Tausende Haitianer werden sterben, wenn die USA ihre Hilfsanstrengungen nicht verstärkt
von Mark Weisbrot
26.03.2010 — ZNet / Sacramento Bee
Am 10. März entschuldigte sich Ex-Präsident Clinton für die Rolle, die seine Regierung bei der Zerstörung eines Großteils der haitianischen Landwirtschaft gespielt hatte: “Es mag vorteilhaft gewesen sein für einige unserer Farmer in Arkansas, aber es hat nicht funktioniert . . . Ich muss jeden Tag damit leben, dass mein Tun zum Verlust der Fähigkeit geführt hat, eine Reisernte in Haiti zu ermöglichen und dieses Volk zu ernähren.”
Anfang der 1980er Jahre vernichtete subventionierter US-Reis die Existenz Tausender Reisbauern auf Haiti und ließ das Land abhängig werden von Lebensmittelimporten.
Clinton Entschuldigung ist wichtig und stellt eine Chance dar, die Politik der USA gegenüber Haiti zu verändern, die eine Hauptursache für das Leid in dem hoffnungslos armen Land gewesen ist.
Die derzeitige Hilfsmaßnahme muss dringendst aufgestockt werden, um den 1,3 Millionen obdachlosen Haitianern unverzüglich zu helfen, bevor Tausende in der Regenzeit oder durch Orkane getötet werden. Nach einem relativ kurzen Regenschauer am 19. März gab es Bilder von Haitianern, die sich in armseligen Lagern durch den Schlamm kämpfen, um zu verhindern, dass sie von den Fluten überschwemmt werden.
Die Regenzeit
beginnt gerade erst und es wird weit schlimmer kommen, besonders für
mehr als 200.000 Obdachlose in 29 Lagern, die von heftigen
Regenfällen weggeschwemmt werden könnten.
Danny Glover ist
Schauspieler und Vorsitzender des TransAfrica Forums. Beide, er und
TransAfrica, sind seit vielen Jahren tätig, um Haiti zu helfen. “Es
ist nicht einleuchtend, dass man den Leuten nicht einmal Zelte zur
Verfügung stellen kann zweieinhalb Monate nach dem Erdbeben”
erklärte er mir in Washington. Tatsächlich ergibt es keinen Sinn:
die benötigten Zelte kosten etwa 100 $ pro Stück; auch wenn wir die
von der Regierung angeforderte Zahl von 200.000 Zelten verdoppeln,
betragen die Kosten von 40 Millionen Dollar nicht einmal zwei Prozent
der öffentlichen und privaten Spenden aus den USA und anderen
Ländern.
Der Kongress muss den Druck verstärken durch die
sofortige Ankündigung seine Aufsichtsfunktion zu erfüllen, ergänzt
durch Anhörungen und einen Bericht darüber, wie die US-Dollars der
Steuerzahler und privaten Stiftungen in Haiti ausgegeben wurden. Das
würde größeren Organisationen und Vertragspartnern der
US-Regierung einigen Anreiz bieten, Tausenden von Haitianern zu
helfen, bevor sie in der im Juni beginnenden Regenzeit und
Orkansaison zu Tode kommen.
Chemonics erhielt mehrere
Verträge von insgesamt über zehn Millionen Dollar durch USAID
(United States Agency for International Development *). Es ist eine
Tochterfirma von ERLY Industries, die auch Mutterkonzern der American
Rice Corporation sind, einem Hauptnutznießer jener Politik, für die
sich Clinton entschuldigte.
Das amerikanische Rote Kreuz hat
schätzungsweise ein Drittel der Dollarmilliarden erhalten, die
US-Hilfsorganisationen für Haiti gesammelt hatten. Es war in den
vergangenen Jahren in einige Skandale verwickelt, wo Hunderte
Millionen Dollar an Spendengeldern nicht für die speziellen
Hilfsmaßnahmen ausgegeben wurden, für die man sie eingenommen
hatte.
Die dringendsten Bedürfnisse sind klar: zusätzlich
zu den notwendigen Unterkünften und Umsiedlungsmaßnahmen muss mehr
Hilfe außerhalb von Port-au-Prince bereit gestellt werden, damit die
Menschen eher in der Lage sind, anderswo zu leben. Zudem ist mehr
Agrarhilfe für die laufende Pflanzsaison dringend erforderlich. Die
internationale Gemeinschaft stellt gegenwärtig die meisten
Nahrungsmittel für Haiti bereit. Sie sollte sich verpflichten,
wenigstens in dieser und der nächsten Saison die vor Ort produzierte
Reisernte zu einem gewinnbringenden Festpreis aufzukaufen, bevor
irgendwelcher Importreis verteilt wird. Wie in der Vergangenheit
geschehen, drückt importierter Reis derzeit den Preis für lokalen
Reis und kann den Bauern das Überleben schwer oder unmöglich
machen.
Die Regierung von Haiti braucht zudem Unterstützung
des Staatshaushaltes. Gegenwärtig erhält sie nur einen winzigen
Bruchteil an Geldern von der US-Regierung, nicht annähernd genug, um
als arbeitsfähige Regierung den Kraftaufwand zu leisten, der für
den Wiederaufbau nötig wäre. Es ist sowohl falsch als auch
kontraproduktiv zu versuchen, die Haitianer von einem Mitspracherecht
für die Zukunft ihres eigenen Landes auszuschließen.
Mark
Weisbrot ist Co-Direktor des Zentrums für Wirtschafts- und
Politikforschung (Center for Economic and Policy Research) in
Washington, D.C. Den Doktorgrad in Wirtschaftswissenschaften erhielt
er an der Universität Michigan. Er hat zahlreiche Forschungsarbeiten
über Wirtschaftspolitik verfasst, vor allem zu Lateinamerika und
internationaler Wirtschaftspolitik. Zudem ist er Mitverfasser von
Dean Baker’s “Social Security: The Phony Crisis” (University of
Chicago Press, 2000) und Präsident von Just Foreign Policy, einer
Initiative, die sich für gerechte Außenpolitik einsetzt.
*
Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung
Anmerkungen
Die Übersetzung wurde uns freundlicherweise von Womblog.de zur Verfügung gestellt.
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