Miliband verurteilte den Missbrauch von britischen Pässen als "nicht tolerierbar" und verlangte von Israel die Zusicherung, dass so etwas nicht erneut geschehe. Großbritannien hatte bereits im März einen israelischen Diplomaten ausgewiesen, nachdem Ermittlungen der Abteilung für Schwerkriminalität und Organisiertes Verbrechen (Serious and Organised Crime Agency) "schlagkräftige Gründe" ermittelt hatten, die darauf hinwiesen, dass Israel hinter dem Pass-Missbrauch steckte. Laut dieser Ermittlungen geht es um Dokumente, die von britischen Staatsbürgern auf Flügen nach Israel benutzt wurden. Die Israelis hätten identische Kopien davon hergestellt. Dabei stehen die (israelischen) Flughäfen im Verdacht: Flughafenoffizielle hätten den jeweiligen Pass mitgenommen, um ihn "zu checken". Das hätte ungefähr 20 Minuten gedauert. Die Entscheidung Großbritanniens (den israelischen Diplomaten abzuschieben) hatte bei einigen Mitgliedern der israelischen Knesset wütende Angriffe ausgelöst. Von einer Aktion "antisemitischer Hunde" war die Rede.
Bei dem ausgewiesenen israelischen Diplomaten soll es sich um einen Geheimdienstoffizier handeln, der den britischen Behörden bekannt war. Er sei als offizieller Verbindungsoffizier zum britischen (Geheimdienst) M16 tätig gewesen. Es gibt keine Hinweise, dass er persönlich in die Affäre um die gefälschten Pässe verwickelt ist.
Israel bestreitet bis heute jede Verwicklung in den Mord an Mr. Mabhouh, der sich im Februar diesen Jahres ereignete. Mabhouh galt als wichtige Figur beim Schmuggel iranischer Waffen (im Auftrag der Hamas) in den Gazastreifen. Israel weigert sich seither, irgendetwas zu unterzeichnen, das als Eingeständnis ausgelegt werden könnte.
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