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Operation Straffreies Blei

von Eduardo Galeano

19.01.2009 — Brecha / ZNet

— abgelegt unter:

Um sich zu rechtfertigen, produziert der Staatsterrorismus Terroristen: Er sät Hass und erntet Alibis. Alles deutet darauf hin, dass das Schlachthaus Gaza, durch das die Täter angeblich die Terroristen erledigen wollen, diesen Terroristen neuen Auftrieb geben wird.

Seit 1948 sind die Palästinenser zu kontinuierlicher Entwürdigung verurteilt. Selbst um zu atmen, brauchen sie eine Genehmigung. Sie haben ihr Land verloren, ihr Territorium, ihr Wasser, ihre Freiheit, alles, was ihnen gehörte. Sie haben nicht einmal das Recht, ihre Regierung selbst zu wählen. Wenn sie Leute wählen, die sie nicht wählen sollen, bestraft man sie. Gaza wird bestraft. Seit die Hamas 2006 die Wahlen klar gewann, ist Gaza zu einer Mausefalle geworden - ohne Ausgang. 1932 ereignete sich in El Salvador etwas Ähnliches: Die Kommunistische Partei triumphierte bei den Wahlen. Die Bevölkerung büßte für ihr schlechtes Benehmen mit einem Blutbad. Seit jener Zeit lebt sie in Militärdiktaturen. Demokratie ist ein Luxus, den nicht jeder verdient hat.

Die Raketen, die in die Enge getriebenen Hamas-Militante so ungelenk aus Gaza abschießen, sind die Kinder der Impotenz. Ziel der Raketen ist ein Territorium, das einst palästinensisch war, und das sich die israelische Okkupation angeeignet hat. Verzweiflung - bis an den Rand des suizidalen Wahnsinns - ist die Mutter jener Drohungen, mit denen das Existenzrecht Israels geleugnet wird: Es ist ein Aufschrei ohne Konsequenz, während (auf der anderen Seite) seit Jahren ein sehr effizienter Auslöschungskrieg das Existenzrecht Palästinas leugnet.

Es ist nicht mehr viel übrig von Palästina. Schritt für Schritt radiert Israel Palästina von der Landkarte.

Zuerst nisten sich Kolonialisten ein. Dann eilen Soldaten an die Grenzen. Fliegen Kugeln, so wird dies als Rechtfertigung für Plünderung genommen - als legitimer Akt der Selbstverteidigung.

Es hat noch nie einen Aggressionskrieg gegeben, der nicht als Akt der Selbstverteidigung deklariert wurde. Hitler sagte, er marschiere in Polen ein, damit Polen nicht in Deutschland einmarschiere. Bush marschierte in den Irak ein, damit der Irak nicht in die Welt einmarschierte. Mit jedem seiner Selbstverteidigungskriege schluckte Israel ein Stück Palästina - und das große Fressen geht weiter. Gerechtfertigt wird es mit aus der Bibel abgeleiteten Grundeigentumsrechten, mit zweitausend Jahren Judenverfolgung und mit der Panik, die die Palästinenser - in Lauerstellung - auslösen.

Israel ist ein Land, das sich nie nach Resolutionen oder Empfehlungen der UNO gerichtet hat, das den Urteilen internationaler Gerichtshöfe nie Folge leistete, das sich über das internationale Recht lustig macht. Es ist das einzige Land, das die Folter von Gefangenen für legal erklärt. Wer hat Israel das Recht gegeben, all diese Rechte vorzuenthalten? Woher stammt diese Immunität, mit der Israel in Gaza tötet? Die Regierung Spaniens hätte das Baskenland nicht straffrei bombardieren können, um die ETA zu erledigen. Ebensowenig hätte Großbritannien (Nord-)Irland zerstören können, um die IRA zu liquidieren. Führt eine Tragödie wie die des 'Holocaust' zu einer Politik der ewigen Straffreiheit? Oder kommt das grüne Licht von jener Großmacht, deren Vasall Israel ist? Israel ist ihr Vasall, der am wenigsten Fragen stellt.

