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Zum Gedenken: 33 Jahre nach dem Putsch in Argentinien

von Ben Dangl

23.04.2009 — ZNet

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Beim Amerika-Gipfel am vergangenen Wochenende trafen sich die Präsidenten der Hemisphäre auf Trinidad (und Tobago). 48 Jahre zuvor hatte Kuba die Amerikaner in der Schweinebucht geschlagen. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega erinnerte in seiner Rede an die Schweinebuchtinvasion und kritisierte den US-Imperialismus im gesamten 20. Jahrhundert. Präsident Barack Obama antwortete: "Ich bin dankbar, dass Präsident Ortega mich nicht für Dinge verantwortlich macht, die passierten, als ich 3 Monate alt war".

Doch US-Präsident Obama tritt ein blutiges Erbe an, das in Lateinamerika  noch immer höchst lebendig ist. Wenige Wochen vor dem Treffen der Präsidenten in Trinidad, demonstrierten Tausende Argentinier wieder einmal für Gerechtigkeit für die 30 000 Verschwundenen. Die USA hatten die argentinische Militärdiktatur, die für ihr Verschwinden verantwortlich ist unterstützt.

Am 24. März 1976 übernahm eine Militärjunta die Macht in Argentinien. General Jorge Rafael Videla herrschte bis 1981 - mit Terror, Folter, Mord und Überwachung - über das Land.

Am 24. März 2009 waren die zentralen Straßen der Stadt Mendoza (Argentinien) voller bunter Demonstrationszüge. Sie gedachten des Staatsstreichs und forderten Gerechtigkeit. Die vielen verschiedenen Transparente und Schilder, die über der Menge schwebten, bezeugten die gesunde politische Diversität in Argentiniens Politik und Aktivismus. Die Bandbreite reichte von Maoisten bis zu den 'Müttern der Plaza de Mayo', die ihre Freunde und Unterstützer unter Tränen umarmten.

Die Demo war rund um ein zentrales Thema organisiert worden. Dieses lautete: Gerechtigkeit, Wahrheit und Erinnerung an die Diktatur. Aber auch andere Themen tauchten in der Menge auf, zum Beispiel die Auswirkungen der Sojaproduktion, steigende Busfahrpreise und politische Korruption.

Es war ein Marsch der Erinnerung an 1976, als Henry Kissinger der argentinischen Militärjunta seinen Segen gab, indem er sagte: "Wenn es Dinge gibt, die erledigt werden müssen, sollten Sie sie schnell erledigen". Er stärkte den blutigen, folternden Anführern den Rücken, indem er sagte*: "Ich will nicht den Eindruck vermitteln, dass sie vonseiten der Vereinigten Staaten unter Druck gesetzt werden (harassed)".

Am 24. März kam es auch in der Hauptstadt Buenos Aires zu Demonstrationen und Protesten. Dort marschierten die berühmten 'Mütter von der Plaza de Mayo'. Seit Jahrzehnten sind sie eine mächtige Menschenrechtsbewegung, die die Wahrheit über das Schicksal ihrer verschwundenen Kinder fordert. Mehrere Mütter verlasen ein Dokument*, in dem sie erläuterten, dass  "die Langsamkeit der Justiz" nach so vielen Jahren "zu Straffreiheit führt, und Straffreiheit führt zu immer mehr Straffreiheit".

Hebe Bonafini, ein führendes Mitglied der Gruppe, erläuterte in einem Text*, dass ihre Bewegung viel mehr tue, als nur zu marschieren und rechtliche Lobbyarbeit zu leisten. Sie hätten ihre Aktivitäten auf alle Lebensbereiche und alle erdenklichen Medien ausgeweitet, ein Literaturcafé und ein Verlagshaus eröffnet. Sie bieten Seminare für 2800 TeilnehmerInnen an. Mit ihrem Projekt 'Shared Dream' (Gemeinsamer Traum) schufen sie Wohnraum in armen Vierteln, Suppenküchen und Kindertagesstätten. Ihre Radiostation ist bis ins benachbarte Uruguay zu empfangen und sogar in Brasilien.

Bei der Demonstration in Buenos Aires sprachen die 'Mütter der Plaza de Mayo' über die Tatsache*, dass "heute erst 44 Urteile" gegen diejenigen ergangen sind, die während der Diktatur " den "Plan der systematischen Auslöschung" entworfen hatten. Aus diesem Grunde, so die Mütter, "müssen wir weiter für Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfen". 526 Verbrecher aus der Zeit der Diktatur wurden noch immer nicht verurteilt. Die Mütter fordern, "alle Archive der Streifkräfte und der Sicherheit zu öffnen, um die Wahrheit zu erfahren". Sie fordern die Zeugenaussage von Julio López, dem Hauptbelastungszeugen im Fall Miguel Etchecolatz, der einer der Unterdrücker in der Zeit der Diktatur war.

Julio López war während der Diktatur politischer Gefangener. Er verschwand 2006, wenige Stunden bevor er gegen Etchecolatz aussagen sollte. López wurde am 18. September 2006 zum letztenmal gesehen. Die Journalistin Marie Trigona (die auch für ZNet schreibt - Anmerkung d. Übersetzerin) berichtete, dass Nilda Eloy (auch sie eine Überlebende der Diktatur), die neben López gegen Etchecolatz aussagen sollte und dies auch tat, gesagt haben soll: "Die Beweislage deutet überwiegend darauf hin, dass López von den Gangstern der Greater-Buenos-Aires-Polizei und rechten Faschisten entführt wurde."

Neben Buenos Aires erinnerten weitere argentinische Großstädte an die harte Zeit, die ihre Schatten auf eine Generation nach der andern geworfen hat und wirft. Aber der 24. März 2009 war auch ein Tag der Hoffnung und des Wiederaufbaus. In Cordoba (Argentinien) war das ehemalige Haft- und Folterzentrum der Militärdiktatur La Perla zu einem 'Raum der Erinnerung' umgebaut worden und wurde der Öffentlichkeit übergeben. Emiliano Fessia, ein Mitglied der Menschenrechtsorganisation HIJOS sagte: "Es wird von nun an ein Ort des Lebens sein, nachdem es ein Ort des Todes war".

Anmerkung d. Übersetzerin

* An diesen Stellen befinden sich im Original englischsprachige Links

Orginalartikel: Argentinia Remembers
Übersetzt von: Andrea Noll
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