Die Israelische Armee ist die modernste und ausgeklügeltste der Welt. Sie weiß, wen sie tötet. Sie tötet nicht irrtümlich sondern um des Terrors willen. Die zivilen Opfer werden als "Kollateralschäden" bezeichnet. So ist es im Wörterbuch der anderen Imperialkriege zu lesen. In Gaza waren drei von zehn "Kollateralschäden" Kinder. Tausende Menschen wurden verstümmelt. Die Opfer - sie sind Opfer menschgemachter Verstümmelungen, wie sie die Kriegsindustrie bei dieser Operation der 'ethnischen Säuberung' so erfolgreich wiederholt hat.

Und immer, immer, ist es dasselbe. Hundert für einen, hieß es in Gaza. Für einen Israeli oder eine Israelin hundert Palästinenser.

Es sind gefährliche Menschen (und sie warnen schon vor dem nächsten Bombardement), jene, die in den enorm manipulativen Medien die Verantwortung tragen. Sie laden uns ein, zu glauben, ein israelisches Leben sei soviel wert ist wie hundert palästinensische. Es sind diese Medien, die uns einladen, zu denken, dass die zweihundert israelischen Atombomben, eine humanitäre Angelegenheit seien, während man so tut, als habe die 'Atommacht' Iran Hiroshima und Nagasaki ausgelöscht.

Die sogenannte internationale Gemeinschaft - existiert sie überhaupt?

Handelt es sich dabei nicht nur um einen Club aus Händlern, Bankern und Kriegsmachern? Ist die internationale Gemeinschaft mehr als ein künstlicher Begriff, zu dem die USA greifen, sobald sie wieder ihr Theater aufführen?

Bevor es zu der Tragödie in Gaza kam, machte sich wieder jene weltweite Heuchelei bemerkbar. Wie immer leere Debatten, hohle Erklärungen, Gleichgültigkeit, hochtrabende Klagen, ambivalente Positionen. Sie waren der Tribut an die 'heilige Straffreiheit' - wie immer.

Vor der Tragödie in Gaza wuschen die arabischen Regime ihre Hände in Unschuld, und die europäischen Staaten rangen wie immer die Hände.

Das alte Europa - so versiert in Kriegen und Boshaftigkeit - vergießt ein oder zwei Tränen. Aber heimlich feiert man den Meisterstreich. Juden zu jagen war stets ein europäischer Brauch. Doch seit einem halben Jahrhundert zahlt ein anderes semitisches Volk - die Palästinenser - die historische Schuld. Die Palästinenser waren nie antisemitisch und sind es auch heute nicht. Sie zahlen den Blutpreis für andere.

(Dieser Artikel ist meinen jüdischen Freunden gewidmet, die durch lateinamerikanische Diktaturen ermordet wurden, für die Israel beratend tätig war.)

Aus dem Spanischen ins Englische übertragen von Supriyo Chatterjee

Orginalartikel: Operation Unpunished Lead
Übersetzt von: Andrea Noll
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flora sagt
22.01.2009 17:05

Zionismus = Faschismus?

Zitate die das nahelegen:

Golda Meier.
1969 behauptete sie gegenüber der Sunday Times:
" Es hat niemals ein palästinensisches Volk gegeben".
Das typische Argument von Völkermördern, die ihr Werk noch nicht beendet haben und belegen wollen, dass sie garniemand morden konnten, weil es niemanden zu morden gab.
Der Völkermord an den Ostdeutschen 1945/46 wird bis heute von den Polen z.B. mit diesem "Argument" genauso erfolgreich geleugnet.

Yizhak Rabin.
1.4.1988 , NY Times:
"...wir werden die Palästinenser vernichten wie die Heuschrecken und ihre Köpfe an die Wände schlagen..."

Ariel Scharon.
a)18.6.1989, laut Reuter:
"Um den Aufstand zu beenden, gibt es nur drei Möglichkeiten: Transfer, Aushungern oder ihre Vernichtung, also Völkermord!"
Es soll also niemand sagen, sie hätten es nicht klar und deutlich vorher angekündigt, im Gegensatz zu Hitler.

b)"Nur ein toter Araber ist ein guter Araber!"

c)"Cut off their testicles" (29.12.1982 in Yedioth Aharonot)

Das sind Aussprüche die jeder Naziverbrecher genauso hätte machen können, den hätte man dann aber zu recht einen Faschisten und Rassisten genannt.
C.Pichlo